von Jörg Streese

Endlich! Zurück nach Dirhami, Estland. Erster Teil: Der Schreck

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Published on August 22nd, 2013 @ 11:40:00 , using 588 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Endlich! Zurück nach Dirhami, Estland. Erster Teil: Der Schreck
Endlich! Zurück nach Dirhami, Estland. Erster Teil: Der Schreck
Endlich! Zurück nach Dirhami, Estland. Erster Teil: Der Schreck
Endlich! Zurück nach Dirhami, Estland. Erster Teil: Der Schreck

 

2013_08_21

 Die Zeit lief mir unter den Händen weg. Seit zwei Wochen habe ich hier nur Süd bis Süd-West-Winde und wenn sie denn mal aus Nord-West kommen, dann gleich mit 6-7 Beaufort.

Der Versuch gestern scheiterte, zu wenig Wind und dann auch noch wie üblich aus SüdWest.

Heute aber sollte er am frühen Mittag auf West (bis SüdWest) gehen, also stelle ich meinen Wecker auf 06:00 Uhr und bin um 06:30 weg.

SW 2.

Na gut, denke ich, muss ja nicht gleich mit dem optimalen Traumwind losgehen. Also Blister und Groß.

Mit 2 Knoten dümpelte ich durch die See, so war nicht der Finnische Meerbusen zu queren.

Aber ich dachte, es ist ja noch früh am Tag, geben wir ihm noch ne Chance.

Um 08:00 Uhr war ich an meinem 5 sm entfernten WP.

An Helterma war eigentlich nicht mehr zu denken. Noch 70 Seemeilen und dann den Kurs immer noch nicht anlegen können, das konnte ich knicken.

Was kam in Frage?

Da gab es eine neue kleine Marina an der nordwestlichen Festlandecke von Estland: Dirhami.

Im Plotter den Ort aufgesucht, weil ich dort letztes Jahr schon mal war und mir meinen WP dort schon gesetzt hatte. 36 Seemeilen. Das schien denkbar und war eh ohne Alternative.

Also keine Kursänderung, sondern relativ hoch am Wind weiter, jetzt aber mit einem Ziel vor Augen.

Früstück.

Was man denn mit der Pinne in der Hand unter Frühstück versteht: trockene Karneelbrötchen und Tee und dazu eine Banane.

Um 10:00 Uhr machte MISS SOPHIE schon 3-4 Knoten, um 11:00 Uhr waren es 4-5, aber der Wind blieb SüdWest.

Ich näherte mich jetzt dem Dampfertrail und hatte von Backbord fünf große Pötte und von Steuerbord weiter weg 4.

Aufmerksam studierte ich deren Geschwindigkeiten und konnte aber beruhigt feststellen, dass sie vor mir vorbei gehen würden.

Um 12:00 Uhr machte MISS SOPHIE 5-6 Knoten, der Druck auf der Pinne wurde größer und das Großsegel musste ich etwas öffnen, aber damit fing es an zu killen und zu knattern, also musste gerefft werden und der Blister gegen die Normalfock ausgetauscht werden.

Und wieder stellte sich bald heraus, das ein Reff im Groß in der Regel zu wenig ist. Ich hab es mir schon als Zettel an die Bordwand gehängt und trotzdem ignoriere ich es immer wieder (danke Uwe für diese Segelweisheit).

MISS SOPHIE stob jetzt mit 6-7 Knoten durch die größer werdenden Wellen, und manchmal fing ich innerlich an zu jubeln, wenn auf dem Plotter 7,8 kn Geschwindigkeit erschien. Wahnsinn.

Aber das Steuern war jetzt anstrengend geworden: ich hatte mich im Cockpit mit den Füßen auf der gegenüberliegenden Kante eingekeilt, MISS SOPHIE schob mit 20 Grad Lage durch die Wogen, manche musste ich aussteuern, den Böen musste ich mit Ruderkorrektur entgegenwirken, aber meinen Kurs konnte ich jetzt gut halten, weil es West geworden war und die Geschwindigkeit meines Schiffes machte mir eigentlich große Freude.

Als ich am Horizont zwei kleine, winzige Striche sehen konnte und darunter einen mehr zu ahnenden dunklen Strich, der Land bedeutete, realisierte ich, dass ich mir auf der Karte mein Ankunftsareal überhaupt nicht angeschaut hatte.

