von Jörg Streese

Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo

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Published on Juli 11th, 2012 @ 17:09:12 , using 475 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo
Mal wieder Schlechtwetter - diesmal in Inkoo


Mal wieder Schlechtwetter hier in Inkoo


Seit meiner Ankunft hier in Inkoo liegt ein Schlechtwettergebiet über Südfinnland, mit Kälte, Regen, viel Wind (6 Beaufort) und grauem Himmel und ich werde hier auf MISS SOPHIE richtig durchgeschüttelt, weil ich ganz draussen liege und auch noch vor Boje.

Nur jeden Abend wird das Wetter merkwürdigerweise regelmäßig für ein paar Stunden gut, mit blauem Himmel, Sonne und Wärme.


Aber es gibt ja Bücher.

z.B. Margaret Skjelbred: Lerchenherzen.


Eine norwegische Lebensgeschichte. Im Mittelpunkt steht die wortkarge, etwas spröde Mathilde, Erbin eines größeren norwegischen Bauernhofes, die ein Geheimnis verbirgt, das sich erst am Schluss des Buches entschlüsselt: aber auch nur, wenn man den verschlüsselten Hinweisen (ich zumindest mit Zurückblättern) nachgeht und dann enthüllt sich eine zu Herzen gehende Schicksalsfügung und eine merkwürdige Verdopplung dieses Schicksal, das sich in Solfrid, einem Nachbarskind, für die Mathilde fast eine zweite Mutter ist, zumindest in der Struktur fortsetzt – mit Nils-Jan, der zu Mathilde eine ganz besondere Beziehung hat – ohne dass beide davon Wissen – aber eine Ahnung begleitet ihre Beziehung, ohne das sie damit etwas anfangen zu können.

„Es gibt Augenblicke, da macht unser Lebensweg einen Bogen. Oft durch ein äußeres Ereignis verursacht, aber vielleicht auch genausooft verursacht durch einen Menschen, dem wir begegnen und der uns so unbegreiflich nahe kommt. Oder ist alles ganz anders? Kommen uns Menschen nur in solchen Phasen nahe, in denen wir besonders verletzlich sind und offen, weil wir an einem 'Bogen im Weg' sind?“ (p 27)


Diese Geschichte lässt natürlich parallel zur eigenen Geschichte hochkommen: welches Geheimnis liegt meiner Existenz, meiner Familie zu Grunde? Und dann wird das Lesen zu einem Abenteuer: das Einsteigen in eine fremde Geschichte wird zu einem Einsteigen in die eigene Geschichte, ohne das man sich dessen wirklich bewusst ist - es geschieht einfach beim Lesen.


Aber es ist ein ungeheuer intensiver Leseprozess, weil er beständig auf zwei Ebenen gleichzeitig stattfindet, dem Lesen des Buches und dem Lesen der eigenen Erinnerungen, Assoziationen, flüchtigen Kombinationen – und immer wieder muss dieser Prozess erschöpft unterbrochen werden.


Gut, dann in einer kleinen, schaukelnden, gut festgemachten MISS SOPHIE zu sitzen. Draussen stürmt es, immer wieder legt sich MISS SOPHIE auf die Seite, wenn eine Böe über sie herfällt, der Regen peitscht gegen die Scheiben, es ist dunkel und auf dem Herd fängt das Teewasser an zu summen.


Es gibt eine tiefenpsychologische Familien-Theorie, nach der jeder Familie sozusagen als Bindekitt ein von den Beteiligten tief gehütetes, ihnen meist selbst verborgenes Geheimnis zu Grunde liegt. Das hüten dieses Geheimnisses ist sozusagen das soziale, psychologische Bindemittel dieser Individuen.


Fällt mir gerade dazu ein.

Die Bilder versuchen, diese kleine Stadt in Finnland zu beschreiben, wobei ich die großzügige Schule weggelassen habe und nur das zeige, was sich dem Blick zunächst offenbart.

Ich sitze mal wieder in diesem kleinen, der Bibliothek angegliederten Cafe, und schreibe meinen Bericht, aber jetzt zeige ich es auch.

 

Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga

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Published on Juli 13th, 2012 @ 16:50:33 , using 857 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga
Auf der Suche nach dem Sommer - Irrfahrt von Inkoo nach Box Brygga

 

Der Tag fing mit dem Ungemach von Regen an und mit Ungemach sollte es auch erstmal weitergehen.


Kaum war der Regen vorbei, legte ich ab und – saß fest.


Ich war wohl ein bis zwei Meter neben die ausgetonnte Fahrrinne geraten – und schon saß ich auf - zum Glück auf Sand.


Erstmal orientiert und dann den Motor auf halbe Kraft, zurück auf die Fahrrinne ausgerichtet und dann angefangen, MISS SOPHIE durch schaukeln freizubekommen, was dann auch bald gelang, weil ich mit ganz sanfter Fahrt aufgekommen war.


Trotzdem Puhhhh.


