von Jörg Streese

Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts

Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts

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Published on Juni 2nd, 2019 @ 17:31:00 , using 664 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts
Ernests Dinsbergs - ein lettischerAufklären des 19. Jahrhunderts

In der nordwestlichen Region Lettlands, dem Gebiet Dundagas, gab es zwei Tage der kulturellen Cafes, wo Einrichtungen und Privatleute Kaffee, Tee und Kuchen und mittags auch lokale Gerichte zum Essen anboten.

Evija hatte mich eingeladen, mit ihr ein paar dieser  Angebote zu besuchen und morgens um 8.30 gings los.

Uns erstes Ziel war ein altes, inzwischen längst aufgegebenes Schulgebäude, dass weitab von irgend welchen Dörfern mitten im Wald lag. Und die Geschichte dazu ist spannend und erzählt viel von der politischen Geschichte Lettlands.

Lettland gehörte im 19. Jahrhundert dem russischen Zaren, der es in deutsche Verwaltung, d.h. an Barone verpachtete, die die Ländereien bewirtschafteten, und dafür an de Zaren zu zahlen hatten. Billige Arbeitskräfte und Leibeigene waren dafür notwendig.

In den Schulen wurde also Deutsch gesprochen und geschrieben.

Anfang es 19. Jahrhunderts erließ der Zar ein Gesetz, das die Fürsten und Barone, die das Land veralteten, zwang, Schulen für das einfache Volk bauen zu lassen und diese zu betreiben.

 Der Baron, der für diese nordwestlich gelegenen Ländereien zuständig war, hatte was gegen Bildung des einfachen Volkes, weil die dadurch nur aufmüpfig wurden.

Da er aber eine Schule bauen musste, liest er sie weitab in einem sumpfigen Waldgebiet bauen.

Ernests Dinsbergs , 1816 in der Gegend von Dundagas geboren, Sohn eines armen Knechtes und seiner Frau, bekam Lesen und Schreiben von seiner Mutter beigebracht und musste schon als junger Knabe als Kutscher beim Pfarrer arbeiten.

3 Monate bekam er Unterricht von einem Privarlehrer, dann konnte der Vater das nicht mehr bezahlen.

Er bildete sich selbst weiter und bekam vom Pfarrer den Auftrag, das Kirchenbuch zu führen. Auch das bot ihm nun Gelegenheit, sich weiter zu bilden.

Der Pfarrer, der ihn wohl mochte, gab ihm nun den Auftrag, die Kinder in religiösen Dingen zu unterrichten.

Das war nun in der Zeit, als die Schulen gebaut werden mussten und der Pfarrer sorgte dafür, das er dieser Lehrer in dieser Schule wurde - er, der nie eine Schule besuchen konnte, wurde nun Lehrer in einer Schule.

Das alles bekamen wir erzählt von einer jungen Frau, die hier mithilft, das diese Schule und die Erinnerung an diesen Lehrer erhalten bleibt, denn hier hat er 40 Jahre lang gearbeitet und aus dieser Schule sind eine ganze Reihe großer lettische Persönlichkeiten hervorgegangen.

Die damaligen Schüler wanderten am Montag aus ihren Dörfern zu der Schule und brachten ihr Essen mit, weil sie hier auch in der Woche wohnten, und selbst mithalfen, das gekocht und gegessen wurde: normalerweise Grütze, eine Art Brei, der aus gemalenem Getreide hergestellt wird. Und Donnerstags kam ein Baron vorbei, der das alles richtig und gut fand und brachte Fleisch mit, damit die Kinder und jungen Leute, denn sie waren damals zwischen 8 und 16 Jahre alt, auch was anständiges zu Essen hatten.

Wir haben dort Sauerampfersuppe gegessen, die dort nach dem alten Rezept von dieser Schule zubereitet wurde, und die auch von den Schüler gegessen wurde - und nicht nur gegessen, sondern selbst das Sauerampfer gesucht und geflückt und gemeinsam die Suppe zubereitet wurde - übrigens über einem offenen Feuer, weil der Backofen nur für Brotbacken da war.

 

Die Möbel auf den Bildern oben hat Dinsbergs alle selber geschreinert und sich auch selbst das Klavierspielen beigebracht.

Vier Jahre wurde er von seiner Tätigkeit verbannt, weil man ihm die Beteiligung an nationaler kultureller Arbeit im Verein mit anderen nachwies.

Er musste aber wieder eingestellt werden, weil sich die Bauern weigerten, ihre Kinder einem anderen als  Dinsbergs als Lehrer zu schicken - mehrere Jahre stand deshalb die Schule leer, bis er dort wieder unterrichten durfte.

Er hat die Odyssee ins Lettische übersetzt, Goethe übersetzt und auch eigene Gedichte geschrieben.

Also eine spannende Person, in der sich die lettische Geschichte spiegelt. Und toll, das dies Initiativen von Menschen dort vor Ort sind, die sie um ihre Geschichte kümmern.

Morgen erzähle ich von den weiteren Orten, die wir besucht haben.

Und dies Alles kann ich nur hier berichten, weil Evija mir beständig übersetzt - also auch an dich hier nochmal mein Dankeschön.

zu den Bildern:

Ernests Dinsbergs

Schulraum

sein selbstgezimmerter 'Schreibtisch'

Das Schulgebäude

die Kochstelle

Besucher 

 

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