von Jörg Streese

Törnbericht: Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva

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Published on August 17th, 2011 @ 23:56:52 , using 369 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Törnbericht: Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva
Törnbericht: Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva
Törnbericht: Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva
Törnbericht: Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva

 

Dann wurde es doch noch ein schöner Segeltag – von Skulte nach Salacgriva


Morgens um 08:00 sind wir losgefahren. Angesagt waren bis mittags SE 3 nach SW drehend und danach SW 2-3.


Wir hatten SW 1 und das ließ uns so ein wenig dahintreiben, so dass wir das Frühstück in der Plicht einnahmen und und seelisch auf einen ganzen Tag motoren einstellten, denn der Weg war 30 Seemeilen lang.


Um 09:00 drehte der Wind nach NNW, also sehr spitz gegenan, so dass wir James um Hilfe baten, weil er immer noch nur schwach war.


Uns graute vor der Vorstellung, dies nun die nächsten 8 Stunden weiter machen zu müssen.


Um 10:30 hatten wir NW 4-5 (angesagt war SW) und um 11:45 haben wir in das Großsegel das zweite Reff eingebunden und wir schoben mit 30 Grad Lage mit 5 kn durch die Wellen.


Uns beschäftigte die Frage: Bleibt es dabei oder geht der Wind noch ein ganz ganz kleinen Stück nördlicher, dann könnten wir nicht mehr unseren Kurs halten - ja – und dann?

Zurück?


Nach Konu laufen , was einen Nachttörn bedingte?


Gegenanbolzen?


Rings um uns herum wird der Himmel von dunkelblauen Wolkenbänken eingeschlossen und irgendwann bemerken wir, dass diese Wolkenbänke gegen die Windrichtung langsam auf uns zu kommen. Wir gehen in unsere Overalls und dann fängt es auch an zu regnen und der Wind geht mit 5 Windstärken auf West.


Uli sitzt an der Pinne und ich kann mich ganz dem beschaulichen Betrachten der Dinge des Lebens hingeben. So sicher habe ich mich selten auf meinem Schiff gefühlt.


Er steht durch, die Wellen werden höher, aber wir können unseren Kurs gut halten und um 17:00 sind wir in dem Hafen von Salacgriva fest, wo uns eine junge, ausgesprochen freundliche Hafenmeisterin in Empfang nimmt, deren strahlenden Augen von einer Art sind, wie ich sie selten in meinem Leben gesehen habe. Glücklich derjenige, der diese Augen erobert.


Wir gehen Essen, sehen einen kleinen Ort, der 3000 Einwohner hat, in dem absolut nirgend irgendwelcher Müll zu sehen ist, die Menschen sind freundlich, am Steg kichern die jungen Mädchen, als wir an ihnen vorbei gehen und sie mit einem „Hello“ begrüßen, uns begegnen diverse Jugendliche, die auf ihren Fahrrädern auf dem Rücken irgendwelche Musikinstrumente transportieren und wir haben den Eindruck, das ist hier ein gelobtes Land.

 

Törnbericht: Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte

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Published on August 15th, 2011 @ 23:26:16 , using 405 Wörter,
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Törnbericht: Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte
Törnbericht: Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte
Törnbericht: Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte
Törnbericht: Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte

 

Eigentlich kein Segeln von Riga nach Skulte


Gestern ist Uli aus Bremen mit dem Flieger angekommen und wir haben Riga architektonisch und kulturell erobert. Darüber zu schreiben würde alle Dimensionen sprengen.

Danach fand eine kurze Törnplanung statt, was bei der Wetterprognose denn seglerisch zu machen sei.


Am nächsten morgen waren wir um 10:00 Uhr auf dem Weg, nach dem wir noch einmal bei der Tankstelle 20 Liter Diesel getankt hatten.


Angesagt waren östliche Winde um 4 Beaufort bis 12:00 mittags und danach südost 3, nach süd drehend.


Wir hatten SW 2-3 und gingen los unter Groß und Fock.


