von Jörg Streese

Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas

Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas

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Published on Juni 14th, 2012 @ 15:41:17 , using 430 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas

 

Mit dem Bus in die Stadt Kuressaare. Kaum ausgestiegen, merke ich, dass mir die Sonne auf den Kopf brennt. Meine ADIDAS-Mütze. Im Bus hatte ich sie abgenommen und da war sie dann wohl liegen geblieben.


Ohne Kopfbedeckung geht das bei dem wolkenlosen Himmel hier mit meinen Haaren überhaupt nicht. Ich steuerte einige Läden an und wurde dann in einem Second-Hand-Laden fündig: für 15 EUR wanderten nicht nur ein Cap in meinen Rucksack sondern auch noch drei Hosen: HUGO BOSS, eine Leinenhose und noch eine weitere, die allerdings alle kürzer zu machen sind, also mussten noch Nadel und Faden erstanden werden.


So wieder ausgerüstet, wurden noch Socken aus der Wolle der berühmten Saaremaa-Schafe für Ulrike erstanden und dann begab ich mich in die Arens-Burg des Deutschen Ordens, die wohl in ihrer ersten Form 1380 erbaut wurde und als einzige Burg aus dieser Art noch vollstänndig erhalten geblieben ist.


Mächtige, 3 Meter oder noch dickere Mauern, sehr sehr schmale Wehrgänge, bei denen man sich nur wundern kann, wie damals bewehrte Männer da durchkommen sollten - und alles in einem hervorragenden Zustand.

Der Turmwächter ist 30 Meter hoch und besteht aus ebensolchen breiten Mauern


Ich lasse mir Zeit, lasse diese beeindruckende Architektur auf mich wirken und hänge so meinen Gedanken nach.


Irgendwann dann gegen 17:00 Uhr schlendere ich langsam zurück, nehme noch für 3,60 EUR eine vegetarische Gemüsepfanne zu mir, plündere den Supermarkt und stelle mich dann schwerbepackt an die Bushaltestelle.


Im Bus frage ich den Busfahrer mit Händen und Füßen nach einer gefundenen Mütze - aber er schüttelt nur den Kopf – entweder, weil er mich nicht verstanden hat oder weil nichts gefunden wurde.


Ich gehe zu meinem Sitz von der Herfahrt – und was liegt dort unter dem Sitz?


Überglücklich fahre ich zurück zu MISS SOPHIE.


War ein guter Tag.

Nachtrag:

Mit der hübschen jungen Hafenmeisterin hier, die wohl die einzige weibliche in Estland ist, plaudere ich ein wenig, als sie mein Tagebuch las und dann erzählt sie, dass sie auf Ruhnu ein ganzes Jahr gelebt hat, mit den Fischern zum Fischfang ging und diese und jene Arbeit dort gemacht hat, weil sie diese Gegend so liebt. Und dann erzählt sie, dass die Bevölkerung auf dieser Insel (60 an der Zahl !!!!) gespalten ist: die einen leben für sich und wollen nichts mit den anderen zu tun haben und die anderen haben viel Kommunikation untereinander.

Vielleicht spiegelt das ja auch die Art und Weise, wie sie ihre Häuser abgrenzen, wieder: die einen haben ihre Zäune zu Kunstobjekten gemacht, die anderen verwenden ihre Zäune als Zäune: zur Abgrenzung nach außen.

Könnte ich jetzt hier mit Bildern belegen - lasse ich aber mal.

1 Kommentar

Kommentar von: Lothar Jentzsch
Lothar Jentzsch

Dinge, die einem nahe stehen und von einem wegdriften! Lieber Jörg, verlorengegangen ist nur ein Wort dafür. Die Mütze hat ja nichts für ihr Verschwinden getan, anders als in der biblischen Geschichte vom verlorenen Schaf. Doch die Freude des Widerfindens ist gleich. Im Zusammenleben ist es dann noch komplizierter und eine gewisse Trauer über den derzeitigen Zustand kann Veränderung bringen. Wenn wir nicht um etwas trauern, werden wir in Gefühlsstarre verharren. So ähnlich hätte es vielleicht auch die gestern verstorbene Dame der Psychoanalyse, Margarete Mitscherlich, sagen können. Erfreue Dich an den schönen kleinen Dingen des Lebens! Alles Gute, Lothar

14.06.12 @ 21:34


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