von Jörg Streese

Küstenwanderung in Dirhami

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Published on Juni 25th, 2012 @ 12:18:57 , using 401 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami
Küstenwanderung in Dirhami

 

Morgens regnet es und stürmt und das Barometer steht auf 996 und es sind mal gerade 14 Grad in der Kajüte.


Wo ist hier der Sommer?


Ich lese und als es aufhört zu regnen, mache ich eine Strandwanderung zu der kleinen Huk mit dem Gittermast und dem Seezeichen.

Ich komme an einer Schwanenfamilie vorbei, finde ein Fossil, das ich von Versteinerungen her meine zu kennen, komme an einer meiner Meinung nach uralten Kiefer vorbei und stolpere dann über einen Stein, der mich länger beschäftigt, weil ich mich frage, wie er wohl geformt wurde. Er hat die Form eines etwas flachen Eierbechers und ich denke, ein größerer, härterer Stein muss über tausende Jahre auf ihm gelegen haben und durch die beständigen Bewegungen im Wasser ist diese Form entstanden. Aber das ist reine Spekulation.


An der Huk finde ich eine Beobachtungshütte mit Kaminofen – in sehr ordenlichem Zustand und in der Nähe ein Plumpsklo – auch in sehr ordenlichem Zustand. Ein merkwürdiges Land.


Ob es hier so ordentlich zugeht, weil hier 50 Jahre Kommunismus herrschten oder trotz 50 Jahre Kommunismus?


Da muss ich zu Hause mal ein paar kundige Leuten ausfindig machen, die mir da was vernünftiges zu sagen können. Vielleicht mal das Osteuropa-Institut an der Bremer Uni konsultieren.


Abends dann kochen: mal wieder ne Eigenkreation.

Weisse Bohnen (aus der Tüte), eine Karotte, eine größere Zwiebel und ein paar Zehen Knoblauch, alles mit dem Hacker in kleinste Teilchen gebracht (millimetergroß) und kurz bevor die Bohnen nach 40 Minuten im Schnellkochtopf fertig sind, alles in den Wok und fünf Minuten garen. Dann die Bohnen dazu und eine kleine Dose geschälte Tomaten, fünf Minuten unter Hitze setzen, gut würzen und auf den Tisch. Habe ich zwei Tage von gegessen.


Seewetterbericht ist nicht gut: für alle Ostseegebiete Starkwindwarnung und für mein Gebiet – wobei es den Finnischen Meerbusen als Gebiet nicht gibt – SW 6-7, über SE nach N.


Also Hafentag.


Aber der nächste Tag wird garnicht so, wie angekündigt.

Morgens ist mehr oder minder Flaute und es regnet.


Ich mache ein paar Arbeiten am Schiff. Der alte Apelco GPS bekommt einen neuen Platz und aus einer wasserfesten Sperrholzplatte, die ich hier im Container gefunden habe, wird ein neuer Tisch für die Plicht. Zwischendurch wandere ich ein Stück an der Küste lang, bis der nächste Regenschauer mich wieder zu MISS SOPHIE treibt.

Aber von den angekündigten Windstärken ist hier nichts zu spüren.


Trotzdem: Sommer ist das hier nicht. Draussen sind 15 Grad.

Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami

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Published on Juni 24th, 2012 @ 19:14:05 , using 349 Wörter,
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Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami
Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami
Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami
Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami
Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami
Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenem Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami

 

Yeaahhhhh!! Den Finnischen Meerbusen auf eigenen Kiel erreicht. Von Heltermaa nach Dirhami

 

Morgens ist der Himmel völlig dicht und ich lass mir vom Hafenmeister nochmal den aktuellen Wind-Guru geben: W auf NW drehend 3-4. Los.

 

Kurz nach dem Ablegen um 11:00 Uhr ziehe ich Groß und Fock hoch und bin bei halben Wind schnell auf 6 kn: NW 4, manchmal geht es in die 5 rein.

Und dann steuere ich immer näher einer kaum über die Wasseroberfläche ragenden kleinen Insel zu, die es aber in meiner digitalen Seekarte nicht gibt. Das wird mir langsam unheimlich und ich ändere schleunigst den Kurs.