Die Sonne schien, ein paar lustige Cumuluswolken schoben sich am Himmel lang und alles schien gut.


Um 11:00 Uhr haben wir die Fock gegen die Genua ausgewechselt. Der Wind drehte auf NNW 2 – angesagt waren SE 3.


15:30 musste James mithelfen, der Wind kam jetzt sehr sehr spitz ein – aber den ganzen Tag Sonne.


Um 19:00 waren wir in Skulte an einem Industriekai fest.


Wir hatten Hunger. Über die Möglichkeit noch etwas zu Essen zu kriegen, gab es nach Nachfragen etwas ungenaue Angaben: Zwischen 200 Metern und 2 Km schwankten die Angaben über eine Bar, wo man auch etwas zu Essen bekommen kann.


Wir gehen los. Wir gehen und gehen und gehen, und als wir am Ortsende angekommen waren, sahen wir sie schon. Einfach, nett, und es gab nicht nur etwas zu Essen, sondern es gab eine ganze Karte mit Gerichten. Die beiden jungen Mädchen, die den Laden hier schmissen, waren ausgesprochen gut drauf, sehr freundlich und innerhalb kürzester Zeit hatten wir unser wohlverdientes Bier auf dem Tisch und bald darauf auch unser Essen.


Die jungen Leute um uns herum an den anderen Tischen waren ausgesprochen angenehm in der Art und Weise, wie sie miteinander umgingen und wir fühlten uns dort sauwohl. Lettland scheint ein glückliches Land zu sein, wo die Menschen gerne leben, gut drauf sind und nach vorne wollen.


Dann hat Uli mich überzeugt, dass wir auf dem Rückweg unbedingt unten am Wasser langgehen müssen. Und das war eine super Idee. Denn erstens ist diese Küste als kleine Steilküste ausgesprochen schön, zweitens wird das anscheindend auch von der Bevölkerung so gesehen, weil der ganze Strand besetzt war von Menschen und drittens ist es ein Refugium von Liebespaaren, die sich hier am Ufer wohl fühlen und das auch zeigen.


Danach haben wir noch lange bei Bier und Wodka und einem rechtsseitig angeknabberten Vollmond an Bord gesessen und uns unser ganzes Leben erzählt (oder wenigstens Ausschnitte daraus).

Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga

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Published on August 11th, 2011 @ 11:21:13 , using 1380 Wörter,
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Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga
Törnbericht: Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga

 

Mit drei Reffs im Großsegel nach Riga



Die Wetterkarte war eigentlich eindeutig: für den Rigaischen Meerbusen waren Winde aus SüdWest angesagt zwischen 2 und 4 Beaufort, eher ein bischen weniger am Vormittag und die Großwetterlage versprach eine Okklusionsfront, die aus Westen ankommen würde.

Dies hätte mir zu Denken geben müssen – tat es aber nicht, weil der Himmel am Morgen nach meiner Meinung ganz gut ausssah (Bild 1): Cumuluswolken, die eine breite Basis haben und deren Gipfel plattgedrückt sind.

Hätte ich in dem zweiten Wetterbuch nachgeschlagen, dann wäre mir zu einem ähnlichen Bild der folgende Text aufgefallen und hätte mein Auslaufen möglicherweise verhindert:“ Vorkommen: Im Warmsektor vor Annäherung einer Kaltfront (Gewitter an der Front, längerer Regen nach Frontdurchgang)“.


Als ich um 09:00 losmachte, kam noch der junge Hafenmeister und berichtete mir, dass das Segelboot, das gestern neben mir am Steg lag, und mit dessen Skipper ich noch kurz gesprochen hatte, weil er mit seinen gerade angekommenen Chartergästen nach Riga wollte und ich nur auf die Wolken hinwies (siehe gestrigen Blog), dass dieser Skipper bei den hohen Wellen, die sich im Laufe des Tages im Rigaischen Meerbusen gebildet hatten, über Bord gegangen sei und von seiner unerfahrenen Mannschaft nicht wieder gefunden werden konnte. „And we are worried about you, because you are allone.“


Das heitert einen natürlich geradezu auf, wenn man gerade die Leinen losgemacht hat, um den gleichen Törn zu beginnen.