Ich bekam einen ziemlichen Schreck.

Streese, was ist mit dir los?

Ich versuchte mich zu erinnern.

Aber an diesen Landfall im letztes Jahr hatte ich nur die Erinnerung, dass es da eine Tonne gab, die, auf die ich meinen Kurs jetzt auch ausgerichtet hatte, und ab da nach Steuerbord eine schmale Kurslinie, weil es links und rechts flach ist.

Nicht sehr hilfreich, zumal ich jetzt nicht von West kam sondern von Nord.

Ein Blick zu Obadja mit der Bitte, jetzt scharf Ausguck zu halten, den er wie immer freundlich erwiderte.

Im nächsten blog geht es weiter

 

 

 

 

 

Wind. Hanko.

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Published on August 15th, 2013 @ 12:17:00 , using 497 Wörter,
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Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.
Wind. Hanko.

 

2013_08_09, 11., 13., 14., 15.

Hanko

Seit sechs Tagen kommt der Wind penetrant aus dem südwestlichen Sektor, da, wo ich hin muss, um zurück nach Mersrags, gegenüber von Riga, zu kommen. Kein Flehen hilft, kein Schimpfen wendet die Richtung, kein Knirschen mit den Zähnen bringt ihn nach Nord.

 Täglich gehe ich hier in die Bibliothek und klicke mich dort durch die Seewetterdienste, aber es hilft nicht: er kommt immer noch aus SW und jetzt aus W mit 5, 6, 7 Beaufort.

 Solange es eine physisch sichtbare oder spürbare Entsprechung zu den Wetterprognosen gibt, ist ja alles gut: ich spüre den Wind auf der Haut, höre die Takelage pfeifen, sehe die Windrichtung an den Fähnchen und Verklickern.

Aber wenn es diese physische Entsprechung nicht gibt, dann bleibt alles in einem vagen vielleicht: ja es könnte so sein, dass da draußen diese angekündigten Windstärken sind, aber es könnte auch sein, dass sie da draußen nicht sind und dann vertrödele ich hier meinen Tag.

Und da beginnt das Problem, weil sich mein Kopf in diesem Zirkelschluss aufhängt.

 Dann muss ich was tun.

 Spazierengehen. Was reparieren. Kochen.

Aber besser ist, das, was in mir vorgeht, bewußt wahrnehmen, aufschreiben, festhalten.

Damit banne ich die Vorgänge, mache sie meinem Bewußtsein zugänglich und lerne dadurch wieder ein Stück von mir kennen. So auch heute wieder.

Die Unruhe, ob da draußen wirklich dieser angekündigte Wind herrscht, bekam ich auf diesem Wege wieder unter meine Kontrolle, in dem ich sie mir 'vom Leibe schrieb'.

 

Hundert Meter von meinem Liegeplatz hat ein Laden aufgemacht, der Restbestände von Yachtartikeln verscherbelt und ich erstehe dort ein paar Kleinigkeiten und ein Vorhängeschloss aus Niro für den Niedergang.

 Inkeri und Simo kommen abends vorbei und wir reden so gut es geht auf englisch über Segelschiffe, Leben auf See und was für Pläne wir noch so haben (ich weniger, sie viele), ich schenke ihnen mein Buch von Wilfried Erdmann: Tausend Tage Robinson, in dem er seine Weltumseglung mit seiner frisch angetrauten Frau in einem Schiff meiner und auch Simo und Inkeris Größe (9 Meter) beschreibt. Beide freuen sich darüber.

Am Sonntag den 11.08. versuche ich loszukommen, muss aber wegen zu wenig Wind aund auch noch aus der falschen Richtung wieder umkehren: so schaffe ich diese 70 sm nicht.

Zwischenzeitlich stürmt es hier ein wenig und in der Takelage fängt es an zu heulen, dann kommen ein paar Gewitter und dann ist es wieder schön, aber mit der falschen Windrichtung.

Und am Himmel ist ziemlich viel los.