Ich wollte zu einem kleinen Anleger, auf meiner finnischen Seekarte mit der Nummer 251 versehen, der mir von den finnischen Seglern, die mir letztes Jahr auch meine erste Anlegestelle empfohlen hatten. Der lag in einem kleinen verwinkelten Fjord auf der Insel (Schäre) Älgsjölandet, der aber eine Stelle hatte, die in meiner Seekarte mit einer Wassertiefe von nur einem Meter gekennzeichnet war. Zwar sagten sie dazu, einen halben Meter sei immer eine zusätzliche Toleranzbreite und ein halber Meter wegen unterschiedlichen Wasserspiegel – aber nach meiner Erfahrung heute Morgen und der Vorstellung, dort nicht etwa Sand im Untergrund zu haben, sondern Schärenfelsen, etwas mulmig zumute.


Als ich langsam vor dem sehr geheimnisvoll und lockend anmutenden Eingang vorbeischipperte, noch mit mir uneins, ob ich es wagen sollte oder nicht, kam gerade eine Marieholm aus dem Fjord, die etwa mein Tiefgang hat und ich ging auf meine langsamste Geschwindigkeit, sie zum Überholen zu nötigen und sie dabei nach der dortigen Wassertiefe zu befragen. Aber sie drehten leider zu dem kleinen Anleger mit Tankstelle ab und ihnen hinterher und dort auch anlegen, dazu hatte ich keine Lust.


Die Frage war, was jetzt.


Ich hatte mir neben der Fahrtroute (auf der Seekarte der gelbe breite Strich quer über die Seekarte) auf der kleinen Schäre Skataholmama einen Anlegesteg ausgesucht (257). Da ich aber das zur Seekarte zugehörige Hafenhandbuch, hier in Finnland natürlich ein telefonbuchdickes Handbuch, noch nicht besorgen konnte (u.a. war ich deshalb nach Inkoo gesegelt), in der alle diese in den Seekarten lediglich mit einer Zahl versehenen Anlegestellen mit Hafenkarte und allen Daten und Angaben enthalten sind, konnte ich diese Stelle nur auf gut Glück anlaufen.


Vorher musste ich noch eine Untiefe umschiffen, die mit Kardinaltonnen bezeichnet war und ich musste erst lange nachdenken, bis mir klar wurde, wie ich diese Stelle, die mit einer Osttonne und einer Südtonne bezeichnet war, zu passieren hatte.


Dann suchte ich diese kleine Anlegestelle – und fand sie nicht.


Nun, meine finnische Seekarte ist 15 Jahre alt – da kann eine solche Anlegestelle auch schon mal aufgegeben werden.

Die Frage war aber jetzt, wo dann hin – und ich gebe zu, ich hatte mir diese Frage vorher nicht gestellt.


Auf der auf der Karte gelb eingezeichneten Fahrstrecke gab es jetzt erstmal keine weiteren Anlegestellen – ausser einigen Ankerplätzen, zu denen ich aber keine detailierteren Angaben hatte.

Noch mal in die Karte geguckt. Und noch mal einen Blick in die Runde.


Da waren einige große Yachten dabei, in den zweiten, inneren Schifffahrtsweg einzulaufen (auf der Karte mit dem Kugelschreiber gekennzeichnet), auf dem ich auch einige Anlegemöglichkeiten verzeichnet fand und ich entschied, ihnen hinter her zu gehen.


Bei der ersten Stelle fand ich nur Motorboote. Ist aber auch verständlich, denn das war jetzt Festland und jeder, der hier ein Häuschen auf einer der Schären hat, und das sind Tausende, braucht dafür solch eine Stelle, wo er sein kleines Motorboot liegen hat, mit der er auf seine Schäre schippern kann.


Also weiter.

Auch die zweite Stelle war solcher Art und nicht sehr ansprechend.


Auch die dritte Stelle, Box Skargardsboden, war ein bischen ähnlich, aber da lagen wenigsten zwei Segelboote und da machte ich dann fest, gegenüber der Schule, und weil diese Region Box heisst, heisst die Schule Box-Skola. Was mich zunächst sehr verwunderte, in dieser Gegend eine Box-Schule vorzufinden - und vorher las ich wegen der Abdeckung durch einen Busch: Boy-Skola, was ich ueberhaupt nicht verstand, weil Koedukation in Finnland ist.


Ist aber doch ganz nett hier, alle sehr freundlich, aber halt ein funktioneller Hafen für Schären-Hausbesitzer, die hier ihr Zubringerboot liegen haben.

Weil es hier keine Duschen gibt, nehme ich heute eine Dusche im Cockpit aus meinem solar-shower-Sack, der draussen lag und bei mehr oder weniger bedecktem Himmel mir in weniger als 4 Stunden angenehm warmes Wasser über den Körper rinnen lässt. Wunderbar. So werde ich das in Zukunft immer machen. Habe dafür extra naturfreundlich abzubauende Spezialwaschlotion gekauft.

Und eigentlich ist das hier wirklich ganz nett. Keine Touries. Auch keine Wassertouries, sondern alles kleine Leute, die hier ihr Boot zu ihrem Wochenendhäuschen liegen haben, alle freundlich grüssend, mit denen man (mit den jüngeren) auch ein bischen smalltalk auf englisch machen kann (und die in de Regel hervorragend gut englisch sprechen) und ich glaube, hier bleibe ich ein bischen, nachdem nun auch die Sauberkeitsfrage geklärt ist.

Und jetzt geht mir auch auf, was hier bei den Häusern so angenehm anders ist: Diese Häuser hier haben keine Vorgärten, also keinen abgegrenzten Bereich, mit dem demonstriert wird: Hier beghinnt mein Reich - Draussenbleiben! sondern stehen einfach so im Gelände ohne Zäune, die man hier nicht zu kennen scheint.