Anfangs war der Wind 2 und ich dachte, da er mehr werden sollte, ich versuche mal, bei dem halben Wind die Genua ziehen zu lassen. Aber er kam nicht aus SüdWest, sondern aus SüdSüdOst, also spitz gegenan und ich musste die Genua gegen die Fock auswechseln und dann das Groß dazusetzen, weil ich bei den wenigen Windstärken möglichst viel Fahrt haben wollte, um die Strecke von ca. 40 Seemeilen möglichst schnell zu bewältigen.


Dann begann sich das Wolkenbild völlig zu verändern: Es begannen sich große, gewaltig in die Höhe reichende Cumuluswolken auszubilden und vor mir nahm meine Aufmerksamkeit eine Schauerwolke ein, in der ich viel Musik vermutete (Bild 2). Der Wind hatte auch schon zugelegt und ich ich segelte mit 5 – 6 kn und überlegte, auf welcher Seite ich sie am besten umsegeln könne, wobei mir noch nicht klar war, in welcher Richtung sie eigentlich zog.


Seit einer Weile beobachtete ich mit Sorge, wie sich hinter mir über dem Festland langsam eine Gewitterfront ausbildete, die den ganzen hinteren Horizont einnahm (Bild 3). Aber bei dem seitlich einkommenden Wind sagte ich mir, dass ich hier auf der sicheren Seite sei, weil das Gewitter nach Norden ziehen würde, entlang der Küste.

Aber Gewitter haben ihre eigene Logik.


Über dem Festland begannen nun die Blitze und eine halbe Stunde später war es dann über mir (Bild 4).


Wegen der vor mir liegenden Schauerwolke und der hinter mir langsam auf mich zukommenden Gewitterfront, hatte ich nun das Großsegel runtergenommen und segelte nur mit Fock. Und das war auch gut so.

 

Während die Schauerwolke scheinbar stationär lag und je näher ich ihr kam, sich langsam aufzulösen schien, war dann plötzlich die Gewitterfront da und als ich gerade meine Sonnenbrille gegen meine normale Brille eintauschte, wozu ich ganz kurz nur die Pinne loslassen musste, weil ich den Niedergang schon zugemacht hatte und dafür kurz mit dem Kopf unter Deck musste, schoss der Wind hinter mir um 90 Grad nach NordWest und legte meine Fock back. Bis ich begriff, was passiert war und mich erstmal orientieren musste, wo jetzt eigentlich Nord, Süd, Ost und West waren, denn es gab hier keine Landorientierung, brauchte es eine Zeit. Und es fing an, wie aus Kübeln zu gießen – aber das war mir ja vorher schon klar und deshalb war ich längst in meinem Helly-Hansen-Overall.


Ich hatte freien Seeraum und als mir klar wurde, was passiert war, war der Wind auch schon annähernd wieder aus der alten Richtung da, allerdings jetzt deutlich als Süd-Ost, was für mich halben Wind bedeutete, und ich ging langsam wieder auf meinen Kurs.


Um 14:00 Uhr dann kam aus dem mit keinem Anzeichen vorwarnenden Himmel eine Bö, die MISS SOPHIE auf die Seite legte und sie in den Wind schoss und nach Süden abzischte. Das Rigg begann zu rütteln und ich war heilfroh, dass ich die Wanten und Stagen um 1 Millimeter verstärken lies. Die Fock tauchte auf der Leeseite immer wieder in die Fluten und nachdem nach einer Viertelstunde die Bö immer noch nicht aufgehört hatte, entschloss ich mich, weil auch das Auffieren des Grosssegels das Rütteln nicht beendete, zu Reffen.

 

Ich drehte bei, fierte den Großbaum auf, kletterte zum Mast, und löste die Mastrutscher und nahm die 2. Reffleine und zog sie durch.

