von Jörg Streese

neuer Bercht von der Dieselfront

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Published on Juni 23rd, 2017 @ 08:37:00 , using 364 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
neuer Bercht von der Dieselfront
neuer Bercht von der Dieselfront
neuer Bercht von der Dieselfront

 

Meine russischen Seekarten sind von 1991, also schon gefährlich alt, deshalb habe ich mir die neuen von Charly ausgeliehen, um meine wenigstens in den für mich relevanten Bereichen zu korrigieren - eine langwierige und manchmal nervende Tätigkeit - ab halt notwendig. Viele Tonnen sind an Ort und Stelle geblieben, sind aber z.B. zu roten und grünen Fahrwassertonnen geworden. Aber im Grossen und Ganzen kann ich mit den Karten durchaus hier weiter fahren, was mir einen Kostenfaktor von ca. 120 EUR erspart.

Am Montag (19.06.) dann mache ich meinen diejährigen Versuch, das Dieselproblem zu lösen. Unten in der Bilge sammelt sich wöchentlich ca. ein Schnappsglas Diesel an (bisherige Versuche das Poblem zu lösen siehe Berichte hier im Tagebuch vom 08./15./16./21./23./29.05.2013 /05.06.2015).

Aigars rührt Epoxy an, dann säubert er mit Aceton die Bilge und dann führt er eine Schicht Epoxy, dann eine Glasfasermatte und dann noch eine Schicht Epoxy auf und verdichtet das Ganze mit einem Pinsel, was nur wegen der Dämpfe mit einer Gasmaske geht.

Aber am Dienstagmorgen steht wieder etwas Diesel unten.

Nun braut er mir ein Höllengebräu an, flüssiger Kunststoff, Polyester mit Fixierer und in das muss ich Glasfaserfäden einrühren, giftig grün und das trage ich unten auf . Gelingt nur beschrängt vernünftig, weil ich die Glasfasern nicht homogen einrühren konnte und sie deshalb beim Auftragen Klumpen gebildet haben.

 Dienstabend sieht es gut aus, mal sehen, was der Mittwoch-Morgen bringt.

Mittwoch Morgen sieht es immer noch sehr gut aus - kein Tröpfchen Diesel. Mittwoch Abend immer noch kein Diesel. Ich will es aber noch nicht glauben.

Donnerstag, erst nach dem Frühstück, damit ich die Niederlage gut verkraften kann - Blick in die Bilge: immer noch kein Diesel.

Jahrelange Niederlagen an dieser Front dämpfen meine Euphorie, aber ich fange an, zu glauben, das dies möglicherweise doch ein Durchbruch sein könnte. 

Deshalb entscheide ich, noch eine Lage Polyester aufzubringen, weil die hügeliege Oberfläche schwierig zu reinigen ist. Ergebnis ist sehr gut, aber in der mittleren Sektion, wo sich das Bilgewasser sammeln soll und zwei Lenzpumpen unten stehen, da ist immer noch Hügellandschaft.

Am Abend bringe ich hier noch eine Lage Polyester auf, die sehr flüssig ist und eine sehr ebene Fläche ergibt. 

Schaun wir mal, was der Freitag an der Dieselfront für einen Heeresbericht abgibt.

Batterie-Monitor

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Published on Juni 17th, 2017 @ 09:38:00 , using 74 Wörter,
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Batterie-Monitor

Ägius hat feststellt, dass das +Kabel des Batteriemonitors defekt ist. Dann findet er auch die Erklärung dafür: Die Fassung von der in dieser Leitung eingebauten Sichung ist defekt. Deshalb funktioniert das Ding nicht. Muss man erst mal drauf kommen. Is ja ein nagelneues Gerät.

Den ganzen Tag schönstes Sonnenwetter.

Donnerstag und Freitag räum ich auf, schmeiss weg, bring in die Werft und mache klar Schiff.