Aber wo ist der Sommer in diesem Jahr? Hier zumindest nicht.

Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo

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Published on Juli 9th, 2012 @ 15:28:09 , using 559 Wörter,
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Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo
Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo
Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo
Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo
Auf der Suche nach Geld: Von Dragesviken nach Inkoo

 

Der Wetterbericht hatte günstigen Rückenwind aus Ost angesagt und um 11 Uhr ging es dann auch endlich los.


Na ja, Wind konnte man dazu eigentlich als Segler nicht sagen – ich schleppte mich so mit 2 kn durch das Wasser – aber egal, ich war unterwegs, das Wetter war gut, es war relativ warm und trocken und ich konnte diese Schärenlandschaft langsam in mich aufnehmen und mich mit ihr anfreunden.


Ich hatte, weil sich im zweiten Teil meines Törns das Fahrwasser zwischen den Schären sehr schmal werden sollte, bei dem achterlichen Wind nur die Fock gesetzt, um mich mehr mit der Landschaft und der Navigation zu beschäftigen und nicht beständig den Großbaum im Auge behalten zu müssen wegen der Halsengefahr, und so bummelte ich dann durch diese verwunschene Trollwelt und ließ meine Seele dabei etwas baumeln.


Nach zwei Stunden war es dann aus mit dem Wind und Admiral von Schneider musste ran.


Kurz darauf fing es auch noch an zu regnen – na ja, nieseln und ich musste in meine Feuerwehrjacke.

Und das blieb dann auch die nächsten zwei Stunden so und dann war ich bei meiner Abzweigung nach Inkoo – und da hörte es auf zu regnen.


Jetzt wurde das Fahrwasser teilweise sehr schmal (keine 10 Meter) und flach, aber bald darauf war ich angekommen.

Ein funktioneller Hafen für einheimische Bootsbesitzer, mit Servicestationen und Drumrum – aber ich war ja auch eigentlich nur aus einem einzigen Grunde hier: um einen Bankomat zu plündern, den es hoffentlich hier gibt.


Abends dann zieht sich der Himmel zu, es fängt wieder an zu regnen und dann kommt auch noch heftig Wind auf.


Mal sehen, was daraus wird.


Am nächsten Morgen wache ich durch heftiges Schütteln auf.


Nein,nein, kein aufgebrachter Stegbesitzer schüttelte an meiner SOPHIE, sondern der querab kommende heftige Wind, der in der Nacht wohl stark zugenommen hatte.


Frühstück, dann Ortserkundung mit Besuch eines Bankomaten.


Der hiesige Supermarkt ist riesig, der in der nähe liegende Laden für alles, von Kinderspielzeug über Gartengeräte, Angelsachen, Baugeräte, Werkzeug und Schrauben und Nägel ebenfalls riesig und ein bischen rummelig, was mich nicht davon abhält, neben Petroleum für die Petroleumlampe auch noch für 15 EUR ein Thermofleece-Set, langärmelig, zu erstehen – scheint in diesem Sommer hier auch notwendig zu sein.


Auf dem Rückweg (was heißt hier Weg; es handelt sich um vielleicht 100 Meter) komme ich noch einmal an dem kleinen Holzhaus vorbei, was direkt an dem kleinen Flüsschen liegt, der für die Entstehung dieses Ortes vermutlich mal verantwortich war, und entdecke, das sich dort die öffentliche Bibliothek befindet und ihr angeschlossen ein kleines Café.

Gefragt, ob hier ein Internetzugang ist, bekomme ich sofort das Passwort genannt und eine halbe Stunde später sitze ich hier bei einem guten Kaffee (zum ersten Mal wieder seit Jahrzehnten) und sehr sehr leckerem Kuchen, habe mein Laptop vor mir und schreibe diesen Bericht.


Das Café ist ganz gut besucht, Straßenarbeiter kommen hier rein und trinken schnell einen Kaffee, Hausfrauen, schwer bepackt mit Einkauftüten, sitzen hier und schauen kurz in die hier ausliegenden Zeitungen, an den zwei Computer-Internet-Plätzen sitzen zwei ältere Menschen und machen dort irgendwas – kurz: das hier scheint eine funktionierende Institution zu sein.


Und dann entdecke ich noch ein Kulturprogramm, so interpretiere ich das, was ich da meine zu verstehen, und demnach ist hier in dieser kleinen, rund 1000 Menschen umfassenden Kleinstadt ne Menge los. Schade, das ich das alles nicht verstehen kann.

Der erste Tag in Finnland: Eine Katastrophe

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Published on Juli 9th, 2012 @ 15:21:55 , using 867 Wörter,
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Der erste Tag in Finnland: Eine Katastrophe

 

Nach einem kleinen Erkundungsgang, der aber nur auf der Zugängerstraße zu diesem Yachthafen möglich ist, weil das gesamte Ufergelände von finnischen Häuslebesitzern okkupiert ist, die überall kleine Schilder aufgestellt haben ….... , was vermutlich so etwa heißt, wie: 'bitte nicht betreten – privat', stehe ist dann plötzlich nach einer Biegung der Straße rund 10 Meter vor einem kapitalen Hirschbock, einem jungen, weil sein Geweih noch sehr in Ansätzen ist, aber ein für meine Begriffe enorm großer Bock, der bestimmt eine Rückenhöhe von knapp 2 Meter hat und bleibe natürlich, schon aus Respekt, sofort stehen und wir schauen uns lange an.

