von Jörg Streese

Lexfaehr - Reparatur und Gewitter

Lexfaehr - Reparatur und Gewitter

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Published on Juni 12th, 2010 @ 21:19:07 , using 620 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Lexfaehr - Reparatur und Gewitter

 

Um 10:00 Uhr, nach dem es die ganze Nacht bis 09:45 geregnet hatte, kam der Monteur um 10:30 und alles wurde wunderbar. Das Ruder läuft jetzt wieder wie Butter in seiner Führung und mir fiel ein ganzer Rucksack vom  Rücken.

Um 15:00 Uhr war ich wieder im Wasser, nach dem ich mehrfach sehr ängstlich in den gewitterigen Himmel geschaut hatte, aus dem schon die ersten schweren Sturmböen kamen.

Dann, als ich am Steg war, ging es richtig los: es heulte und jaulte im Rigg, MISS SOPHIE legte sich am Steg auf die Seite unter dem enormen Winddruck auf den Mast und es wurde so richtig gemütlich in der Kajüte.

Und da dachte ich, bei einem solch  Scheiss Wetter sollte ich einfach mal eine Scheiss Arbeit machen: Das Pump-Klo auseinander nehmen, um rauszukriegen, warum es seit Helgoland nicht mehr funktioniert.

Um diese Scheissarbeit ein wenig zu illustrieren, muss ich genauer werden:

Den WC-Raum könnt ihr ja auf dem Foto sehen, dass bei der Vorstellung von MISS SOPHIE zu sehen ist: 50 cm breit und 70 cm, tief. Der Raum davor, in dem ich mich bewegen muss, ist 120 cm lang, am Ende 12 cm breit und vor dem WC-Raum 50 cm breit, auf dieser Strecke muss ich meine 173 cm Körperlänge unterbringen und von der hinteren Seite des WC's in einem 180 Grad Winkel mit der einen Hand arbeiten und mit der anderen in einem Spalt von 10 cm von vorne Schrauben lösen.

Innerhalb von Minuten steht man im Schweiss.

Und nach 5 Minutren tun einem alle Kochen weh, weil man in unmöglichen Körperhaltungen sehr sehr konzentriert arbeiten muss.

Also ich muss meinen Kopf in Höhe meiner Finger bringen, damit ich mit meiner linken Hand hinter den Rücken des WC gelangen kann und gleichzeitig sehen kann, was ich da mit der Hand zu tun habe. Und gleichzeitig muss ich mit meiner rechten Hand in einen so schmalen Schlitz kommen, dass ich sie dafür so verdrehen muss, dass es im Handgelenk weh tut - und dabei so ruhig bleiben, dass ich ganz präzise den Schraubendeher so bewege, dass die Schraube nicht abfällt.

Draussen heult es mit 6-8 Windstärken die Eider lang, es regnet ununterbrochen und was kann es da schöneres geben, als eine solch schwierige Aufgabe zu lösen. Zumal natürlich das Wasser aus den Rohren zurück fliesst, wenn man irgendwo das Leitungssystem öffnet und es den entsprechenden Geruch dabei abgibt. Ist ja das Klo.

Eine ganze Rolle Papierhandtücher ging dabei drauf.

Was war?

Das zentrale Gummiventil war in der falschen Richtung eingebaut. Und es hatte sich ein kleines verdrehtes Klopapierknäul darin verwickelt.

Nur: wie konnte ein falsch eingebautes Ventil 15 Jahre lang funktionieren?

Und wer hatte es falsch eingebaut?

Denn das Klo ist von mir eingebaut worden, aber in dem Zustand, in dem ich es hier vorfand.

Werkseitig?

Das kann ich einfach nicht glauben.

Sehr Merkwürdig.

Aber egal. Jetzt schnurrt das WC wieder wie eine Nähmaschine.

Es regnet immer noch und stürmt und es heult im Rigg.

Ich gehe duschen.

Ich mach mir was zu Essen und fange einen sehr, sehr spannenden Roman an, den ich hier in der kleinen Bibliothek gegen ein anderes Buch getauscht habe: Hammond Innes: "Der Weiße Süden". In der Übersetzung von  Arno Schmidt (sic!). In meiner Jugend mit 15 Jahren gelesen, weil, als ich da Arno Schmidt entdeckte, ich die Literatur entdeckte und von ihm alles, alles was es gab, versuchte zu bekommen mit meinem bescheidenen Taschengeld, das ich mir als Bote für ein Antiquariat verdiente. Und da war natürlich auch diese Übersetzung dabei und ich habe sie als ungeheuer spannnend in Erinnerung.

Stimmt.

Spielt im Walfangmileu zwischen den Weltkriegen.

Draussen heult der Sturm, MISS SOPHIE wiegt sich in den Böen und ich mache eine Flasche Whiskey auf (weil in dem Roman wird auch ununterbrochen Whiskey getrunken).

Is ne lange Nacht geworden.

 


1 Kommentar

Kommentar von: frank wieting
frank wieting

lieber jörg,apropo klo..ich hätte da einen vorschlag zu machen. besorg dir eine pütz,die einen weiche umrandung hat.
erledige dein geschäft in der plicht indem du dich auf die pütz setzt und dabei die beste aussicht deines lebens geniesst.hast alles im griff und ein immer
gangbares klo…
in diesem sinne ein gutes geschäft
dein dir freundschaftlich gesonnene
frank v.d.L.

13.06.10 @ 14:01


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