Irgenwann wird jetzt Dörte kommen und es geht los.V 

wenn ich nur wüsste....

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Published on Juni 10th, 2017 @ 19:05:00 , using 197 Wörter,
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wenn ich nur wüsste....

Das Wetter hier ist ausser Rand und Band. Temperaturen nachts wie im Dezember, mal den ganzen Tag Regen dann mal wieder wolkenfreier Himmel und für ein paar Stunden warm. Dann kommt der nächste Kälteeinbruch.

Die üblichen jährlichen Arbeiten sind zu machen: lazy jacks scheren, Mastelektrik anschliessen und kontrollieren - funtioniert (!), ich installiere mir einen Fockniederholer, damit ich die Fock vom Cockpit aus runter holen kann und lenke den Fockfall ebefalls ins Cockpit um, dann immer mal wieder ganze Tage, die im Nieselregen untergehen. Ich setze den Süllrandschutztampen, - ja, und dann kommt die Arbeit, auf die ich mich schon die ganze Zeit "gefreut" habe: ich darf im Leinenschap verschwinden, um dort die Leitung für den neuen (alten) nasa-Fluxgatekompass zu verlegen. Das Leinenschap ist 60 x 100 in der Öffnung gross und rund 1 Meter tief - da muss ich rein und zwar so, dass ich da auch noch eine Leitung verlegen kann. Trotz Behinderung - es ging. Fotos davon gibt es natürlich nicht, wie immer, wenn was wichtiges passsiert. Und das beste: er funtioniert nicht.

Und heute habe ich den neuen nasa Baterie-Monitor installiert und die etwas schwierige Verkabelung gemacht. Funkioniert nicht. Es ist zum kotzen. Irgendwie liege ich mit der nasa auf Konflikkurs.

miss sophie schwimmt

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Published on Juni 4th, 2017 @ 11:45:00 , using 234 Wörter,
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miss sophie schwimmt
miss sophie schwimmt

Am Samstag, den 27.05. das erste deutsche Schiff an der Anlage. Schon im April los, in Polen Schnee an Deck.

Wir haben Sprühregen und es wird ungemütlich kalt, - wieder einmal.

Am Sonntag dann strahlendblauer Himmel, aber ein böiger Westwind 4 -5, das Barometer fällt auf 1010, aber es ist warm und ich baue mir meine Hängematte zwischen den hier aufgestellten Schiffen auf. Wunderbares Mittagsschläfchen - is ja Sonntag.

In d3r Nacht dann ein langdauerndes Gewitter - aber das Wetter bleibt stabil: W 6, böig, 1010, warm. Die Werft streicht die Aufbauten, dort wo Rost entfernt wurde, denn am Freitzg geht es hier zu Wasser. Endlich.

Dienstag dann das Unterwasserschiff mit Antifouling gestrichen und ich bekomme meinen nasa-battery-monitor, in kleines 8 x 5 cm grosses Anzeigegerät für die Batterie: Volt und die Amperegrösse werden kontinuierlich gemessen und angezeigt. Verbrauch im Monat weniger als die Batterieselbstentladung.

Es ist wieder schweinekalt geworden, 1008, der Westwind bleibt mit 5 Beaufort, zwischendurch immer mal wieder die Sonne, aber sie wärmt nicht. Ölwechsel, Filterwechsel.

Am Freitag den 2. Juni dann endlich zu Wasser. Es ist bitterkalt, 1018, völlige Stratusbedeckung, W 5-6. 

Und dann liege ich wieder an der Boje und lasse mich von Miss Sophie schaukeln.

Zur Feier des Tages gibt es einen (gekauften) Fischspiess, den ich auf einem improvisierten Rost auf meinem Gaskocher grille - dazu das Übliche und einen leckeren Salat.

Nachts geht die Temperatur auf 6 Grad in der Kajüte runter. Es ist Juni und kein Sommer in Sicht. Hätte die Schlittschuhe einpacken sollen.