Wäre es ein Mensch, würde ich nun langsam ein Lächeln auf meine Lippen bringen. Da Tiere aber meines Wissens nach Lächeln nicht als Lächeln erkennen können, sondern diese Mimik wohl eher als Fresslust interpretieren könnten, weil ich damit meine Zähne und damit mein Fresswerkzeug entblöße, untersage ich mir dieses Lächeln und bleibe einfach stehen. Atme langsam und beständig.


Ungeheuer große runde dunkle Augen schauen mich da an. Die Ohren drehen sich einmal um die Runde und sind dann wieder auf mich gerichtet – der Blick bleibt die ganze Zeit auf mich.


Dann sage ich ganz leise so einen Blödsinn wie : 'Hey' – die Augen schauen mich weiterhin an – ich wollte gerade 'interessiert' schreiben, aber damit würde ich wohl doch das ganze sehr vermenscheln – und auch diese Art von Kommunikationsangebot ist ja schon aus der Hilflosigkeit dieser Begegnung menschelnd erwachsen.

Aber es scheint auch nicht gestört zu haben. Ist ja auch schon mal was.


Irgendwann wurde es ihm dann wohl zu langweilig, Futter schien auch nicht in Aussicht zu stehen und ganz langsam drehte er sich um und verschwand langsam im Gebüsch.


Finnland.


Am Nachmittag wollte ich nun endlich der Welt die freudige Mitteilung machen, dass ich Finnland erreicht habe, aber das hiesige W-LAN-Netz bekomme ich nicht aktiviert.


Dabei hatte ich mich wegen der schlechten Empfangsqualität schon in den hiesigen kleinen Laden mit Tischen und Bänken gesetzt und war dafür schon bereit, hier für ein Bier 4,50 EUR auszugeben, damit ich hier sitzen und tippen kann – aber auch hier bekam ich das Netz nicht aktiviert.

Und meine 'abroadband'- Funkverbindung ins Netz habe ich verdusselt, weil ich meinen Netztwerkschlüssel mir nicht gemerkt habe und der, den ich mir notiert hatte, wohl falsch war – und nach der dritten Falscheingabe der Zugang erstmal gesperrt ist.

So ein Mist. Nun muss ich aufwendig versuchen, da wieder Zugang zu bekommen.


Grummelnd mit der Netzwelt und mit mir, ziehe ich mich erstmal wieder auf MISS SOPHIE zurück und überlege, was zu tun ist.


Kochen.

Das beruhigt, tut der Seele gut und dem Körper gut und sowieso.



Irgendwann danach überlege ich, wie es hier weitergeht.


Ich muss zu Geld kommen. Das geht hier nicht. Dafür muss ich einen anderen Hafen ansteuern. Also die Seekarte her und nach etwas größeren Häfen mit entsprechender Infrastruktur im Hinterland gesucht. Und jörn Heinrich befragt.


INKOO.

Von hier in westlicher Richtung, über den Daumen 20 sm, durch geschütztes, aber verwinkeltes Schären-Fahrwasser, dass ich mir langsam erobere und mir davon eine Skizze mache, die ich mit dem Kartenplotter abgleiche und mir dort ebenfalls digitale Orientierungslinien einbaue.


Dann überlege ich noch, wieviel Bares ich noch habe und ob ich hier meine Liegegebühr bar zahlen kann. Ich greife an die Stelle, wo mein kleines Plastiketui mit meinen wichtigsten Dokumenten einschließlich meiner letzten verbliebenen Scheckkarte immer steckt – und greife ins Leere.


Ach so, denke ich, die hatte ich ja in dem kleinen Laden mit, weil ich da sitzen wollte, um zu tippen und wenn da Getränkeverzehr für notwendig geworden wäre, hatte ich mich mit meinem Geld versorgt.

Also in die entsprechende Tasche der Hose gegriffen – nichts.


Nun wurde ich ein bisschen nervös.


Zettel: was hatte ich wann an und die entsprechenden Kleidungsstücke durchsucht.


NICHTS.


Meine Nervosität wurde zur UNRUHE.


Ich fing an, das halbe Boot auszuräumen und nach Geldbörse und Dokumentenetui zu suchen.


NICHTS.


PANIK.


Also erstmal zur Ruhe kommen. Gestohlen kann es nicht sein. Einzige Möglichkeit, ich habe es beim PC-Gebrauch in der Kneipe aus der Hosentasche genommen und es neben mich gelegt. Und es möglicherweise dort liegen gelassen, weil ich so genervt von dem nicht funktionierenden W-LAN-Netz war, als ich frustriert aufstand und ging.


Also schnell noch einen Gang zur Kneipe. Die hatte natürlich längst zu, denn es war ja schon 23:00 Uhr, was man aber ja in diesen Breitengraden nicht mitbekommt, denn da ist die Sonne gerade am Untergehen.


OK.

Heute ist da nichts mehr zu klären.


Dose Bier.

Und langsam wieder runterkommen.

Hat noch ne zweite Dose erfordert.


Am nächsten Morgen dann der Gang zum Waschhaus und auf dem Rückweg bei dem Laden vorbei, der 5 Meter von dem Waschhaus entfernt ist.