Als plötzlich der Wind ganz aus Süd kommt und mir Regen in den Niedergang treibt, will ich schnell das Luk dichtmachen und kippe dabei mein mit einem kleinen Schluck Rum gefülltes Glas auf den Kajütboden: Aber statt wütend zu werden, was mich ganz kurz durchzuckte, beschließe ich, das als sanfte Aufforderung zu nehmen, meinen Boden einmal mit ein bisschen Rum sauber zu wischen: was erstens einen wunderbaren Geruch in die Kajüte bringt und zudem der Alkohol auch etwas tiefere Sauberkeit auf dem Boden schafft.

Zur Regel möchte ich mir das allerdings nicht machen, leider, weil zu teuer.

 

Inkeri, Simo, LI und ein kostenloser Liegeplatz

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Published on August 6th, 2013 @ 19:15:00 , using 281 Wörter,
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Inkeri, Simo, LI und ein kostenloser Liegeplatz
Inkeri, Simo, LI und ein kostenloser Liegeplatz
Inkeri, Simo, LI und ein kostenloser Liegeplatz

 

2013_08_06

Gestern abend habe ich noch eine mail auf die Adresse von www.miss-sophie.ch von einer jungen Frau bekommen, die mein Schiff und darauf meine internet-Adresse gesehen hatte und zu Hause gleich eine mail schickte. Ich habe natürlich geantwortet und am nächsten Morgen stand sie am Steg.

Inkeri hat Deutsch in der Schule gelernt und regelmäßig in Deutschland für eine finnische Honigfirma auf den Weihnachtsmärkten unterwegs. Mit ihrem Freund ist sie gerade dabei, eine Aluminiumyacht meiner Größe für eine Fahrt in die Südsee zu sanieren und auszubauen und sehr interessiert an Segelschiffen dieser Größe, die schon größere Touren damit gesegelt sind.

Zwei Stunden später stehen wir vor ihrem Schiff und ich lerne ihren Freund Simo kennen, der allerdings kein Deutsch spricht. Das Schiff, aus Alluminium, 30 Zentimeter länger als MISS SOPOHIE, heißt "LI".

Noch zwei Stunden später bekomme ich ihren Liegeplatz hier im Hafen für umsonst, weil ihr Schiff ja noch an Land steht. Ein Platz hier im Yachthafen kostet regulär für ein Schiff meiner Größe ohne Elektizität 25 EUR die Nacht, was ja OK ist für eine fünfköpfige Familie, die entsprechend jeden morgen Duschwasser etc. für 5 verbraucht, aber für einen Einhandsegler recht viel Geld, erst recht, wenn er nicht jeden Tag stundenlang unter der Dusche steht.

Ihren Eltern, die gerade mit ihrer Yacht ebenfalls meiner Größe wiederkommen, gebe ich ein Stück frisch gebackenes Brot mit, was sie sehr interessiert und auf Nachfrage das Rezept gleich mit. Die dafür notwendige Omniabackform (kommt aus Schweden) haben sie schon.

Donnerstag, den 08.08.

Ich werde wohl noch ein bischen bleiben müssen.

Kam der Wind bisher aus Süd, dort wo ich hin muss, sind morgen 6-7 aus SW angekündigt. Da werde ich wohl ein Bishen bei der LI zu Hand gehen.

Rundgang über eine finnische Schäre

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Published on Juli 31st, 2013 @ 19:39:00 , using 153 Wörter,
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Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre
Rundgang über eine finnische Schäre

Ein Rundgang über eine finnische Schäre

 Manchmal sind die Schären platt wie eine Flunder, die meisten größeren Schären sind aber geprägt von den rundgehobelten Felsen, die von der kilometerdicken Eisschicht während der letzten Eiszeit glattgeputzt wurden.

Landwirtschaft ist auf ihnen nur in relativ kleinen, im Laufe der Jahrtausende in den Senken mit Humus aufgefüllten Feldern möglich.

Von der hier anwesenden Vegetation kenne ich natürlich die hier vorherrschenden Birken, die kleinwüchsigen Bergkiefern, manchmal auch höher wachsende in kleinen Wäldern und von den Sträuchern und kleinen Pflanzen kenne ich Strandflieder, Strand-Astern und Strand-Beifuß oder eine diesem sehr ähnliche Planze, die hier Palläronkolajäjä heißt, auf jeden Fall fand ich diesen Namen neben einer dieser hier sehr kleinwüchsigen Pflanze, die in südlicheren Strandgegenden größer wächst.