 

 

Arbeit an Miss Sophie

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Published on Mai 29th, 2017 @ 09:05:00 , using 67 Wörter,
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Arbeit an Miss Sophie
Arbeit an Miss Sophie
Arbeit an Miss Sophie

Die Werft saniert mein Unterwasserschiff, die Bordwände und das Deck, überall hat sich Rost gebildet und mit meinen Werkzeugen und mit mein nur einem Arm krieg ich das eh nicht gebacken. Endlich kommt mal Grund in die Sache.

Hier setzt sich doch langsam der Sommer durch. Heute die erste deutsche Yacht im Hafen. Sind aber schon Mitte April los, hatten aber in Polen noch Schnee an Deck.

Niedergangsluk

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Published on Mai 29th, 2017 @ 08:55:00 , using 60 Wörter,
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Niedergangsluk

Ich versehe das Niedergangsschiebeluk mit drei Spanten, damit man darauf auch stehen kann, wenn die Cockpitpersenning weg ist.

Es ist sehr kalt geworden, habe hier aber kein Termometer und ich kann hier auch keins kaufen, die Leute hier wissen wahrscheinlich vom Gefühl her, wie kalt es ist.

Am WE sind drei ersten Yachten hier im Hafen. Sind von Riga hierher.

Minna von Barnhelm auf Miss Sophie

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Published on Mai 28th, 2017 @ 18:15:00 , using 689 Wörter,
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Minna von Barnhelm auf Miss  Sophie

 

Es ist wärmer geworden, dafür setzt aber ein leichter Landregen ein.

Also lesen.

 Ich greife ins Bücherregal und ziehe blind Lessings Minna von Barnhelm heraus.

Na gut, denke ich, 55 Jahre nicht in die Hand genommen, schaun wir mal, ob es mich jetzt noch anspricht, denn ich hatte keine Erinnerung mehr, wie ich es damals aufgenommen habe.

Kurz gesagt eine Geschichte um Liebe und Ehre in den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts zwischen - natürlich, das frühe Hollywood lässt grüssen - einem blutjungen, reichen und zu dem auch noch hübschen Mädchen und einem alten, am Arm verletzten, und zum Zeitpunkt der Handlung verarmten, aber verdienten, erfolgreichen Hauptmann. Beide sind schon miteinander verlobt, aber die Ehre von Hauptmann Tellheim lässt es nicht zu, in diesem seinem jetzigen gesellschaftlichen Zustand die Verbindung aufrecht zu erhalten. Das kommt davon, wenn man Ehrgefühle hat. Minna, seine Verlobte, aber will die Verbindung unbedingt und muss alle fraulichen Künste (vergeblich) anwenden, um ihn zu Heirat zu bewegen. Die wird erst möglich, wenn er als vollkommen rehabilitiert dastehen kann.

Ich las es mit grossem Interesse, weil der Sprach- und Situationswitz selbst nach über 200 Jahren bei mir übersprang und ich glaube, gut gespielt, auch heute noch auf Bühnen Erfolg haben kann. Beispiele: "Oh, man ist auch verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich." (III, 2) "Was wir immer bringen, wenn wir nichts bringen: Ein Kompliment." (I, 8) 

 Und sein Inhalt?

Das Stück stellt die sich ja gerade entwickelnde bürgliche Gesellschaft gehörig zugespitzt auf den Kopf: von Tellheim: "Vernunft und Notwendigkeit befehlen, Minna von Barnhelm zu vergessen" (II, 9), weil es sein Ehrgefühl nicht zulässt, worauf Minna nur antworten kann: "wie vernünftig diese Vernunft, wie notwendig ist diese Notwendigkeit" (ebenda).

Konnte man, kann man die ungeschriebenen Gesetze einer Gesellschaft als einzelner Mensch ausser Kraft setzen, die die Rationalität auch dort an oberste Stelle stellt, wo in Herzensangelegenheiten doch nur das Herz zu entscheiden hat? Und ist das heute so ganz anders?