„Do you have found …...“ mehr brauchte ich garnicht zu sagen, denn da lächelte der junge Mann schon und winkte mit meinem gesuchten Etui, denn auf der durchsichtigen Aussenseite ist mein Presseausweis mit Lichtbild zu sehen.


Ein Berg rutschte mir vom Rücken, ich bedankte mich Hundert mal und sooooo gut hat mein Frühstück schon lange nicht mehr geschmeckt.


Aber den heutigen Tag regnet es immer wieder mal zwischendurch und ich entscheide, den geplanten Törn morgen zu machen – und heute noch ein bischen die vermiedene Katastrophe zu geniessen.

Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken

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Published on Juli 5th, 2012 @ 15:09:42 , using 778 Wörter,
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Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken
Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken
Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken
Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken
Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken
Mit 7 kn nach Finnland gestürmt: der kleine Hafen Dragesviken

 

Morgens um 06:00 Uhr piept es bei mir.


Zum Glück ist es nur der Wecker.


Wind- und Wetterprognose ist günstig für Finnland und das soll genutzt werden: E 4, später dann E 3-4 nach SE gehend.


Mein Kurs verläuft NNW, also mehr oder weniger halben Wind.


Vorher noch schnell zur Tanke und nochmal 20 Liter Diesel getankt, der jedoch nicht so recht in den Tank passen will, weil er immer wieder hochschäumt. Da ist noch irgend ein Problem mit der Entlüftung des Tanks – aber dieses Problem versuche ich schon seit langem zu lösen – denn wenn ich die Schraube des Peilstabes löse, wird deutlich Luft ausgepustet. D.h., dass sich durch den einfliessenden Diesel Luft gestaut haben muss, wo eigentlich ein Abluftschlauch diese nach außen geleitet haben müsste.


Als ich draußen bin, wird es ein wunderbares Segeln bei halben, machmal ein wenig vorlicher einkommenden Wind und ich laufe unter Fock und Großsegel beständig über 6 kn.

Nach 6 Stunden habe ich meine 40 sm abgesegelt: Schnitt 6,7 kn bei 4 Beaufort. Super.

Nun aber wird es für mich heikel. Ich steuere mitten in die Schären, in die ich bei Rönnskär mit seinem Leuchtturm einlaufe. Und das ist für mich absolutes Neuland

Weil dieses Seegebiet für mich völlig neu ist, habe ich vorher mein Großsegel runtergenommen, denn durch dieses teilweise nur 10 oder 15 Meter breite, mit seinen unendlichen Abzweigungs-,-Neben- Verzweigungs- und Hauptfahrwassern versehene Schärengebiet, also durch die durch die Eiszeit gerundete Felsen zu navigieren, ist für mich völlig neu und da möchte ich nicht mit 6 kn durchkarjolen.

Aber ich bleibe unter Segeln und fange an, mich zu orientieren. Das da vorne: ist das ein Fahrwasser? Und wenn dann welches? Oder nur eine Bucht? Und was kommt da eigentlich von Backbort ein? Ach so, das Fahrwasser – aber wo ist die schmal Einfahrt zur Zollstation auf Tullandet? Das da vorne? Kann doch nicht. Ist doch gar keine Einfahrt – oder doch? Sooooooo schmal? Da passt ja kaum ein Kanu durch. Bin unsicher. Und das daneben? Was ist das denn?

Das ist ein großes Puzzle, das da im Kopf beständig aus den Plotterdarstellungen, der vor mir liegenden (etwas älteren) Seekarte, dem Handbuch und dem, was ich da vor mir sehe – oder zu sehen meine - zusammengesetzt werden muss.

Auf der Suche nach der kleinen Abzweigung zur Zoll- und Einklarierungsstation bin ich völlig verwirrt.

Vor mir tut sich ein Durchgang zwischen runden Felsen auf, durch den ich mich vielleicht mit einem Kanu trauen würde – das soll der Zugang zur Zollstation und ein Fahrwasser sein?

Ich traue mich nicht.

Bleibe erstmal in dem Fahrwasser, in dem ich meine zu sein und das auch von vielen anderen Booten benutzt wird.

Einen Moment bin ich mir nicht so ganz sicher, wo ich mich in diesem Gewirre eigentlich befinde. Fast so, als würde ich mich in Bagdad auf dem großen Basar befinden, Kompass und Karte zwar in der Hand, aber verwirrt, in welchem Teil des Basars ich mich denn jetzt im Moment eigentlich befinde.

Aber dann habe ich den Überblick wieder bekommen, lass jetzt die Zollstation Zollstation sein und strebe nun dem kleinen Yachtanleger Dragesviken zu, den ich bei Jörn Heinrich beschrieben fand und der nur über einen kleinen, vielleicht 6 Meter breiten, mit roten und grünen schmalen Tonnen bezeichneten Zugang bei der Schäre Blamansholmen zu erreichen ist und den ich durchfahren kann, weil ein kleines Motorböotchen mir den Vortritt lässt und dann sehe ich ich schon die drei Schwimmstege und die roten Holzhäuser des kleinen Ladens und der Kneipe dahinter und mache mit Hilfe meines Nachbarbootes, Holländern, in einer kleinen Lücke zwischen den hier schon liegenden Booten vor Heckboje fest: zwischen mir und den Nachbarbooten passt mal gerade auf jeder Seite noch ein Fender von mir.


