von Jörg Streese

Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa

Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa

Written by:
Published on Juni 22nd, 2012 @ 19:16:43 , using 319 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa
Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa

 

Irgenwie hatte ich keine Lust mehr auf Muhu. Dabei war der Seewetterbericht überhaupt nicht geeignet, nach Hiiumaa zu segeln, denn er versprach Wind von W über NordWest über N nach NordOst zwischen 3 und 4. Und Nord bzw. am Anfang NordWest war meine Segelrichtung.


Aber irgendwas trieb mich, dabei sagte die Vorhersage für den nächsten Tag wunderbaren Segelwind von NE an.


Um 10:30 schmiss ich die Leinen los, N 1-2, Motor und Großsegel.


In der kleinen Rinne, die nordwestlich setzt, dazu die Selbstwendefock und Motor aus.

Dazu muss gesagt werden, dass der gesamte obere Bereich des Rigaer Meerbusens, die Suur-Straße und das daran anschließende Hari-Fahrwasser ausgesprochen flach sind, um die 2 Meter und die betonnten Fahrwasser zwischen 5 und 7 Meter Tiefe haben und teilweise sehr schmal sind.


Aber am Ende dieses Schlages nach NW, ca. 5 sm lang, geht das Fahrwasser strickt nach Norden – und da kam der Wind her, jetzt mit gut 4 Windstärken. Und die bauten in diesem flachen Wasser über die lange Wirkstrecke schnell einen bissigen, sehr kurzwelligen Seegang auf, der MISS SOPHIE immer wieder zum Stoppen brachte.


Als ich von den direkten Untiefen frei war, segelte ich so hoch am Wind wie es  ging, aber der Seegang hier erforderte Kraft und ließ MISS SOPHIE nur mit 60 Grad am Wind segeln. Während mich ein Schlag mit 30 Grad NNE zumindest Höhe gewinnen ließ, konnte der zweite Schlag nur Höhe halten. Ein endlosen Gegenankreuzen versprach das.

Was ja auch ok gewesen wäre, wenn es nicht schon etwas spät geworden wäre und ich über mich selbst so sauer wegen dieser Fehlentscheidung war, dass ich diesen Tag einfach nur beenden wollte.


Ich riss wütend die Segel runter und brachte Admiral von Schneider auf 2000 Umdrehungen. Das zerrte an den Nerven, vor allem, weil ich selbst derjenige gewesen war, der sich diese Suppe eingebrockt hatte.


Um 19:30 war ich dann in der neuen Marina fest und kümmerte mich grummelnd mit mir selbst um mein Abendessen.


Kein guter Tag gewesen.

1 Kommentar

Kommentar von: Lothar Jentzsch
Lothar Jentzsch

Es gibt immer Entscheidungen, lieber Jörg! Natürlich kann man sich hinterher manchmal schwarz ärgern, aber nützt es etwas? Nein! Manches ist dann halt nicht mehr wiederholbar. Und wäre es besser, nochmal zurück zu segeln, um dann das Ganze von vorn zu beginnen? Das klingt irgendwie komisch mit der Aussage: “Gehe zurück auf Start"! So ist es nur beim Mensch-ärgere-Dich-nicht! Darum jetzt der Blick nach vorn, Lothar

23.06.12 @ 14:09


Formular wird geladen...