Minna: " Franziska, wenn alle Mädchen so sind, wie ich mich jetzt fühle, so sind wir - sonderbare Dinger. Zärtlich + stolz, tugendhaft + eitel, wolllüstig + fromm. Ich verstehe mich wohl selbst nicht." (II,7)

Ja, wenn die Gefühle in Aufruhr sind, ist Mensch nicht zu verstehen, denn dann spricht sein tief verborgenes Unbewusste, und das spricht eine andere Sprache, als die des Kopfes, denn der begreift sowieso nur vielleicht 4 % dessen, was sich in seinem Körper und damit in seinem Unbebussten tut und wovon die Gefühle nur die Oberfläche dieses riesigen Ozeans darstellen. "Sobald wir tief leben, sind wir Kind" sagt Georg Groddeck, Zeitgenosse von Siegmund Freud, den er sehr verehrte und mit ihm befreundet war, obwohl er später dann doch ganz andere Wege beschritt. "Ich bin der Ansicht, dass der Mensch vom Unbekannten gelebt wird. In ihm ist ein ES, irgendein Wunderbares, das alles, was er tut und was mit ihm geschieht, regelt. Der Satz 'ich lebe' ist nur bedingt richtig...Der Mensch wird vom ES gelebt. ... Und noch eins. Wir kennen von diesem ES nur das, was innerhalb unseres Bewusstseins liegt. Weitaus das meiste ist unbetretbares Gebiet." (Groddeck, Das Buch vom ES, Kap. 2)

Aber zurück zu Minna und ihrer Verwirrungen der Gefühle. "Sehe sie sich doch den Menschen in den Augenblicken tiefsten Leidens, tiefster Freude an: Das Gesicht wird kindlich, die Bewegungen werden es, die Stimme bekommt die Biegsamkeit wieder, das Herz klopft wie in der Kindheit, die Augen glänzen oder trüben sich." (Ebenda) Und wenn Minna in diesem Moment tiefster Gefühle hin- und hergerissen ist zwischen Tugendhaftigkeit und Eitelkeit, zwischen Wolllüstigkeit und Frommheit, dann ist sie hier wieder Kind, weil wir nur auf der kindlichen Stufen tief fühlen können.

Also ein Stück, was man durchaus geniessen kann, um Verbindungen zu uns heute herzustellen, die manchmal überraschen, weil, wie schon gesagt, das Stück über 250 Jahre alt ist. Hut ab vor diesem Lessing.

Draussen wird es wärmer, 1021, und die Hockdruckzone scheint stabil zu sein. Die Werft saniert das Unterwasserschiff und das Deck, ich verstärke mit Spanten das Niedergangsluk, nähe ein neues Mückenetz für den Niedergang und finde endlich den Fehler beim NAVtex-Gerät: Beim Schalter löste sich immer wieder der Draht aus der Klemmbuchse, mit dem das Gerät mit Strom versorgt wird, wenn ich den Deckel zu machte.

Wieder bei Miss Sophie

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Published on Mai 23rd, 2017 @ 17:04:00 , using 375 Wörter,
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Wieder bei Miss Sophie

 

 

Am 8. Mai war es wieder soweit. Mit dem Bus von eco-lines von Bremen in 27 Stunden nach Riga, dann noch einmal 2 Stunden mit dem Bus nach Mersrags, wo miss sophie im Winterlager liegt.

Unterwegs in Polen fahren wir durch weite Schneefelder, es ist bitterkalt und ich frage mich, ob die Erderwärmung nur für die Polregion gilt.

In Lettland erwartet mich strahlend blauer Himmel, die Sonne heizt ordentlich auf, aber wenn sie weg ist, ist es schneidend kalt.