Durchatmen.

Puhhh.

Dann kommen ein paar verwinkelte, flache Passagen, die ich durchsegeln muss, wo ich so hoch an den Wind muss, dass ich anfangen muss, zu schnibbeln, aber dann habe ich den Generalkurs 70 Grad um 15:00 Uhr und nehme das Großsegel runter, weil es die Fock bei diesem achterlichen Wind immer wieder zu Einfallen bringt. Ist wohl doch mehr W als NW.

 

Dann nimmt der Wind gegen 18:00 langsam ab und ich mache nur noch 2,5 bis 3,5 kn – aber ist ja ok, ich habe Zeit und das Wetter ist gut.

 

Um 19:00 werde ich langsam müde, weil ich die ganze Zeit steuern muss, weil bei achterlichem Wind Admiral von Schneider nicht aufmerksam genug steuert. Auch bekomme ich langsam Hunger.

Aber im Finnischen Meerbusen. Yeaaahhhh!!!!!!

 

Also werfe ich James an und lasse ihn mit 1100 Umdrehungen laufen und mit der Fock zusammen bringen sie MISS SOPHIE auf 5 kn.

 

Um 21:00 bin ich im neuen Yachthafen bei wolkenlosem Himmel fest. Eine freundliche, junge Hafenmeisterin empfängt mich dort, nimmt die Leinen an und deutet auf einen Container, vor dem ein paaar Menschen sitzen und etwas trinken. Das halte ich für eine gute Idee, wenn es da auch etwas zu Essen gibt, was sie bejaht. Denn nach meinem Früstück habe ich nur eine halbe Schokolade zu mir nehmen können. Na, wenigstens kann man dabei nicht dick werden.

 

Dort beende ich den heutigen Tag.

Es war ein guter Tag.

Vom Segeln.

Von meiner seelischen Gestimmtheit.

Vom Wetter.

Von allem.

 

Morgen solls wieder dicke kommen.

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Nationaler Feiertag in Estland

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Published on Juni 25th, 2012 @ 19:03:43 , using 105 Wörter,
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Nationaler Feiertag in Estland
Nationaler Feiertag in Estland
Nationaler Feiertag in Estland
Nationaler Feiertag in Estland

 

Nationaler Feiertag in Estland

 

Es regnet wie aus Kübeln.

 

Trotzdem sammeln sich am Hafenrand eine ganze Reihe von Menschen, eine ganze Schar von Jugendlichen in Einheitstracht und auch Militär steht dabei. Ich habe nicht herausbekommen, um was es sich handelt, weil Englisch hier wenig gesprochen wird. Und das W-Lan hier im Hafen immer wieder zusammenbricht.

 

Der Seewetterbericht für morgen könnte möglicherweise das Erreichen des Finnischen Meerbusens bedeuten: bis 12 Uhr SW-W 5-6, abnehmend 4, Regenschauer, bis 24 Uhr: W 3-4, SE drehend.

 

Aber in der Nacht werfen sich noch einmal alle Windfurien über unseren Hafen und am Himmel ziehen die Wolkenbänke in D-Zuggeschwindigkeit vorüber.

 

Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa

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Published on Juni 22nd, 2012 @ 18:50:31 , using 104 Wörter,
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Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa
Ausflug in die Hauptsadt von Hiiumaa

 

Ausflug nach Kärdla, Hauptstadt von Hiiumaa


Da Heltermaa ein reiner Fährhafen ist und ein größerer Einkauf an Lebensmittel anstand und ich die Hauptstadt dieser kleinen Insel mit rund 50 km Durchmesser sehen wollte, stand eine Busfahrt nach Kärdla von rund 30 km an.


Der Ort verschwindet fast in den den Häusern umgebenden laubreichen Gärten und ist fast nicht als Ort zu entdecken, weil die Häuser zudem auch hier relativ weit auseinander stehen und ein Ortszentrum eher von der Ansammlung wichtiger Institutionen als geografisch auszumachen ist.