Das erstaunliche ist, wie sich hier in den kleinsten Felsspalten die Bergkiefern (oder das, was ich dafür halte) festsetzen und es selbst in einem Zentimeter dicken Spalt zu stattlichen kleinen Bäumen schaffen.

 

Mit der Seele segeln und in der Seele segeln: nach Hanko

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Published on August 5th, 2013 @ 21:29:00 , using 1023 Wörter,
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Mit der Seele segeln und  in der Seele segeln: nach Hanko
Mit der Seele segeln und  in der Seele segeln: nach Hanko
Mit der Seele segeln und  in der Seele segeln: nach Hanko
Mit der Seele segeln und  in der Seele segeln: nach Hanko
Mit der Seele segeln und  in der Seele segeln: nach Hanko

 

2013_08_04

 Der Tag begann mit einem strahlend blauen Himmel und er versprach gut zu werden, denn Turku hatte Winde zwischen 3 und fast 5 Beaufort angekündigt und dann noch aus der richtigen Richtung, nämlich Süd, ich will nach Hanko und das liegt im Osten und ist recht weit weg, runde 30 bis 35 Seemeilen, also bei 4 kn runde 9 Stunden.

 Also wurden hurtig um 11 Uhr die Leinen losgemacht, Fock und Groß gesetzt und es ging los.

 Das Wetter war blendend, der Kapitän guter Laune, MISS SOPHIE machte sich munter auf den Weg und alles war gut.

 Eine kleine Privat-Regatta mit einem Nebenbuhler, einem etwa gleich großem Plastikschiff, gewann ich merkwürdigerweise, denn eigentlich sprach alles gegen mich: ausgelutschte Segel, dreimal so schwer, schlechteres Unterwasserschiff (weil Stahl und Knickspant), aber es war so.

 Dann wurde das Hochgefühl langsam etwas weniger.

 Weniger Wind.

 Die ersten Yachten motorten munter an mir vorbei, aber ich blieb stur.

 Dann noch weniger Wind.

 Um 14:00 Uhr machte ich noch 2,5 kn, soviel wie ein langsamer Radfahrer, der Himmel zog sich langsam zu, immer mehr Yachten brummten mit dem Motor und zogen vorbei, und ich fing an zu rechnen: bei der Geschwindigkeit …... bis ich um 15:30 langsam einsah, dass das mit segeln wohl heute nichts mehr wird. Vor allem wenn der Wind direkt von hinten kommt und das Großsegel wie ein breitgespanntes Betttuch quer vom Schiff absteht, dann bremst es das bischen Fahrt, was durch es bewirkt wird.

 Ich bekam schlechte Laune.

 Wieso stecke ich immer in einer Flaute?

 Warum passiert das immer mir?

 Und warum das gerade heute?

Und wieso überhaupt?

Das ging eine ganze Weile so, meine Laune immer schlechter, der Himmel immer dunkler und schließlich stand MISS SOPHIE und ich auf ihr auf der Stelle mitten im Meer.

 MISS SOPHIE bewegte sich nicht mehr von der Stelle.

 Sie stand einfach still.

 Auch nicht schlecht. Aber irgendwann würde ich müde werden. Und das Ende von dem Törn endete in einem komplizierten Gewässer, das ich nicht gerne bei Dunkelheit durchqueren möchte, mit Flachs, die nur von unbeleuchteten Tonnen gekennzeichnet sind.

 Und so geruhsam und still war es hier auch nicht: Es war Sonntag-Nachmittag, alle wollten und/oder mussten zurück nach Turku, weil morgen die Arbeit ruft, oder weil die Kinder langsam nörgelig werden und am Strand oder wo auch immer spielen wollen, oder die Ehefrau langsam genug hatten oder oder oder und ein nerviges Motorboot nach dem anderen dröhnte an mir vorbei und ließ meine nörgelige Stimmung zu wahren Hochtouren auflaufen.

 Aber man hat ja nicht umsonst auf der Couch gelegen.

 Irgendwann trat ich einen Schritt beiseite und guckte mir diesen nörgeligen, immer schlechter gelaunten Streese von der Seite an und sagte zu ihm:

„Na Streese, kennste das?“

 "JA"

 Ich kannte das.