Gefragt wie das denn mit der Einklarierung hier sei, sagen die Holländer etwas überrascht über diese Frage, die gibt es für uns nicht mehr, Finnland gehört zur EU. Ich bin erleichtert – allerdings auch erschrocken über meine Unwissenheit. Dabei dachte ich, mit dem 6 Jahre alten Törnhandbuch von Jörn Heinrich auf der sicheren Seite zu sein. So schnell ändern sich die Zeiten – zum Glück nicht im Wasser, da stehen die Tonnen schon seit 30 Jahren immer an den selben Stellen – wenn es sich nicht um Wattgebiete handelt.


Und hier erst stelle ich fest, dass Finnland inzwischen auf EUR umgestellt hat. Hätte ich das gewusst (eigentlich hätte ich, wenn ich mal gefragt hätte), wäre ich noch in Estland zum 50 Meter entfernten Bankomat gegangen – hier muss ich 20 Kilometer laufen, um zu einem zu kommen.


Na, mal sehen wie wir das lösen.


Welcome in Finnland.


Schiff klarmachen, Schnack mit den neben mir liegenden Holländern, Essen machen und noch ein wenig im Cockpit entspannen.


Ein guter Tag geht zu Ende.

 

Stadtbummel durch Tallinn - neu

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Published on Juli 5th, 2012 @ 15:00:20 , using 131 Wörter,
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Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu
Stadtbummel durch Tallinn - neu

 

Heute, weil der Wind ungünstig für meinen Törn nach Finnland war, habe ich mich noch einmal in das das Großstadtgewimmel gestürzt – diesmal auf der Suche nach moderner Architektur – und habe sie ausreichend gefunden.


Hier im Segelhafen des hiesigen Segelvereins wird sehr sehr aktive Jugendarbeit gemacht und beständig wuseln hier Kinder und Jugendliche ab 6 Jahre mit entsprechenden Segelbooten herum, unter Begleitung von Erwachsenen, die sie auch draussen mit Schlauchbooten begleiten und irgendwelche Regatten sind hier immer im Gange. Eine schöne aktive Athmosphäre hier.


Als Vorbereitung für meinen Törn nach Finnland, wo man oft vor Heckanker festmachen muss, habe ich eine Halterung mit einem hier gefundenen Plastikrohr gebaut.

Und meine Neuerwerbungen in den Second-Hand-Shops (Preis je neuer Hose 2 EUR) auf meine Schrittlänge gebracht. Sowas muss ja auch mal gemacht werden.

Stadtbummel durch Tallinn - alt

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Published on Juli 4th, 2012 @ 22:19:11 , using 268 Wörter,
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Stadtbummel durch Tallinn - alt
Stadtbummel durch Tallinn - alt
Stadtbummel durch Tallinn - alt
Stadtbummel durch Tallinn - alt
Stadtbummel durch Tallinn - alt
Stadtbummel durch Tallinn - alt

 

Heute war Stadtbummel in Tallinn angesagt.

Den Bus zu finden, war nicht so schwer - schwerer war schon das Tourist-Office zu finden, denn ich hatte keinen Stadtplan und musste mich an öffentlichen Stadtplänen orientieren und sie gut im Gedächtnis behalten.

Dann war es geschafft und ich habe erstmal die Altstadt, also den historischen Kern von Tallinn aufgesucht.

Der Bummel durch das von Touristenströmen überfüllte Altstadtzentrum hat mich bald genervt, und ich zog mich zu einem Glas Bier zurück und habe dort nochmal auf meinen Zettel geschaut, was noch zu erledigen war.

Friseur stand da ganz oben.

Den musste ich ein bisschen suchen, aber bald fand ich auch einen und kam sofort dran und bezahlt den Preis von 6 EUR, wie in Deutschland in einem dieser neuen Läden, die von jungen Leuten aufgemacht worden sind.

Bei einem kleinen chinesisch-vietnamesischen Restaurant ließ ich mich nieder und es gab für 4,50 EUR ein sehr gut schmeckendes Gericht nebst einem Glas Buttermilch. Sehr gut.

Auf Touristenattraktionen katte ich keine Lust mehr und strömerte so ein bisschen in den angrenzenden Stadtteilen herum, wobei ich acht gab, nicht ganz den Überblick über meine geografische Lage zu verlieren.

Und dann lande ich plötzlich bei einem Trödler, der neben vielem russischen Ramsch plötzlich wohl aus einer aufgelösten Deutsch-Bibliothek auch Bücher hatte und ich erstehe dort:

Jean Villain: DIE SCHWEIZ. Paradies nach dem Sündenfall, 1977.

Spannend wie ein Krimi und am liebsten würde ich die nächsten Tage hier einfach auf MISS SOPHIE bleiben und lesen.

Irgendwann wurde es dann doch in der Stadt zu viel und ich fuhr mit dem Bus zurück – kochen war jetzt angesagt - und lesen.

 

Welcome in Tallinn

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Published on Juli 1st, 2012 @ 12:16:49 , using 617 Wörter,
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Welcome in Tallinn
Welcome in Tallinn
Welcome in Tallinn

 

Am Morgen ist der ganze Himmel zu mit grauen Wolken.