Aber ein großes, neues Gymnasium, eine große, natürlich sanierte Bibliothek und ein Prachtbau einer Bank. Und ein kleines Nukutheather.

 

Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa

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Published on Juni 22nd, 2012 @ 19:16:43 , using 319 Wörter,
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Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa
Gegen den Wind. Von Kuivastu auf Muhu nach Heltermaa auf Hiiumaa

 

Irgenwie hatte ich keine Lust mehr auf Muhu. Dabei war der Seewetterbericht überhaupt nicht geeignet, nach Hiiumaa zu segeln, denn er versprach Wind von W über NordWest über N nach NordOst zwischen 3 und 4. Und Nord bzw. am Anfang NordWest war meine Segelrichtung.


Aber irgendwas trieb mich, dabei sagte die Vorhersage für den nächsten Tag wunderbaren Segelwind von NE an.


Um 10:30 schmiss ich die Leinen los, N 1-2, Motor und Großsegel.


In der kleinen Rinne, die nordwestlich setzt, dazu die Selbstwendefock und Motor aus.

Dazu muss gesagt werden, dass der gesamte obere Bereich des Rigaer Meerbusens, die Suur-Straße und das daran anschließende Hari-Fahrwasser ausgesprochen flach sind, um die 2 Meter und die betonnten Fahrwasser zwischen 5 und 7 Meter Tiefe haben und teilweise sehr schmal sind.


Aber am Ende dieses Schlages nach NW, ca. 5 sm lang, geht das Fahrwasser strickt nach Norden – und da kam der Wind her, jetzt mit gut 4 Windstärken. Und die bauten in diesem flachen Wasser über die lange Wirkstrecke schnell einen bissigen, sehr kurzwelligen Seegang auf, der MISS SOPHIE immer wieder zum Stoppen brachte.


Als ich von den direkten Untiefen frei war, segelte ich so hoch am Wind wie es  ging, aber der Seegang hier erforderte Kraft und ließ MISS SOPHIE nur mit 60 Grad am Wind segeln. Während mich ein Schlag mit 30 Grad NNE zumindest Höhe gewinnen ließ, konnte der zweite Schlag nur Höhe halten. Ein endlosen Gegenankreuzen versprach das.

Was ja auch ok gewesen wäre, wenn es nicht schon etwas spät geworden wäre und ich über mich selbst so sauer wegen dieser Fehlentscheidung war, dass ich diesen Tag einfach nur beenden wollte.


Ich riss wütend die Segel runter und brachte Admiral von Schneider auf 2000 Umdrehungen. Das zerrte an den Nerven, vor allem, weil ich selbst derjenige gewesen war, der sich diese Suppe eingebrockt hatte.


Um 19:30 war ich dann in der neuen Marina fest und kümmerte mich grummelnd mit mir selbst um mein Abendessen.


Kein guter Tag gewesen.

Wanderung durch Muhu

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Published on Juni 20th, 2012 @ 17:07:50 , using 235 Wörter,
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Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu
Wanderung durch Muhu

 

Wanderung durch Muhu

 

Der Seewetterbericht hatte für den Rigaer Meerbusen als einzigem Seegebiet noch Sturm- und Starkwindwarnung ausgesprochen. Und da ich diese Insel sowieso noch ein bischen intensiever erleben wollte, entschied ich mich, unten entlang der Küste eine alte, historische Strasse langzuwandern, um zu einem stonehenge-ähnlichem Gebilde zu kommen, was mich interessierte. Allerdings war mir gleich klar, dass dies möglicherweise nicht zu schaffen war.

Aber meinen kleinen Roller nahm ich mit, in der Hoffnung, auf den Strassen damit schnell voran zu kommen, denn mit dem Ding schafft man 1 km in 5 Minuten. Allerdings gute Strassenbeläge vorausgesetzt.

 

Die nun waren hier zumindest nicht am Anfang gegeben, dafür aber eine völlig abgeschiedene Ruhe, die von keinem einzigen technischen Geräusch unterbrochen wurde.

 

Kilometerweit auseinander standen hier teilweise die Häuschen und Landwirtschaft konnte ich ausser einigen kleinen Gärten nicht entdecken.