 Das kannte ich so gut, dass dass es mich irgendwann auf die Couch getrieben hat.

 Es ging nicht nach meinem Willen.

 Und das machte mir schlechte Laune, machte mich wütend, erst auf die anderen, dann auf mich selbst und am Ende stand ein völlig zerknirschter Streese da, der auf die ganze Welt in die Tonne treten wollte.

 So war das mal.

 Und jetzt war es wieder so.

 Aber einen ganz kleinen Unterschied gab es jetzt zu damals: Ich kann jetzt neben mich treten.

 Und das macht eine ganze Welt aus.

 Und jetzt war wieder eine solche Situation.

 Und plötzlich konnte ich innerlich lächeln.


 'Streese, du bist zwar Opfer deiner Gefühle, aber du bist auch der Produzent deiner Gefühle.'


 Und nach einer Weile, wo ich so neben mir stand, nein saß, denn wir waren ja auf MISS SOPHIE, und ich dem neben mir leidenden Streese ein Stückchen näher rückte, konnte ich ihm sagen:

 „Streese, das kennst du doch und inzwischen weißt du auch, woher diese Gefühle kommen, wo sie entstanden sind und an diesen Ort musst du dich jetzt wieder begeben, um ihren Ursprung noch einmal zu kosten und dann wieder zurück kehren an diesen Ort hier auf MISS SOPHIE, wo dich diese Gefühle wieder eingeholt haben und sie dir unter diesem Aspekt noch einmal anschauen: Erkennst du das Grundmuster wieder?

 Na, sagt schon, erkennst du es?'


' Ja.'

 

Und ich musste lächeln.

 

Meine Großmutter.

Mutterersatz. Weil meine Mutter arbeiten musste. Oder wollte. Oder beides.


 Meine Großmutter, die auf jede Regung von mir mit Angst, Schrecken und Panik und später dann mit Herzattacken reagierte: dem ihr anvertrauten Enkel könnte etwas passieren, wenn er sich bewegt, und bewegen heißt Gefühle zeigen.


 Nein, nicht mir könnte etwas passieren, sondern ihr wird etwas passieren, wenn ich weiter meinen eigenen Willen zeige.

Nämlich ihr Herz wird aussetzten.

 Und das machte mir bei der kleinsten Regung meines eigenen Willens ein Problem: ich merkte, dass ich für den Zustand meiner Großmutter verantwortlich bin. Dasb ihr Zustand mit meiner Art zu sein, etwas zu tun hat (ich war da ja schließlich erst 3, 4, 5 Jahre alt).

Ich bekam ein schlechtes Gewissen.


Aber ein Kind muss seinen eigenen Willen entwickeln, sonst geht es zu Grunde.

Und deshalb wurde dieser Konflikt für mich existentiell, denn beides war da: die Notwendigkeit, meinen Willen zu entdecken, zu zeigen und durchzusetzen und die damit verbundenen Folgen, dass eine von mir am Anfang geliebte Person zum Verhinderer meiner Entwicklung wurde, oder, um es in seiner Dimension deutlich zu machen, mich töten musste, würde ich weiter meinen Willen entwickeln wollen.

 Also musste ICH töten.

 Und plötzlich wusste ich, wozu diese Flaute unter einem dunkelgrauen Himmel für mich da war: Noch einmal und noch ein Stückchen tiefer und intensiver zu begreifen, wie ich zu dem wurde der ich bin.

 Ich war wieder bei mir.

 Der neben mir sitzende Streese war verschwunden, der griesgrämige Streese war ebenfalls verschwunden und auf MISS SOPHIE saß ein gutgelaunte Streese, der gerade einen Fight gewonnen hatte.

 Um 19:30 war ich in Hanko, nach dem es zum Schluss navigatorisch noch einmal etwas spannend wurde und zudem am Himmel ganze Kommentare zu meinen inneren Vorgängen stattfanden.

 In Hanko, an meiner Boje, an der ich festmachen wollte, entdecke ich einen Bojenhaken, den ich mit einiger Mühe losbekam, weil er verbogen war und deshalb dort auch wohl zurück gelassen worden war, den ich am nächsten Tag mit etwas Mühe wieder in Stand setzte und nun habe ich ein solches ganz nützliches Gerät, was im Laden 80 EUR kostet.