Aber der Wind-Guru sagt S bis SSE 4 in Spitzen 5 voraus. Das ist der Tag für Tallinn.


Aus der Bucht wird mein Kurs 40 Grad betragen und danach 13 sm Kurs Ost.


Schon als ich um 11:00 Uhr aus dem Hafen bin, merke ich, dass es eher 5 als 4 Windstärken sind und ich entscheide mich, lediglich mit der Fock zu segeln.

Wunderbar: MISS SOPHIE marschiert mit bis zu 7,5 kn los, legt sich teilweise hoch am Wind mit 30 Grad auf die Seite, und ich merke, dass der Wind doch sehr viel mehr Ost hat als angesagt – oder aber die Küstenformation hier bewirkt diese Richtungsänderung, wovon ich mal ausgehe.


Aber alles ist gut.


Nur meine elektronischen Anzeigegeräte machen mir langsam Sorgen. Mein VDO-Fluxgatekompass spinnt schon seit Tagen und zeigt wirre Kompassrichtungen, das NASA-Echolot gibt nur noch sporadisch eine Tiefenangabe und mein magnetischer Sestrel-Kompass zeigt bei Krängung bis zu 30 Grad Abweichungen.


Na, müssen wir weiter genau beobachten.


Als ich bei meinem WP 2 am westseitigen Rand der Tallinner Bucht bin und ich jetzt zu meinem Bestimmungshafen, dem ehemaligen Olympia-Segelzentrum will, der im Süden der Bucht liegt und ich bester Laune bin, entsscheide ich, in den Yachthafen hochzukreuzen und setze das Groß mit einem Reff dazu. Das bringt zwar keine wesentliche Geschwindigkeitserhöhung, aber ich kann damit einen höheren Kurs zum Wind steuern und darauf kommt es mir jetzt an, denn mein Bestimmungshafen liegt in Süd, also dort, wo der Wind herkommt.


Vorher jedoch muss ich die Bucht queren, die vielbefahren ist mit Fähren zwischen Helsinki und Tallinn und denen man tunlichst aus dem Weg zu gehen hat.


Als ich eines diese Ungetüme vorbeigelassen habe, ist der Weg frei und ich kreuze langsam hoch.


Auf der östlichen Seite der Tallinner Bucht angekommen befinde ich mich plötzlich umgeben von hunderten von Jollen und anderen Segelbooten jeglicher Art, die umwuselt werden von Schlauchbooten: hier ist anscheinend großer Regattatag (es ist Samstag) und bald weiß ich garnicht mehr, wo ich hinsteuern soll, wobei ich da keine große Wahl habe, denn um dem Hafen näher zu kommen, muss ich auf beiden Kursen so hoch wie möglich an den Wind.


Bald habe ich dann auch so ein Schlauchboot an meiner Seite und wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann muss ich mich ganz weit an die Landseite begeben oder aber die Segel streichen. Da die Landseite nicht geht, weil ich mich da nicht mehr freikreuzen könnte, streiche ich die Setgel und befinde mich wieder mitten in einem Gewusel von Booten, denen ich nur mit wirren Hin- und Herkursen aus dem Weg gehen kann.


Und dann kommen da auch noch so Selbstmördergeschosse auf mich zu: Männer auf einem sehr kurzen surfähnlichem Brett, die sich von einem Paragliding-Schirm ziehen lassen und dabei mörderische Geschwindigkeiten erzielen – aber relativ hilflos sind, im Bestimmen ihrer Richtung. Und ich mitten drin. Na Fein.


Irgendwann bin ich dann diesem Gewusel entkommen und steuere auf den ehemaligen Olympiahafen zu und fahre direkt in eine Box, die vor mir liegt und wo schon der Hafenmeister setht und meine Vorderleine annimmt, nach dem ich mich hinten an einer Boje eingeklingt habe. 17:00 Uhr fest.


Welcome in Tallinn.


Als ich abends gegen 21:00 in der Plicht bei meinem Essen sitze, kommmt aus dem Festzelt, wo die Jugend und alles was sich dazu zählt, feiert, eine super Jazz-Rockband rüber: ein sauguter Saxophonist ist dort derjenige, der den Dampf macht. Schade. Wenn ich nicht ein wenig müde wäre und keine Lust verspüre, mich unter die 18-jährigen zu wühlen, würde ich mir diese Gruppe gerne mal näher anschauen. Aber so ist es auch prima.


Ein prima Tag geht prima zu Ende. Welcome im vermutlich östlichsten Ort meiner Reise: Tallinn.


Keine Bilder vom Törn. War zu beschäftigt.

Strandwanderung in Lohusalu

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Published on Juni 29th, 2012 @ 19:42:35 , using 69 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Strandwanderung in Lohusalu
Strandwanderung in Lohusalu
Strandwanderung in Lohusalu

Nach einem langen Schlaf mache ich heute eine Strandwanderung die Bucht entlang.

Das Wetter ist schön, noch immer nicht so richtig warm, aber die Sonne scheint den ganzen Tag - und das ist ja denn  auch schon mal was.

Und selbst hier, meilenweit entfernt von einer größeren Stadt, hat dieses Land für seine Schüler eine solche moderne, neue Schule.

Mein neuer Arbeitstisch in der Plicht.

Morgen geht es nach Tallin.

