von Jörg Streese

Wind. Hanko.

Wind. Hanko.

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Published on August 15th, 2013 @ 12:17:00 , using 497 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.

 

2013_08_09, 11., 13., 14., 15.

Hanko

Seit sechs Tagen kommt der Wind penetrant aus dem südwestlichen Sektor, da, wo ich hin muss, um zurück nach Mersrags, gegenüber von Riga, zu kommen. Kein Flehen hilft, kein Schimpfen wendet die Richtung, kein Knirschen mit den Zähnen bringt ihn nach Nord.

 Täglich gehe ich hier in die Bibliothek und klicke mich dort durch die Seewetterdienste, aber es hilft nicht: er kommt immer noch aus SW und jetzt aus W mit 5, 6, 7 Beaufort.

 Solange es eine physisch sichtbare oder spürbare Entsprechung zu den Wetterprognosen gibt, ist ja alles gut: ich spüre den Wind auf der Haut, höre die Takelage pfeifen, sehe die Windrichtung an den Fähnchen und Verklickern.

Aber wenn es diese physische Entsprechung nicht gibt, dann bleibt alles in einem vagen vielleicht: ja es könnte so sein, dass da draußen diese angekündigten Windstärken sind, aber es könnte auch sein, dass sie da draußen nicht sind und dann vertrödele ich hier meinen Tag.

Und da beginnt das Problem, weil sich mein Kopf in diesem Zirkelschluss aufhängt.

 Dann muss ich was tun.

 Spazierengehen. Was reparieren. Kochen.

Aber besser ist, das, was in mir vorgeht, bewußt wahrnehmen, aufschreiben, festhalten.

Damit banne ich die Vorgänge, mache sie meinem Bewußtsein zugänglich und lerne dadurch wieder ein Stück von mir kennen. So auch heute wieder.

Die Unruhe, ob da draußen wirklich dieser angekündigte Wind herrscht, bekam ich auf diesem Wege wieder unter meine Kontrolle, in dem ich sie mir 'vom Leibe schrieb'.

 

Hundert Meter von meinem Liegeplatz hat ein Laden aufgemacht, der Restbestände von Yachtartikeln verscherbelt und ich erstehe dort ein paar Kleinigkeiten und ein Vorhängeschloss aus Niro für den Niedergang.

 Inkeri und Simo kommen abends vorbei und wir reden so gut es geht auf englisch über Segelschiffe, Leben auf See und was für Pläne wir noch so haben (ich weniger, sie viele), ich schenke ihnen mein Buch von Wilfried Erdmann: Tausend Tage Robinson, in dem er seine Weltumseglung mit seiner frisch angetrauten Frau in einem Schiff meiner und auch Simo und Inkeris Größe (9 Meter) beschreibt. Beide freuen sich darüber.

Am Sonntag den 11.08. versuche ich loszukommen, muss aber wegen zu wenig Wind aund auch noch aus der falschen Richtung wieder umkehren: so schaffe ich diese 70 sm nicht.

Zwischenzeitlich stürmt es hier ein wenig und in der Takelage fängt es an zu heulen, dann kommen ein paar Gewitter und dann ist es wieder schön, aber mit der falschen Windrichtung.

Und am Himmel ist ziemlich viel los.

Als plötzlich der Wind ganz aus Süd kommt und mir Regen in den Niedergang treibt, will ich schnell das Luk dichtmachen und kippe dabei mein mit einem kleinen Schluck Rum gefülltes Glas auf den Kajütboden: Aber statt wütend zu werden, was mich ganz kurz durchzuckte, beschließe ich, das als sanfte Aufforderung zu nehmen, meinen Boden einmal mit ein bisschen Rum sauber zu wischen: was erstens einen wunderbaren Geruch in die Kajüte bringt und zudem der Alkohol auch etwas tiefere Sauberkeit auf dem Boden schafft.

Zur Regel möchte ich mir das allerdings nicht machen, leider, weil zu teuer.

 

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