 

Die Betonfundamente habe ich als Relikte des zweiten Weltkrieges angesehen, weil sie versteckt aber doch sehr nahe am Strand lagen.

 

Bald wurde mir klar, dass ich es zu dem Stonehenge-Monument, oder was auch immer es sein könnte, nicht schaffen würde.

 

Ich war jetzt zu Fuß zweieinhalb Stunden unterwegs und hatte mal gerade ein Drittel der Strecke dorthin bewältigt.

 

Dafür habe ich aber eine der berühmten Windmühlen gefunden.

Und eine schöne und einsame Landschaft genossen.

 

Mit dem Roller zurück habe ich dann für die 10 Km 45 Minuten auf der geteerten Straße gebraucht.

 

Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu

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Published on Juni 19th, 2012 @ 14:49:58 , using 477 Wörter,
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Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu
Heißer Ritt nach Kuivastu auf der Insel Muhu


Luserke würde sagen: Mal wieder richtiges Heldensegeln


Morgens um 06:40 höre ich den Seewetterbericht: Rigaer Meerbusen: SW 5, abnehmend 3-4, SE-drehend, Wellen 1,5 Meter


Das klingt zumindest nicht schlecht.


Der Wind, den ich hier vorfinde, kann ich nicht richtig einschätzen, weil er hier durch diverse Landgegebenheiten abgelenkt und abgeschwächt wird.


Aber nach meinem Frühstück um 09:30 entscheide ich mich loszusegeln. Achterlicher Wind auf der ganzen Strecke, das sollte schon irgendwie passen.


Kaum aus dem Landschutz heraus, sind es dann auch wirklich die 5 Windstärken und ich muss erstmal unter Motor hier raus.


Um 10:30 kann ich dann auf 55 Grad gehen und lass mich von der Fock ziehen: zwischen 5,5 und 6,5 Knoten. Aber aufmerksames Steuern ist erforderlich, weil der Wind platt von achtern kommt. Und das wird so bleiben und die folgenden 6 oder 8 Stunden werde ich die Pinne nicht verlassen können.


Um 14:30 gehe ich auf meinen WP 2. Die Wellen hier haben jetzt bis zu zwei Meter Höhe.

Das messe ich, in dem ich meine Augenhöhe über Wasser vorher gemessen habe (145 cm) und dann Wellen, die höher als der Horizont sich aufsteilen, höher als diese Höhe einstufen kann und wenn ich selbst gerade in einem Wellental bin, dann kann ich da mindestens 50 cm wenn nicht mehr noch dazutun.


Zwei achteraufkommende Wellen brechen dann auch genau hinter mir und überschwemmen mein Achterschap – also sagen wir mal, sie überspülen es.


Aber alles ist gut, ich habe ein gutes Gefühl für den Wind, für meine MISS SOPHIE und für die Situation und ich klemme mich mit meinem Rücken, gepolstert von einem geschlossenporigen Schaumstoffstück gegen den Süllrand und mit meinen Beinen auf der gegenüberliegenden Sitzbank und freue mich, dass ich mal wieder so richtig auf See bin.


Kurz vor Kuivastu kommt mir ein Schwede hoch am Wind entgegen, ebenfalls auf Backbordbug und ich stelle sehr schnell fest, dass wir auf Kollosionskurs sind. Er in Lee hat Wegerecht, aber für ihn hätte es ein fingerbreit abfallen bedeutet, mir Raum zu geben, während für mich, platt vorm Laken nur mit der Fock, es eine Halse bedeutet, was bei dem Wind nicht unproblematisch ist. Ich gehe auf halben Wind, in der Hoffnung, ihm damit genügend Raum zu geben. Er geht drei Meter hinter mir durch und böllert was von Steuerbord – sooon Quatsch, er hatte Wegerecht, weil er in Lee war.

Kurz vor Kuivastu schläft der Wind ein, der die letzten 4 sm auf 3-4 runter gegangen war und ich motore das letzte Stück, was meiner Batterie sicher sehr gelegen kommt.