 

 

 

 

 

 

 

Weiter, weiter, weiter: Nach Vänö

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Published on August 2nd, 2013 @ 20:48:00 , using 311 Wörter,
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Weiter, weiter, weiter: Nach Vänö
Weiter, weiter, weiter: Nach Vänö
Weiter, weiter, weiter: Nach Vänö
Weiter, weiter, weiter: Nach Vänö

 

2013_08_02_nach_vänö

 Luftdruck 1009, Luftfeuchtigkeit 71%, 21 Grad, wolkenloser Himmel, W 2-3,

 Ich bin etwas lustlos, eigentlich will ich hier nicht weg, andererseits bin ich nur einmal hier in dieser Gegend und will eigentlich möglichst viel sehen. Und dazwischen kann ich mich nicht recht entscheiden.

 Als um 11:00 alle Schiffe hier den Steg verlassen hatten, machte ich auch die Leinen los. W 2-3, aber weil ich recht lustlos war, und Turku-Radio 5-6 Windstärken aus NordWest angesagt hatten, ließ ich die SWF stehen, was zunächst viel zu wenig Segelfläche für meinen Ostkurs war.

 So dödelte ich da mit meinen 3-4 kn lang, aber der Wind wurde stärker und als ich nach Süden meine Abzweigung in den kleinen, sehr geschützt liegenden Hafen auf Nänö nahm, war er bei 5 Windstärken.

Zum Glück konnte ich an dem kleinen Steg die letzte Boje gegen den Ewind erwischen, musste dieses Manöver aber alleine durchführen, keiner war am Steg, um meine Leinen in Empfang zu nehmen, obwohl etliche in der Plicht saßen und interessiert zuschauten, was das wohl bei mir werden würde. Bei diesem Manöver haben oft schon 3-köpfige Mannschaften ihre Probleme, bei viel Wind erst recht, aber es klappte prima, ich hatte den Enterhaken vorne schon bereit gelegt, Haken in die Boje, nach vorne gesprintet, Boothaken in den Steg gerammt und ich war vorne und hinten fest.

MISS SOPHIE nun so vorne festzumachen, dass ich mit dem Bug auch schön im Wind liegen konnte, hat dann noch eine Weile gedauert, aber dann war ich fest.

Der großspurig angekündigte Supermarkt war ein Winzladen angeschlossen an eine Kneipe, in der ich mir zwei Rollen Kekse (für die Segeltouren) und einmal leider nur Teebeutel erstand, weil der Tee mir ausgegangen ist und mir dann nich ein Bier für 5 EUR im Glas erstand und mich in die Sonne setzte und den Tag überdacht.

 Die Wettervorhersage von Turku-Radio, also die finnische amtliche Wettervorhersage ist wirklich sehr präziese und fast immer zutreffend.

 

 

Weiter; Nach Borstö: mein schönster Liegeplatz bisher in Finnland

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Published on Juli 31st, 2013 @ 20:33:00 , using 328 Wörter,
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Weiter; Nach Borstö: mein schönster Liegeplatz bisher in Finnland

 

2013_07_31

 Ein schöner Tag scheint es heute zu werden. Ich frühstücke lange, dann hole ich mir die Seekarten hervor, den Zettel mit den Schären der beiden Kieler und ich mache ein Grobplanung, wie das alles auf die Reihe zu kriegen ist.

 Der blaue Himmel verlangt nach segeln.

 Ich schiebe die Karten beiseite, für heute stehen Trunsö und Borkö auf dem Plan und los geht es.

 Mit SSE 3-4 habe ich einen Ostkurs zu segeln, was gut geht: Groß und SWF, weil ich zu faul war, sie gegen die Normalfock einzutauschen.

Eine Yacht nach der anderen kommen vorbei und überholen mich. Klar: Sie sind in der Regel 3 Meter länger und Länge läuft. Sie haben Kunststoffrümpfe, die ganz anders formbar sind als mein Stahlkasten und damit im Unterwasserbereich schneller. Sie haben größere Segel und neue Segel, meine sind 30 Jahre alt. Und sie haben ein größeres Vorsegel stehen, weil ich faul bin. Also dürfen sie auch schneller sein.

