von Jörg Streese

Törnbericht: Swinouj'sie - Dziwnow

Törnbericht: Swinouj'sie - Dziwnow

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Published on Mai 29th, 2011 @ 14:46:48 , using 428 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Törnbericht: Swinouj'sie - Dziwnow


Von Swinoujsie nach dem kleinen Hafen von Dziwnow

Angesagt waren bis 12:00 SW 5, Wellen zwischen 0,5 und 1,5 Metern.

Morgens um 04:30 klingelt der Wecker, 05:30 bin ich los, ich musste vorher noch den Autopiloten kompensieren, in dem ich mehrere Kreise fuhr, was in dem stillen Hafenbecken jetzt ganz gut ging.

Draussen machte ich dann den Fehler, dass ich erst das Großsegel setzte und danach die Fock, die bei dem direkt achterlich kommenden Wind sofort wieder einfiel, denn mein Karten-Kurs war 65 Grad. Also wieder runter mit dem Großsegel und dann zog die Fock auch prima mit 5 – 6 kn.

Langsam baute sich hinter mir eine See auf, deren Höhe ich nicht schätzen kann, aber einen Meter hatte sie in den größeren Gebilden. Jetzt fing MISS SOPHIE an zu geigen. So nennt man das, wenn achterliche Wellen das Heck des Schiffes anheben und beschleunigen und gleichzeitig damit etwas aus dem Kurs bringen und das Schiff jetzt den Wind etwas mehr von der Seite bekommt und versucht, nach Lee auszubrechen, wobei es sich nach Lee überlegt, wäghrend es direkt vor dem Wind aufrecht segelt. Dann muss kräftig gegengesteuert werden, und das Schiff legt sich nun auf die andere Seite – für viele ein Kotzkurs. Aber dieser Vorgang musste jetzt 4-5 Stunden betrieben werden, die ich brauchen würde, die 25 Seemeilen zwischen Swinoujsie und dem kleinen Fischerhafen Dziwnow abzusegeln.

Bei westlichen Winden und einer See ab einem Meter wird im nautischen Führer vor den brechenden Seen in und vor der Hafeneinfahrt wegen dem flach werdenden Wasser und vor den seitlich das Schiff versetzenden Seen gewarnt und es wird geraten, Vorsegel stehen zu lassen, den Niedergang zu verschließen und die Maschine mitlaufen zu lassen und dies nur mit Schiffen zu machen, die man zuverlässig kennt und mit denen man vertaut ist.

Entsprechend gepolt habe ich mich an die Hafeneinfahrt gemacht: vorher schon mal den Kurs 141° mit der Fock probiert, Peilung auf die achterliche Ansteuerungstonne genommen und dann rein in den Seekanal und Gas gegeben. Es war aber alles sehr handig und problemlos – nur es ist erstaunlich, wieviel Kraft in diesen ja nicht hohe Wellen sittzt, wenn sie einen seitlich anheben und die 5 Tonnen meines Schiffes spielend 3 Meter nach Lee versetzen.

Kurz an der Border-Guard längsseits gegangen, Schiffsname, Schiffsführer, letzter Hafen, wieviel Personen – und ich konnte in den Fischerhafen fahren.

Der allerdings ist gewöhnungsbedürftig: neben ca. 10 toten Enten und Möwen und vielen Fischkadavern arbeiten hier auch 15 Fischer mit ihren Booten und nehmen ihren Fisch aus. Hat aber Atmosphäre.

Der Ort selbst muss im Sommer brummen, denn der Strand ist lang und beliebt und ist als Bernsteinstrand bekannt.

 

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