Um 18:00 bin ich fest im neuen Yachthafen von Kuivastu.

Ist ein durchorganisierter Fährhafen für die Insel Saaremaa mit langen Staus von LKWs und urlaubenden Menschen in PKWs.


Achteinhalb Stunden an der Pinne. Geschafft, hungrig, durstig und rechtschaffent müde – aber es muss noch gekocht und das Tagebuch geschrieben werden.



Koiguste zu 05 WP 155° 6 sm

05 WP zu 06 WP1 55° 15 sm

06 WP1 zu 06 WP2 30° 12 sm

06 WP2 zu 06 WP3 0° 1,5 sm

06 WP3 zu Kuivastu 300° 2,5 sm

Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa

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Published on Juni 17th, 2012 @ 14:41:46 , using 302 Wörter,
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Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa
Sturm über Koiguste auf der Insel Saaremaa

 

Morgens wache ich von heulendem Wind auf und es regnet waagerecht.

Die Sonnenunterganbgsbilder habe ich gestern nacht aufgenommen im Abstand von vielleicht jeweils 30 Minuten.


Ein Blick nach oben lässt mich schnell wieder in der Koje verschwinden.


Um 12 weckt mich mein Nebenschiff, die wollen weg. Ich spreche mit ihnen noch kurz über die Windprognose, die sie aber bei ihrem 13-Meter-Schiff nicht sonderlich zu stören scheint und wir verholen mein Schiff hinter ihres.


Im Laufe des Tages nimmt der Wind zu. Gemessen in dreri Meter Höhe. In Salingshöhe kann man mindestens noch eine Windstärke addieren.


13:30 sind es gute 6.


14:30 sind es 28 kn, 7.


17:00 sind immer wieder Böen mit 38 kn dabei: 8.


Es heult in den Wanten, MISS SOPHIE reisst an den Festmachern und ich bin ein wenig unkonzentriert, weil davon im Wetterbericht nicht die Rede war. Aber ich bin sehr froh, dass ich meinem Gefühl, hier nicht loszusegeln, treu geblieben bin, denn das hätte möglicherweise ins Auge gehen können.

Mein Schiff ist keine 12 Meter lang und ich bin auch nicht zu zweit an Bord.


Ich habe mich mit diversen Leinen gesichert.


Und als die Wellen immer höher wurden und ich nicht abschätzen konnte, wie das weiter gehen würde, habe ich eine Kette gesteckt, mit der ich mich möglicherweise hinter den Ponton hätte legen könnte.


Mal sehen, wie lange ich hier mein Robinsonleben führen muss: die Seewetterprognose war nicht sehr beruhigend: SW 6 Schauer- und Gewitterböen, See 2 m.


Abends, 22:00 Uhr, ist der Wind eingeschlafen und der Himmel klart im Süden und Westen auf und die Wolkenbänke ziehen nach Nord-Ost ab.


Die jungen Schwalben hier, die sich im Fliegen trainieren, zischen manchmal 20 cm über meinem Kopf weg – scheint ihnen Spaß zu machen - mir auch.


Aber es ist hier wirklich eine kleine Natur-Idylle: ungeheuer viele Vögel sehen dies als ihr Revier an – und es ist auch ihr Revier.

Segeln zu einem kleinen verschwiegenen Örtchen: Koiguste

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Published on Juni 19th, 2012 @ 14:32:39 , using 640 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Segeln zu einem kleinen verschwiegenen Örtchen: Koiguste
Segeln zu einem kleinen verschwiegenen Örtchen: Koiguste
Segeln zu einem kleinen verschwiegenen Örtchen: Koiguste
Segeln zu einem kleinen verschwiegenen Örtchen: Koiguste

 

Als ich gestern Abend beim Hafenmeister meine Liegegebühr zahlte, fragte er, wo ich hin wolle und ich nannte Koiguste.


„Ohh, no, no, no, kein guter Ort, Marina gibt es nicht mehr, der Eigentümer ist verstorben und davor ist es sehr sehr flach“.