Dann nähere ich mich um 16:00 Uhr langsam der sehr verwinkelten Einfahrt in den sehr verborgenen und geschützten Hafen von Borstö und dann sehe ich schon den Steg mit den Bojen und kurz darauf bin ich hier fest.

 Mein erster Eindruck: schönster Liegeplatz in diesem Jahr.

 Zweiter Eindruck: schönste und winzigste Häuseransammlung des bisherigen Törns: die Schäre und der Platz sind Super.

 Dritter Eindruck: scheint hier eine funktionierende kleine Dorfgemeinschaft zu sein.

 Ich mache mein Essen von gestern warm, dann begebe ich mich auf den natur-trail, der durch die halbe Insel führt, die allerdings auch nur einen Kilometer lang und einen halben breit ist.

Und um 1800 schon einigen Schiffen mit ihren Felsen und Kliffen zum Verhängnis wurde, wie einige Überreste von ihnen und eine kleine Informationstafel erläutert. Diese Gallionsfigur stammt von einem dieser Wracks.

 Nachts fängt es dann an, richtig heftig zu regnen und am Horizont ist ein Gewitter zu sehen.

Zu den Bildern:

Die Holzfigur ist die ehemalige Gallionsfigur eines hier gestrandeten Schiffes und jetzt sozusagen das Wahrzeichen dieses Dorfes und der Insel: "Old Borstögumma"


 

 

 

Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo

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Published on Juli 30th, 2013 @ 20:21:00 , using 227 Wörter,
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Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo
Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo
Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo
Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo
Leben auf einer kleinen Schäre am Rande des Archipelagus: Jurmo

 

Jurmo, 2013_07_30

 Morgens um 8 Uhr weckt mich mein Wecker wegen des Duschens bis 9 Uhr. Herrlich.

 Frisch geduscht und gewaschen mache ich Fühstück, dann erkunde ich die Insel, Gang in das Dorf, was zuviel ist für diese Ansammlung von ca. 20 Häusern, umrunde die Hälfte der Insel und komme wieder an dem Strand an, der aus Millionen rundgewaschener Steine besteht.

 Dann fängt es wieder an zu regnen, aber die angekündigten 6-7 Windstärken bleiben aus.

 Trinkwasser bekommen sowohl die Bewohner als auch die Gäste aus verschiedenen Handpumpen, die hier stehen und die vorzügliches Trinkwasser aus der Tiefe holen.

Warum nicht auf all diesen Schären ein Windkraftwerk steht, die die Inseln mit Strom versorgen, ist nicht recht zu verstehen. Na ja, kann ja noch kommen. Da sind die Baltischen Länder weiter.

 Hier allerdings lese ich das Menüangebot einer Gaststätte hier im Dorf, das ich jedenfalls nicht gesehen habe. Aber ich bin auch nicht an jedem Haus vorbeigegangen.

 Ob die hier lebenden Menschen auch im Winter hier leben? Muss dann extrem einsam sein. Und wie kommen die Kinder zur Schule, wenn die Fähren wegen Eis nicht fahren? Fragen über Fragen.

 Neben mir kommen 2 junge Kieler an den Steg und schnell ist ein Gespräch im Gange. Abends laden sie mich dann zu sich zum Essen ein und es wird ein netter Abend, wo sie mir noch ein paar Schären nennen, die ich unbedingt anlaufen muss.

 

Erst das dann das: Erst nach Björkö dann nach Jurmo

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Published on Juli 29th, 2013 @ 20:06:00 , using 383 Wörter,
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Erst  das dann das:  Erst nach Björkö dann nach Jurmo
Erst  das dann das:  Erst nach Björkö dann nach Jurmo
Erst  das dann das:  Erst nach Björkö dann nach Jurmo
Erst  das dann das:  Erst nach Björkö dann nach Jurmo

 

2013_07_29

Nach Jurmo, vorher aber der Versuch nach Björkö zu kommen

 Die beiden Kieler wecken mich um 09:30, weil sie ablegen, ich schiebe mir zwei Scheiben Brot zwischen die Zähne und lege ebenfalls ab, weil es irgendwann im Laufe des Tages viel Wind gebe soll und vor allem morgen stürmisch werden wird.