Die ersten Tage fallen mir diesmal ungewöhnlich schwer. Ich finde mein Schiff klein, dreckig, und unattracktiv, fühle mich nicht wohl an Bord. Finde ab den Grund nicht.

Gut. Ist so, müssen wir mit leben.

Dass ich diesen Bericht erst jetzt veröffent lichen kann, liegt daran, dass der Yachthafen erst jezt seine Pforten geöffnet hat. bisher waren hier eisige Nächte und kein Mensch dachte an segeln.

Erstmal aufräumen, dann kochen, dann einen Arbeitsplan machen.

Das Kochen hatte ein ungewöhnlich leckeres Ergebnis, was meinen Stimmungspegel nach oben schnellen liess, dabei war es etwas ganz Gewöhnliches: Bulgur, Zwiebeln, Dose Mais und eine Dose Thunfisch, alles in den WOK und das wars - war für drei Tage.

Arbeitsplan:

Diesel auspumpen (siehe Berichte zuvor 2016)), sauber machen, UKW-Sprechfunkgerät und NAVTEX-Gerät anders anordnen, wobei für das Bohren eines 6-mm-Loches in das Niroblech ich VIER Spezialbohrer verhunzte. Lebensmittel sortieren und Überblick bekommen, Kleidung lüften und dies und das.

Nachts verabschiedet sich meine Batterie, merkwürdigerweise ist sie am nächsten Tag wieder ok, schwächelt aber zunehmend. Beschliesse einen Batterie-Monitor von nasa zu kaufen, um endlich genaue Kenntnis von der Kapazität der Batterie zu bekommen, denn es ist nur e i n e Batterie, von der mein Leben hier an Bord abhängt. Dauert aber eine Woche, da das Gerät aus England kommt.

Der wolkenlose blaue kalte Himmel bleibt, aber es wird etwas wärmer, was aber auch heisst, das Stratuswolken aufziehen und es wohl eine Wetteränderung gibt. Mal schauen.

Hier im Dorf ist der kleine Fischhändler weg, der den günstigen Mittagstisch hatte und auch diverses an Werkzeugen und Eisenwaren, das kleine Cafe mit den leckeren selbstgemachten Torten hat keinen Nachfolger bekommen, auf dem Industriehafengelände gegenüber ist eine neue, riesige Halle entstanden und die Fischhändlerin in dem Kleinbus hat einen neuen Stellpatz, weil dort wo sie bisher stand, ein dritter Mini-Supermarkt aufmacht. Wahnsinn.

Zurück in Mersrags - und eine Überrraschung

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Published on August 18th, 2016 @ 12:14:00 , using 269 Wörter,
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Zurück in Mersrags - und eine Überrraschung
Zurück in Mersrags - und eine Überrraschung


Nach einem Tag Pause mit viel Wind sollte es dann am Mittwoch weitergehen Richtung „Heimat“: 30 sm nach   Mersrags, Wind ok, anfangs NW 5, dann abnehmend 4 und abends dann 3 und 2, wobei der Wind über Nord nach Ost gehen sollte.

Tat er aber nicht, sondern ging über W nach SW und dann nach Süd um in der Nacht heftig anzuschwellen
Aber da war ich schon im Hafen.

Eigendlich ist nicht so viel darüber zu erzählen, ausser dass ich leider die WindVane nicht richtig vorbereitet hatte und bei achterlichem Wind muss ich ununterbrochen steuern, weil MISS SOPHIE sonst ausbricht.
Deshalb konnte ich sie nicht einsetzen und musste 9 Stunden an der Pinne sitzen, aber das war ok, es war ja der letzte Törn und deshalb schon in Ordnung.

Und weil der Wind zum Schluss ganz einschlief, musste der VETUS ran und leider hat er dann direkt vor der Hafeneinfahrt wieder seine Mucken gekriegt.

Also wieder mit hochgespannten Nerven in den Hafen und an die Boje, was ja mit meinen ledierten Gliedern nicht ganz einfach ist.