Als ich das Großsegel nicht richtig wieder hoch bekam, schaute ich, was der Grund war.

In der Meinung, die schwarze Leine sei die 2. Reffleine, hatte ich die dritte Reffleine durchgezogen, das Großsegel aber am Mast mit der zweiten Reffkausch belegt. Ich entschloss mich rasch, das Segel auch hier schnell mit der dritten Reffkausch zu belegen und was passierte: MISS SOPHIE schob mit 6-7 kn durch die Wogen und lag herrlich ausgeglichen auf dem Ruder, dass ich es fast als Sonntagssegeln empfand, weil ich langsam freudig ausrechnete, wann ich wohl bei dieser Geschwindigkeit in Riga ankommen würde, denn ich segelte nun schon seit Stunden deutlich über 5 kn.


Um 15:00 ging die Geschwindigkeit langsam immer öfter runter auf 4-5 kn und ich entschloss mich, das dritte Reff auszuschütteln und mit dem zweiten Reff weiter zu segeln, weil der Himmel immer noch nach Böen aussah.


Gemacht, getan, MISS SOPHIE lief wieder mit 5-6 kn.


Ich fing mein Belohnungssystem wieder an, denn inzwischen stand ich seit 7 Stunden an der Pinne und hatte außer einigen Schlücken aus der Energy-Flasche nichts zu mir genommen.


Ich setzte mir die Marke 16:00 Uhr, dann würde ich den Kartenplotter befragen, wie weit es noch bis Riga ist und ich wettete (bzw. ich hoffte, wobei die Hoffnung nicht ganz unberechtigt war), das ich um 16:00 sechs sm vor dem Seekanal von Riga stehen würde.


Um 16:00 lüftete ich gespannt und aufgeregt das Geheimnis:
5,7 sm.

Dem sehr zufriedenen Skipper winkten nun drei Schlucks aus der Energy-Buddel und diesmal bekam auch MISS SOPHIE einen Teil davon, wegen hervorragender Leistungen.


Vor mir begann sich der Himmel über Riga verdächtig dunkelblau einzufärben und wenig später dann schossen auch schon die Blitze aus den Wolken (Bild 5).

Na prima, dachte, erst hinter mir ein Gewitter, dann über mir und jetzt segel ich in eins hinein. Was kann denn nun noch kommen? Eins von unten?


Inzwischen hatte sich auch eine entsprechende See aufgebaut, die mir aber keine Sorgen machte, weil sie querab reinkam, aber je näher ich dem Seekanal kam, begann die Frage, wo ich die Segel runter nehmen sollte.

Hier draußen im Seegang oder lieber im geschützten Bereich des Seekanals. Aber wie breit war der?

Jörn Heinrich wurde befragt und der sagte 500 Meter. Also unter Segel rein. MISS SOPHIE schoss, weil der Wind hier wieder stärker wurde, oder weil der Kanal wie eine Düse wirkte, mit 6,7 kn durch das Wasser und der Wind kam jetzt auch Spitz von vorne, als ich sah, dass eine riesige Fähre mir entgegen kam (Bild 6).


Aber ich vertraute darauf, dass das Wasser auch neben dem Tonnenstrich tief genug ist und als ich im Windschatten der Bäume und Gebäude des Seekanals war, hatte ich keine Mühe, die Segel in aller Ruhe herunter zu nehmen.


Etwas mußte ich noch nach dem Latvijas Jahtklubs suchen, aber dann war ich da, das Anlegen vor Murring-Boje klappte hervorragend und als ich MISS SOPHIE aufgestoppt hatte, konnte ich in aller Ruhe nach vorne gehen und einer hilfreichen Hand die Vorderleine in die Hand geben. Der war wohl sichtlich angetan von meinem Manöver und machte ein entsprechenden Zeichen mit dem Daumen und ich fühlte mich mit meiner Seglerseele wieder versöhnt, die doch stark gelitten hatte nach den ganzen falschen Wetterprognosen und entsprechenden unseglerischen Vorgängen der Vergangenheit.