 Der Wind SüdOst 3-4, eigentlich meine Richtung in die ich muss. Also hoch an den Wind. So hoch wie möglich, was bei dieser ruhigen See hier zwischen den Inseln des Archipelagos mit 45 Grad zum Wind für MIS SOPHIE geht. Ich kann also meine Kurse halten.

 Dann bin ich vor der Südseite von Björkö und das schmale Fahrwasser zwischen dieser und einigen anderen Schären muss ich kreuzen. Ich gehe sehr nahe an die Insel heran, weil ich mir noch nicht sicher bin, wo der Eingang ist. Das was ich dafür hielt, ist flach und hat einige Felsen in der Fahrrinne, die kaum an die Oberfläche kommen.

 Ich suche die Einfahrt.

 Einmal ist da eine Durchfahrt mehr von Westen her, die, wo ich an der Wasseroberfläche einige verdächtige Kräuselungen sehe, die auf Felsen schließen lassen, aber die Westtonne ist von hier gut zu sehen und macht meiner Meinung nach auch Sinn.

 Dann schaue ich mir die südliche Einfahrt an, wo die Westtonne irgendwie komisch steht, keine Kräuselungen, aber sehr schmal und so recht traue ich mich nicht. Zumal sie mit meiner digitalen Karte nicht übereinstimmt.

 Also nicht.

Zumal ich dort lediglich Toiletten und Abfalltonnen erwarten darf und morgen und vielleicht ja auch länger heftig Wind erwartet wird.

 Also weiter nach Jurmo, was nur 6 Seemeilen sind, also in gut einer Stunde bin ich dort.

 Auf dem Weg dorthin fängt es an zu regnen und das bleibt dann mit unterschiedlicher Stärke auch so den ganzen Tag.

 Die Insel ist platt wie eine Flunder, wenig Schärenfelsen, zumindest nicht sichtbar und der Strand besteht aus Millionen kleiner und etwas größerer rundgewaschener Steine.

Ich kaufe am Abend einen frisch geräucherten Fisch für 3 Eur, löhne das Hafengeld von 15 EUR, worin bis morgens um 09:00 Uhr eine warme Dusche enthalten ist bei einer sehr freundlichen jungen, etwas deutsch sprechenden Frau und will gerade die Insel erkunden, als es schon wieder anfängt zu regnen.

 Also Kartoffeln, Zwiebeln und zwei Karotten zum Fisch und Essen.

Die Nacht über regnet es und es fängt an zu winden.

Nötö

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Published on Juli 27th, 2013 @ 13:52:00 , using 202 Wörter,
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Nötö
Nötö
Nötö
Nötö
Nötö
Nötö
Nötö

 

2013_07_27

Von Kvivlax nach Nötö

Wieder wolkenloser Himmel und um 11:00 Uhr machte ich los, weil ich heute eigentlich an den Rand des Schärenmeeres segeln wollte, rund 25 Seemeilen mit Südkurs.

Aber der Wind kam immer mehr aus SW und ich musste anfangen zu kreuzen. Ich hatte SWF und Groß stehen und bei der glatten See macht MISS SOPHIE 45 Grad zum Wind.

Um 14:30 überholt mich der Seenotrettungskreuzer Fritz Behrens, Heimathafen Bremen, was der hier wohl will????

Um 15:15 dann ist der ganze vor mir liegende Horizont in Watte eingepackt.

Seenebel.

Das ist blöd. Denn ohne Radar bin ich hier wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Ich entscheide mich, in den nahe gelegenen Hafen Nötö zu gehen, zu mal die Fähre dorthin mich gerade überholt und dann im Nebel verschwindet.

Ich taste mich hier mit der digitalen Karte an den Eingang in das Innere dieser Schäre und dann kommt noch etwas neues: ich muss hier vor Heckanker festmachen.

Geht aber ohne Probleme, dafür hatte ich ja für meinen zweiten Reserveanker hinten am Heckkorb eine Vorrichtung gebaut, dass ich ihn dort schnell fallen lassen kann.

Eine supernette kleine Schäre hier mit einem wunderschönen Café unter Bäumen, selbstgemalten Wegweisern, einem kleinen Laden mit sehr freundlicher Besatzung, und und und.

 

 

 

 

 

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