Aber kaum war ich um 18:00 fest, lag vor mir auf dem Steg eine Tüte mit Tomaten und Gurken. Von der Hafenmeisterin,  mit einem Zettel, die seien aus ihrem Garten und sie freue sich, dass ich wieder gesund und munter zurück sei.

Also dass ist mal eine Rückkehr in den Heimathafen, schöner kann man sie sich garnicht ausdenken.

Die ganze nächste Woche nur südliche Winde, ich bin froh, es endlich zurück geschafft zu haben.

Damit ist seglerisch diese Saison beendet.

Fazit: So viel Wind, mit soviel lokalen Gewitterstürmen habe ich mein ganzes Seglerleben noch nicht erlebt. Ich hoffe dass das nicht die Klimaveränderung ist sondern eine klimatische Anomalie.

Schaun wir mal.





Und schon wieder....60 Meilen nach Ruhnu

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Published on August 16th, 2016 @ 11:46:00 , using 868 Wörter,
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Und schon wieder....60 Meilen nach Ruhnu

Es ging damit los, dass mein Wecker nicht um 05:00 kingelte, sondern erst um 06:00 Uhr.
Also konnte ich die Leinen erst um 07:00 losmachen und motorte los, weil kein Wind war.

Als ich im Fahrwasser Valkle Vain zwischen Muhu und Saaremaa war, setzte ich die Segel, denn je mehr ich mich aus der Landnähe wegbewegte, desto mehr Wind war dann doch da.

Wir hatten WSW 2-3, aber von hinten näherten sich mehrere sehr schwarze Wolkengebirge, die nicht nur Regen ankündigten, sondern wahrscheinlich schwere Schauer- und Gewitterböen.

Und so war es auch.

Die Böen, die etwa eine halbe Stunde wehten, waren so stark, dass sie mich zwangen, MISS SOPHIE hoch an den Wind zu bringen, obwohl sie mich damit den Flachwasserzonen der Saaremaa-Halbinsel Kübassaa  gefährlich nahe brachten.

Ich hatte natürlich für diesen Wind (6-7 Beaufort, in den starken Böen vielleicht sogar mehr) mein
Grosssegel nicht gerefft, weil ich dachte, die
Gewitterwolken würden weggeblasen werden, aber
Gewitterböen haben so ihre ganz eigene Art, ihre Wege zu ziehen, und meist gegen die Windrichtung, die sie dann, wenn man unter ihnen ist, wiederum radikal drehen.
Ich war praktisch in der Hand dieser Böen, die mich zwangen, auf Land zuzuhalten, das von sehr flachen Bereichen umgeben ist.

Aber wir haben dass gerade noch geschafft und ich konnte wieder meinen Kurs selbst bestimmen, der mich um 09:00 an den Punkt brachte, wo ich direkten Kurs auf das 50 sm entfernte Ruhnun absetzen konnte.

W 4-5, etwas halber Wind, nicht ganz, er kam ein ganz bisschen mehr vorlich, aber jetzt konnte ich meine Holland Wind-Vane in Gang setzen und mich segeln lassen, einen Tee trinken, ein bisschen Brot knabbern und mich etwas ausruhen.
MISS SOPHIE segelte zwischen 5-7 kn und soweit war alles gut - was mir Sorgen machte, war der Himmel, der sehr dunkel war und noch dunkler wurde und ebenfalls viel Wind versprach.
Und der sollte dann auch kommen.

Um 12:00, nach dem ich schon seit zwei Stunden zwischen 6, und manchmal sogar 8 Knoten gesegelt bin, war klar, so kann das nicht weitergehen und ich entschied mich, dass Grosssegel zu bergen.

Bei dem Wind herrscht im Rigaer Meerbusen ein ekelhafter kurzer Seegang, dessen Wellen MISS SOPHIE immer wieder auf die Seite legen, aber sonst war eigentlich alles gut, nur wie gesagt - der Himmel.