Also, er riet mir dringend ab, nach Koiguste zu gehen. Die Konsequenz davon aber wäre, dass ich bis Kuivastu in der Suur-Straße, dem ersten Teil der Seeverbindung zwischen Rigaer Meerbusen und dem Finnischen Meerbusen, 60 sm zu bewältigen hätte, was selbst bei bestem Wind und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 kn, was in der Regel nicht zu schaffen ist, 12 Stunden und mit An- und Ablegen 13 Stunden brauchen würde.


Was tun?


Ich entschied mich, trotzdem dort hinzusegeln und mich dort vor Anker zu legen, denn der Ort ist sehr sicher und vor allen Winden sehr geschützt. Seewetterbericht: NW 3, dann 2.


Morgens, weil kein Wind war, erst noch einmal gut gefrühstückt und dann, als um 08:30 Wind aufkam, los.


Großsegel und Fock und nach dem kurzen, engen Seekanal, Motor aus und endlich wieder mal segeln.


Ein zwei andere Boote waren auch unter Segeln unterwegs und die Sonne versuchte sich vergeblich, durch die Wolken zu kämpfen. Aber trotzdem angenehmes Wetter.


Mit 140 Grad auf die Ansteuerungstonne K6 zu mit achterlichem Wind.

Also Admiral von Schneider an die Pinne, dem ich aber beständig ins Handwerk greifen musste, weil er bei dem schrägachterlichen Wind immer wieder nicht schnell genug reagierte, MISS SOPHIE ausscheerte und die Fock back schlug.


Um 10:00 mit Kurs 80 Grad auf die Untiefentonne N von Allrahu, jetzt mit Wind platt vorm Laken, W 3, was aufmerksames Steuern erforderte. Also ich an der Pinne statt Admiral von Schneider.


Einmal verhaspel ich mich, und der Großbaum, der mit seinen 3.60 Meter Läge, eine ungeheure Wucht entwickelt, kommt über, weil ich gerade im Hafenhandbuch etwas nachgeschlagen habe. Ich saß auf der hohen Kante, d.h. der Großbaum geht etwa 5 cm über meinem Kopf hinweg. Wenn der getroffen hätte, läge ich vermutlich im Wasser.....

 

Ich habe sofort einen Zettel geschrieben, der jetzt über dem Niedergang hängt: bei Halsengefahr nur aus der Plicht steuern.


Um 12:30 wird mir das beständige Einfallen der Fock zu viel und ich nehme das Großsegel runter und lasse mich nun von der Fock von einem SüdWest zwischen 3 und 4 mit Kurs 60 Grad auf meinen WP ziehen, von dem aus ich dann in die Ansteuerung Koiguste gehen kann. Gleiche Geschwindigkeit, zwischen 3 und 5 kn.


Über Land zieht sich langsam die Wolkendecke dunkel zusammen, der Wind nimmt etwas zu, SW 4-5, es sieht nach Gewitter aus, wird dann aber keins, aber es fängt an zu regnen.


Als ich an meinem Ansteuerungspunkt um 15:30 bin, kann ich auf halben Wind gehen und MISS SOPHIE maschiert mit 5-6 kn los.


Davor ist noch ein Flach mit 90 Zentimeter Tiefe sicher zu umrunden und dann sehe ich schon die Einfahrt in diesen kleinen natürlichen Seehafen. Auf jeden Fall ist vor mir dort schon die „Thule“ aus Berlin, die mich überholt hat, eingelaufen und ich sehe dort noch einen weiteren Mast. Mal sehen, was mich dort erwartet.


Weil meine Seekarte in den Einzelheiten der kleineren Häfen keinerlei genaue Angaben enthält, pirsche ich mich hier sehr langsam heran.


Aber dann ist alles klar. An einem verrosteten Schwimmponton liegen zwei deutsche Schiffe und an dem größeren frage ich, ob ich längseits gehen kann, was sofort freundlich bejaht wird.

Um 17:30 fest.


Scheint ein kleines Naturparadies hier zu sein. Viele Seevögel gehen hier ihrem Tagewerk nach und man hört sie beständig „schreien“.


Schön hier. Vielleicht bleibe ich einen Tag.