7 Stunden aufmerksam an der Pinne: von Dirhami nach Lohusalo

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Published on Juni 28th, 2012 @ 12:26:58 , using 670 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
7 Stunden aufmerksam an der Pinne: von Dirhami nach Lohusalo
7 Stunden aufmerksam an der Pinne: von Dirhami nach Lohusalo
7 Stunden aufmerksam an der Pinne: von Dirhami nach Lohusalo

 

Der Seewetterbericht sagte NW 4-5, nach 12 Uhr auf W 3 abnehmend voraus, später auf West gehend, Welle bis 1,5 Meter.


Um 11 Uhr bin ich dann los, habe noch im Hafen das Groß gesetzt und mit Groß und Motor aus der Bucht heraus, weil ich den Wind da sehr spitz gegenan hatte.


Als ich auf meiner Kurslinie 60 Grad war, die mich bis in die Bucht von Lohusalu bringen sollte, versuchte ich die Fock dazu zu setzen, aber sie fiel wegen Wind platt von achtern immer wieder ein, so dass ich sie wieder runter nahm.


Jetzt begannen 25 sm vor diesem Wind, der mir keine Sekunde Loslassen der Pinne gestattete, denn der Wind hatte gute 4, manchmal denke ich war da auch eine 5 drin, denn MISS SOPHIE lief nur unter Groß zwischen 5,5 und 6,5 kn und manchmal ging es auch bis zu 7,5 kn, wenn sie gleichzeitig von einer sie überholenden Welle auf den Buckel genommen wurde.

Das war anstrengend, denn bei den Rollbewegungen musste ich acht geben, dass der Großbaum nicht unfreiwillig überkommt.

Irgendwann hatte ich mich in der Plicht so eingeklemmt und eingemummelt – es war relativ kalt und ich hatte meine Feuerwehrjacke und Handschuhe an – dass ich mehr intuitiv als bewusst mich auf Welle, Wind und Schiffsbewegungen eingestimmt hatte und das Steuern eigentlich ganz intuitiv passierte - sozusagen nebenherlaufend zu meinem aktuellen Bewusstseinsakten, die aber auch eher sich treiben ließen.

Immer wenn der Wind mal wieder Richtung 5 ging, schaute ich ein wenig skeptisch ins Segel, dann nach achtern in die sich immer höher aufwölbenden Wellen, die jetzt in der Regel 1,5 bis 2 Meter hatten, dann wieder ins Segel und überlegte: Groß runter und Fock rauf oder noch stehen lassen?

Ich entschioed mich für stehenlassen, denn ich hatte MISS SOPHIE gut im Griff und damit auch das Groß und eine Halse war kaum zu erwarten und MISS SOPHIE lief gut vor diesem Wind und machte ihre Meilen.


Nur wieder meine Wasserflasche wieder aufzufüllen war mir dabei nicht vergönnt, noch mir ein paar Kekse raufzuholen. Ich musste an der Pinne bleiben und aufmerksam steuern, 7 Stunden lang.

Ein paar mal passierte es, dass eine der nachfolgenden und mich überholenden großen Wellen von schräg achtern plötzlich neben mir stand und mich ein bischen von oben her anglotzte: aber nicht bissig, sondern freundlich herablassend, denn die Buckel waren noch rund und gutmütig. Trotzdem war es, als wenn mein großer Bruder plötzlich neben mir kleinem Kind steht. Ich hätte die Hand ausstrecken können und ihr über der Seereling über den Buckel streicheln können – aber in dem Moment hob sie schon den Rumpf von MISS SOPHIE, hob sie hoch und glitt unter ihr durch und ließ mich achtern von ihr tief ins Wasser gleiten – und schon kam die nächste Welle und das Spiel begann von vorne.

Als ich langsam auf die Halbinsel Pakri – so zumindest der Name in meiner russischen Seekarte - mit dem vorgelagerten Flach von 6 m bei sonstigen Wassertiefen von 50 Metern und der Nord-Tonne zusteuerte und diese Tonne suchte, war ich verwundert, wie weit an Backbord sie auftauchte und wie weit ich auf Steuerbord versetzt war.


Nach dem ich sie gut an Backbord passiert hatte, entschied ich, das Großsegel gegen die Fock auszuwechseln, eine Aktion, bei der ich mich bei dem jetzt herrschenden Wellengang gut festklemmen musste und darauf zu achten hatte, immer eine Hand für den Mann am Schiff zu haben.


Nur unter Fock lief MISS SOPHIE vielleicht eine halbe bis eine Meile weniger, aber immer noch gute 5 kn, ich ich war zufrieden.


Bei der Nord-Tonne der Lahulalu-Bucht, auf die ich nun mit Ost-Kurs losging, fiel mir die Orientierung schwer. Denn was auf der Karte als Bucht deutlich gezeichnet war, hob sich hier vor dem Hintergrund der Küstenkontur überhaupt nicht ab und eine Bucht war hier nicht zu erkennen. Gut, eine Seekarte zu haben.


Um 18:00 war ich fest. Und ein wenig kaputt. Bratkatoffeln und zwei Dosen Bier. Und der vorletzte Teil der Odyssee.


Vom Törn keine Bilder ausser den Wolken und dem Skipper, fand in den 7 Stunden ansonsten keine Gelegenheit, den Fotoapparat in die Hand zu nehmen.

 

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