von Jörg Streese

Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu

Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu

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Published on Juni 19th, 2012 @ 14:49:58 , using 477 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu


Luserke würde sagen: Mal wieder richtiges Heldensegeln


Morgens um 06:40 höre ich den Seewetterbericht: Rigaer Meerbusen: SW 5, abnehmend 3-4, SE-drehend, Wellen 1,5 Meter


Das klingt zumindest nicht schlecht.


Der Wind, den ich hier vorfinde, kann ich nicht richtig einschätzen, weil er hier durch diverse Landgegebenheiten abgelenkt und abgeschwächt wird.


Aber nach meinem Frühstück um 09:30 entscheide ich mich loszusegeln. Achterlicher Wind auf der ganzen Strecke, das sollte schon irgendwie passen.


Kaum aus dem Landschutz heraus, sind es dann auch wirklich die 5 Windstärken und ich muss erstmal unter Motor hier raus.


Um 10:30 kann ich dann auf 55 Grad gehen und lass mich von der Fock ziehen: zwischen 5,5 und 6,5 Knoten. Aber aufmerksames Steuern ist erforderlich, weil der Wind platt von achtern kommt. Und das wird so bleiben und die folgenden 6 oder 8 Stunden werde ich die Pinne nicht verlassen können.


Um 14:30 gehe ich auf meinen WP 2. Die Wellen hier haben jetzt bis zu zwei Meter Höhe.

Das messe ich, in dem ich meine Augenhöhe über Wasser vorher gemessen habe (145 cm) und dann Wellen, die höher als der Horizont sich aufsteilen, höher als diese Höhe einstufen kann und wenn ich selbst gerade in einem Wellental bin, dann kann ich da mindestens 50 cm wenn nicht mehr noch dazutun.


Zwei achteraufkommende Wellen brechen dann auch genau hinter mir und überschwemmen mein Achterschap – also sagen wir mal, sie überspülen es.


Aber alles ist gut, ich habe ein gutes Gefühl für den Wind, für meine MISS SOPHIE und für die Situation und ich klemme mich mit meinem Rücken, gepolstert von einem geschlossenporigen Schaumstoffstück gegen den Süllrand und mit meinen Beinen auf der gegenüberliegenden Sitzbank und freue mich, dass ich mal wieder so richtig auf See bin.


Kurz vor Kuivastu kommt mir ein Schwede hoch am Wind entgegen, ebenfalls auf Backbordbug und ich stelle sehr schnell fest, dass wir auf Kollosionskurs sind. Er in Lee hat Wegerecht, aber für ihn hätte es ein fingerbreit abfallen bedeutet, mir Raum zu geben, während für mich, platt vorm Laken nur mit der Fock, es eine Halse bedeutet, was bei dem Wind nicht unproblematisch ist. Ich gehe auf halben Wind, in der Hoffnung, ihm damit genügend Raum zu geben. Er geht drei Meter hinter mir durch und böllert was von Steuerbord – sooon Quatsch, er hatte Wegerecht, weil er in Lee war.

Kurz vor Kuivastu schläft der Wind ein, der die letzten 4 sm auf 3-4 runter gegangen war und ich motore das letzte Stück, was meiner Batterie sicher sehr gelegen kommt.


Um 18:00 bin ich fest im neuen Yachthafen von Kuivastu.

Ist ein durchorganisierter Fährhafen für die Insel Saaremaa mit langen Staus von LKWs und urlaubenden Menschen in PKWs.


Achteinhalb Stunden an der Pinne. Geschafft, hungrig, durstig und rechtschaffent müde – aber es muss noch gekocht und das Tagebuch geschrieben werden.



Koiguste zu 05 WP 155° 6 sm

05 WP zu 06 WP1 55° 15 sm

06 WP1 zu 06 WP2 30° 12 sm

06 WP2 zu 06 WP3 0° 1,5 sm

06 WP3 zu Kuivastu 300° 2,5 sm

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