Wenn Seglertage immer so aussehen, was brauch ich da noch das Paradies? Es ist doch da.


Nachts schoben dann noch weiter riesige Wolkenungetüme über den Himmel (Bild 8). Aber was gibt es schöneres, wenn man in einem sicheren Hafen liegt.

Es gibt noch schnell was zu Essen, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Mais im Wok, dazu ein Bier und ein paar Wodka und dann weiter in meinem neuen, eingetauschten Krimi über einen schwermütigen Forensiker, der sich in Todesgefahr begibt, als er sich an der Aufklärung eines zur Unkenntlichkeit zersetzten Toten beteiligt.

Schlechtwetterhimmel über Mersrags

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Published on August 9th, 2011 @ 20:32:29 , using 52 Wörter,
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Schlechtwetterhimmel über Mersrags
Schlechtwetterhimmel über Mersrags
Schlechtwetterhimmel über Mersrags
Schlechtwetterhimmel über Mersrags
Schlechtwetterhimmel über Mersrags
Schlechtwetterhimmel über Mersrags

Im Abstand von 30 Minuten ziehen diese Schlechtwetter-Wolkenungetüme hier über den kleinen Hafen sorgen mit ihren Böen für Turbulenz an den Stegen.

Aber die Gegend hier ist schön.

Und was glaubt ihr, steht in dieser kleinen Ansammlung von Häusern hier? Ein großes, frisch saniertes Gebäude - und enthält, ihr ahnt es schon, die Bibliothek.

Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags

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Published on August 9th, 2011 @ 10:56:24 , using 207 Wörter,
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Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags
Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags
Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags
Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags
Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags
Törnbericht: Entspanntes Segeln nach Mersrags

 

Entspanntes Segeln nach Mersrags


Süd-West 3-4 waren angesagt und bei halben Wind wurde es ein entspanntes Segeln nach Mersrags. Ich setzte Admiral von Schneider an die Pinne und träumte den gewaltigen Wolkenriesen hinterher.


Als dann der Wind achterlich einkam, holte ich das Groß runter und ließ die Genua ziehen – auch, weil gerade eine sehr kräftige Böe MISS SOPHIE in den Wind schießen ließ.


Spannend wurde es dann doch noch, als ich mich am Kap Mersrags plötzlich in einem Gewusel von Oberflächennetzen wiederfand und ich erstmal das Knäul entwirren musste, um rauszukriegen, wo da Anfang und Ende ist um dann daraus zu segeln.


Der kleine Hafen an dem Kanal, der den Enguresee zum Rigaischen Meerbusen entwässert, hat gerade einen neuen, schwimmenden Anleger bekommen und ein modernes kleines Yacht-Center mit WC und Dusche und ein paar Appartementszimmer, alles in sehr ordentlichem Zustand.


Diese kleinen lettischen Dörfer sehen aus, wie bei uns Parzellengebiete, denn es sind mehr oder weniger große oder kleine Häuschen, die in weitläufigen Gärten gelegen sind und die Straßen sind meist ungepflastert, was den dörflichen Charakter noch mehr hervorhebt.


Eine kleine Werft gibt es hier, Holzumschlag, ein Ausflugsschiff wird dgerade in Stand gesetzt, im Hafen wird gebaggert und man versucht, diesen kleinen Ort touristisch zu nutzen.

STRAND FUND STÜCKE ROJA

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Published on August 7th, 2011 @ 17:08:22 , using 114 Wörter,
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STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA
STRAND FUND STÜCKE ROJA

Wegen Ostwind lange Strandwanderung, von der ich ein paar Fundstücke mitgebracht habe.