Spät abends briest es dann auf: Ost 4-5 und der Seewetterdienst sagt für morgen SüdOst 6 voraus.


Das stimmt ziemlich genau mit der Vorhersage des Wind-Guru zusammen, der für Sonntag S – SW zwischen 4 und 6 Beaufort vorausgesagt hat.


Das heisst für mich bleiben.




Roomassaare – Koiguste Planung


Roomassaare zu K5 140° 6 sm

K5 zu Nordtonne 80° 7 sm

Nordtonne zu 05 WP1 55° 12 sm

05 WP1 zu Koiguste 335° 6 sm

 

Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas

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Published on Juni 14th, 2012 @ 15:41:17 , using 430 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas
Ausflug in die Gegenwart und Vergangenheit Saaremaas

 

Mit dem Bus in die Stadt Kuressaare. Kaum ausgestiegen, merke ich, dass mir die Sonne auf den Kopf brennt. Meine ADIDAS-Mütze. Im Bus hatte ich sie abgenommen und da war sie dann wohl liegen geblieben.


Ohne Kopfbedeckung geht das bei dem wolkenlosen Himmel hier mit meinen Haaren überhaupt nicht. Ich steuerte einige Läden an und wurde dann in einem Second-Hand-Laden fündig: für 15 EUR wanderten nicht nur ein Cap in meinen Rucksack sondern auch noch drei Hosen: HUGO BOSS, eine Leinenhose und noch eine weitere, die allerdings alle kürzer zu machen sind, also mussten noch Nadel und Faden erstanden werden.


So wieder ausgerüstet, wurden noch Socken aus der Wolle der berühmten Saaremaa-Schafe für Ulrike erstanden und dann begab ich mich in die Arens-Burg des Deutschen Ordens, die wohl in ihrer ersten Form 1380 erbaut wurde und als einzige Burg aus dieser Art noch vollstänndig erhalten geblieben ist.


Mächtige, 3 Meter oder noch dickere Mauern, sehr sehr schmale Wehrgänge, bei denen man sich nur wundern kann, wie damals bewehrte Männer da durchkommen sollten - und alles in einem hervorragenden Zustand.

Der Turmwächter ist 30 Meter hoch und besteht aus ebensolchen breiten Mauern


Ich lasse mir Zeit, lasse diese beeindruckende Architektur auf mich wirken und hänge so meinen Gedanken nach.


Irgendwann dann gegen 17:00 Uhr schlendere ich langsam zurück, nehme noch für 3,60 EUR eine vegetarische Gemüsepfanne zu mir, plündere den Supermarkt und stelle mich dann schwerbepackt an die Bushaltestelle.


Im Bus frage ich den Busfahrer mit Händen und Füßen nach einer gefundenen Mütze - aber er schüttelt nur den Kopf – entweder, weil er mich nicht verstanden hat oder weil nichts gefunden wurde.


Ich gehe zu meinem Sitz von der Herfahrt – und was liegt dort unter dem Sitz?


Überglücklich fahre ich zurück zu MISS SOPHIE.


War ein guter Tag.

Nachtrag:

Mit der hübschen jungen Hafenmeisterin hier, die wohl die einzige weibliche in Estland ist, plaudere ich ein wenig, als sie mein Tagebuch las und dann erzählt sie, dass sie auf Ruhnu ein ganzes Jahr gelebt hat, mit den Fischern zum Fischfang ging und diese und jene Arbeit dort gemacht hat, weil sie diese Gegend so liebt. Und dann erzählt sie, dass die Bevölkerung auf dieser Insel (60 an der Zahl !!!!) gespalten ist: die einen leben für sich und wollen nichts mit den anderen zu tun haben und die anderen haben viel Kommunikation untereinander.

Vielleicht spiegelt das ja auch die Art und Weise, wie sie ihre Häuser abgrenzen, wieder: die einen haben ihre Zäune zu Kunstobjekten gemacht, die anderen verwenden ihre Zäune als Zäune: zur Abgrenzung nach außen.

Könnte ich jetzt hier mit Bildern belegen - lasse ich aber mal.

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