von Jörg Streese

Eingeweht in Lounaraana-Sadam

Eingeweht in Lounaraana-Sadam

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Published on August 8th, 2016 @ 18:29:00 , using 469 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Eingeweht in Lounaraana-Sadam

 

Am Dienstag sollte es segelbaren Wind nach Ruhnu geben: Zumindest behaupteten das mehrere Seewetter-Programme: Pocket-Grip unbd Weather-Pro sagten 3-4 S-W bis W für den Vormnittag voraus, danach alle W, DWD, Wind-Guru und Windy allerdings sagten für den Vormittag 5 aus SW voraus.

 

Wem nun vertrauen?

 

Ich habe eine schlaflose Nacht, weil danach eine Woche lang S bis SW angesagt ist, es also die letzte Chance wäre, noch nach Ruhnu zu kommen.

 

 

Morgens nochmal die Vorhersagen geprüft und mich beschlich ein ungutes Gefühl.

 

Denn wenn der SW so stark sein sollte, dass MISS SOPHIE die Höhe nach Ruhnu, was einen strikten S-Kurs voraussetzen würde, nicht schaffen sollte, dann hätten wir die Arschkarte: Ablaufen nach Kihnu und dort durch die Flachs mit diesem Wind und der von ihm aufgewühlten See, das wäre überhaupt nicht gut und nur im Extremfall zu wagen. Und dann von dort mit SW-Kurs auch wieder weg müssen. Denn nach Ruhnu sind es über 50 sm, in der Regel in 10-11 Stunden zu schaffen.

 

Denn bei der groben See, die sich im Rigaer Meerbusen ab manchmal 4 Windstärken aufbaut, könnte MISS SOPHIE den Südkurs nicht halten und würde notgedrungen nach Südost geweht werden.

 

All das arbeitete in der Nacht in meinem Unterbewusstsein und liess mich nicht schlafen.

 

 

Morgens dann habe ich meinem unguten Gefühl nachgegeben, natürlich mit den damit verbundenen Gefühlen von „Schlappschwanz“, „Sonntagssegler“ etc, aber ich blieb dabei.

 

 

Zum Glück.

 

 

Denn um 18:00 wehte der Wind immer noch mit den 5 Windstärken und immer noch aus SW.

 

 

Wir wären nie angekommen.

 

 

Ich war erleichtert. Auf einem Zettel habe ich mir noch einmal notiert: „Traue deinem Herzen“ und der Zettel hängt jetzt am Kartentisch.

 

 

Wir leihen uns Fahrräder und radeln zum „Pädaste-Manor“, einem uralten Landsitz, der jetzt renoviert wurde und zu einem Edel-Restaurant und Café und Wellness-Center mit Hotel umgebaut wurde, ausgesprochen hübsch gelegen ist, mit lautlos umherfahrenden Rasen-Mäher-Automaten, gönnen uns dort Tee und Kaffee, wettern dort gutgeschützt einen Regenschauer ab und fahren dann wieder heim.

 

Das Restaurant soll eine der besten Küchen Lettlands haben, was zu prüfen unsere Kasse aber nicht zuließ.

 

 

Am nächsten Tag müssen wir eine Einkaufsfahrt ins 10 km entfernte Liiva machen, was für mich jetzt erstmal die Grenze war, weil die hier vorhandenen Räder auch nicht für mich optimal einzustellen waren, aber es ging.

 

 

Auf dem Weg noch ein prähistorisches Steingrab besucht, was auf 2500 vor Christi datiert ist und damit dokumentiert, wie lange schon diese Insel Muhu besiedelt ist und von Kultur geprägt wurde.

 

 

Am Donnerstag dann heulte schon um 06:00 Uhr der SW durch die Riggs, Leinen mussten verstärkt werden und auf dem Weg zum Waschhaus erwischt mich dann ein heftiger Regenschauer, so dass ich in Sekunden bis auf die Haut nass bin.

 

 

OK, ist ja nichts schlimmes, denn danach gibt es heissen Tee auf MISS SOPHIE – und die Aussicht auf die Landschaft hier ist spektakulär – selbst bei solch einem Wetter.

 

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