 

Als ich an einem einsamen Stück des Strandes diesen Stuhl entdeckte und dabei war, ihn aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren, kam eine junge Frau auf ihrem Fahrrad hier an und fragte mich erst auf lettisch irgend etwas und als ich ihr bedeutete, dass nur deutsch oder englisch ginge, fragte sie, ob ich hier bleiben wolle. Nein, sagte ich, " I am just walking along the strand, but this is a nice place for a chair" und dann sagte sie mir, dass es ihrer sei.

Als ich Stunden später hier wieder vorbei kam, saß sie auf ihrem Stuhl und las.

Glückliche Menschen hier.

Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja

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Published on August 6th, 2011 @ 18:33:53 , using 785 Wörter,
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Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja
Törnbericht: Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja

 

Fast ein wunderschöner Segeltag – von Montu nach Roja


Morgens um 07:30 wache ich auf und um mich selbst unter Druck zu setzen, lasse ich sofort den Motor an und habe 15 Minuten später schon die Leinen los, da kommt der Cerberus schon wieder an und will seine EUR – und als ich nochmals meine Schultern zucke, kommt wieder die gleiche Verschwinde-Bewegung wie gestern abend. Montu – Nein Danke, nicht noch einmal.


Ich will wieder zurück nach Lettland, nach Roja, dass von hier 50 Seemeilen entfernt ist.


Gleich nach dem Hafen ziehe ich Genua und Groß hoch, Wind kommt aus SE 3 und ich übergebe an Admiral von Schneider, nehme meinen Wecker mit ins Cockpit und stelle ihn auf 20 Minuten und lege mich schlafen – die Wodkas und die Biere von gestern abend wollen noch ein wenig Ruhe haben. ( Wenn ich im Cockpit schlafe oder Nachts picke ich mich grundsätzlich an - man weiß ja nie, plötzliche Bö, Albtraum oder was auch immer)

Schönstes Segelwetter, wolkenloser Himmel, ruhige See, kein Schiff zu sehen, einsame Gegend hier, alles bestens.


Um 12:00 Uhr ist Flaute.


Plötzlich sehe ich einen Raubvogel immer wieder um meinen Mast herumfliegen. Ich komme erst nicht drauf, was er will. Dann sehe ich es: Sein Weibchen sitzt schon auf dem Mastkopf auf dem Ausleger, auf dem mein Windex steht, und er möchte wohl neben ihr Platz nehmen und weiß noch nicht recht, wo, denn oben auf meinem Mast sitzt das weiße Rundumlicht mit einer glatten Glaskuppel und davor sitzt mein Notblitz. Immer wieder steuert er meinen Mastkopf an, dann endlich hat er es geschafft. Einträchtig sitzen die beiden nun nebeneinander auf meinem Mast.


Nur, was machen diese Raubvögel hier weitab von Land auf See?


Ich quere den Großschiffahrtsweg und steuere meinen Waypoint am Ausgang der Irbenstraße an, der neben dem gut sichtbaren Leuchtturm am Kap Kolka steht.


Es ist Wind aufgekommen, SE 3-4, und ich kann gerade noch meinen Kurs auf Roja mit 160 Grad halten und laufe mit 5-6 Knoten nun wieder unter Segeln.


Ich rechne. Noch 20 Seemeilen, das sind bei der Geschwindigkeit noch 4-5 Stunden.


Auch schönstes Segeln ist nach einem solchen Tag wie gestern, der mich 22 Stunden auf den Beinen sah, irgendwann doch nur noch Arbeit und ich sehne mich danach, bald in einem Hafen festmachen zu können.


Aber bis dahin sind es noch 5 Stunden und ich muss sehr aufmerksam steuern, weil ich so hoch am Wind bin, dass auch nur ein paar Grad zu hoch am Wind die Genua vorne zum einfallen bringen – und zur anderen Seite habe ich nicht viel Spielraum, weil es dort flach wird.