Also Gross runter.

Garnicht so einfach, wenn man sich nicht auf seine linke Hand verlassen kann und auch das linke Bein nicht so will, wie es soll.

Beim Beidrehen werde ich durch das heftige Sich-auf-die-andere-Seite-legen des Schiffes schmerzhaft auf die gegenüberliegende Kante der Grätings geschleudert, meine Mütze verschwindet in den Wogen und meine Brille wird mir vom Gesicht gerissen und das linke Glas zerspringt.

Aber jetzt nach vor, Grosssegel runter, was durch meine Lazyjacks gut gelingt, Segel festlaschen, dabei aufpassen, dass ich immer einen sicheren Halt habe, denn ich kniee jetzt auf dem Kajütdach,  dann ist das geschafft und ich kann MISS SOPHIE wieder auf Kurs bringen und eine Pause einlegen, nach dem ich die Windfahnensteuerung wieder einjustiert habe.

6 kn Geschwindigkeit nur unter der Fock halte ich für eine gute Geschwindigkeit und fange langsam an, mir auszurechnen, wann ich wohl die Insel in Sicht bekomme.

Der Wind wird etwas moderater, was aber bedeutet, dass meine Geschwindigkeit auf zwischen 4 und 5 kn runtergeht, aber das ist ok.

Dann plötzlich um 15:30 sehe ich Ruhnu gross und sehr viel breiter als ich mir gedacht hatte am Horizont.

Ein Frachter quert vor mir auf dem eingezeichneten Fahrwasser und ich muss jetzt einmal auf die Toilette.

Das ist nicht so ganz einfch, weil MISS SOPHIE natürlich bei dem halben Wind auf der Backe liegt und entsprechende Bewegungen auf der schiefen Ebene macht. Da einen festen Stand zu behalten und sich aus den Klamotten zu pellen, erfordert schon einiges akrobatisches Talent, erst recht wenn die linke Hand nicht mitarbeiten kann und geht meist nicht ohne zwei blaue Flecken.

Wieder an Deck, macht sich auch meine zweite Segelmütze auf und davon und bei einem Segel-Manöver kann ich meine mir vom Gesicht gerissene zweite Brille gerade noch davor retten, es der Mütze gleichzutun.

Und dreimal patscht mir eine sehr vorwitzig hochkommende Welle ihren Gischt ins Gesicht.
Aber jedesmal bin ich danach wieder hellwach - hat auch was.

Der Wind legt wieder zu, ich messe in 2 Meter Höhe 20 kn, dass sind gute 5 Beaufort, also in Segelmitte sind das 6 Beaufort.

Ich bin schon am überlegen, wie ich wohl und wann das Vorsegel runter nehmen kann, denn die Wellen sind hier recht heftig, als der Wind doch langsam sehr viel nördlicher einkommt und ich damit etwas in den Windschatten der Insel komme, dessen Hafen im Süden der Insel liegt.

Um 18:00 Uhr ist es soweit, ich bin an der Ansteuerungstonne, schmeisse den Motor an, flehe kurz zu was auch immer, er möge einfach seine Arbeit machen, berge die Fock, immerhin 20 Quadratmeter und dann diesel ich  langsam in den Hafen, wo mich schon der Hafenmeister in  Empfang nimmt und die Vorleinen versieht.

Ich bin heilfroh jetzt hier angekommen zu sein, sehr viel eher als ich dachte, aber der Himmel ist schon grau und dunkel.
Mein Essen von Gestern wir schnell heißgemacht, und dann fange ich an, langsam wieder runter zu kommen, den Tag noch mal mir durch den Kopf gehen zu lassen, mir zu notieren, was war gut und gelungen, was nicht und wo muss noch dran gearbeitet werden und mit zwei Wodkas beschließe ich den Tag. 

Nur meine Rippe macht mir etwas Sorgen, denn sie bleibt sehr schmerzhaft.


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