Ich spiele jetzt mein Belohnungssystem:


Jede volle Stunde gehe ich auf meinem Kartenplotter auf die Navigationsseite, die mir anzeigt, wie weit weg mein Hafen noch ist, und mache mein Spiel: wenn ich mit meiner Schätzung drüber lag, gibt es zwei Schluck und wenn ich drunter lag nur einen - aus der „DYNAMI:T“-Flasche, das ist ein Energy-Drink, und die haben sich sehr bewährt auf diesen langen Törns. Ich Esse kaum etwas an diesen Segeltagen, trinke dafür jeweil nur einen kleinen Schluck pro Stunde von diesen Energy-Drinks und komme so gut den ganzen Tag klar.


Zwischendurch filme ich wie auch gestern und als ich vorne am Bug die Gischt aufnahm, die der Bug von MISS SOPHIE aufschaufelte, kam eine Welle besonders hoch und setze mit ihrer Gischt meinen Camncorder kurz unter Wasser. Ist aber alles gutgegangen.


Um 18:00 hat sich eine sehr unangenehme Welle aufgebaut, die kurz und bissig ist: die Wellen folgen derart kurz aufeinander, so dass zwischen Welle und Welle gerade eine Schiffslänge passt.

Das führt dazu, dass wenn MISS SOPHIE die erste Welle erklommen hat, und dabei aus den 5 kn 3,2 kn geworden sind, sofort danach die zweite Welle erklommen werden muss, was schon nicht mehr mit der Geschwindigkeit und der dadurch schwächeren Kraft gelingt. James muss wieder zur Unterstützung ran.


Auch Jörn Heinrich berichtet von diesen Wellen im Rigaer Meerbusen, die schon bei 4 Windstärken aufkommen und schon da ein Aufkreuzen unmöglich machen können.


Aber James tut sein Handwerk und um 19:00 Uhr laufe ich durch die Molenköpfe und bin nach einigem Suchen nach der sehr schmalen Einfahrt in den kleinen Segelhafen dort wenig später fest.


Ein freundlicher junger Mann kommt auf mich zu, gibt mir einen Stadtplan, entschuldigt sich in bestem Englisch dafür, dass der Warmwasserboiler im Moment kaputt sei, und da jetzt WE sei, auch vor Montag nicht wieder in Ordnung zu bringen ist, da ein bestimmtes Ersatzteil aus Riga geholt werden müsse und er würde mir deshalb nur 5 lat pro Nacht berechnen. Na, geht doch, aber das werden die in Montu vielleicht nie lernen.

Aber das mit dem Warmwasser ist schwerzlich, weil ich dringend eine Dusche gebrauchen würde.


Jetzt bin ich noch zwei Tagestörns von Riga entfernt, Uli kann kommen.

Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker

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Published on August 4th, 2011 @ 18:20:59 , using 902 Wörter,
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Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker
Törnbericht: Nach Montu auf der Insel Saaremaa - Montu bekommt den rostigen Anker

 

Morgens um 03:15 klingelt mein Wecker. In diesem Teil des Hafens ist es noch stockduster, während am gegenüberliegenden Hafenbecken schon hinter den Gebäuden des erste Tageslicht sichtbar wird (Bild 1).


Ich will eigentlich nach Roja, was schon im Rigaschen Meerbusen liegt, an der Westküste, aber der Weg ist einfach zu weit: 80 Seemeilen. Wenn ich mit gutem Wind 4 Seemeilen mache, sind das trozdem mindestens 20 Stunden – eher mehr, denn die Ausfahrt und die Einfahrt in die Häfen ist da noch nicht bei und ich segele auch nicht den Idealkurs, sondern wie beim Fahrradfahren in Schlangenlinien, also sind es nicht 80 sondern 90 Meilen und das heisst mindestens 24 Stunden bei einem idealen Wind, der mir für drei Kurse dienlich sein muss: zunächst Nord-Nord-Ost, dann Ost und dann Süd. Das kann eigentlich nur ein Westwind.

Wenn der Wind nicht so optimal ist, laufe ich mit drei Knoten und es sind dann 30 Stunden. Und in der Nacht schläft der Wind hier unter dieser Grosswetterlage ein, das heisst, wenn ich nicht motoren will, werden es dann 40 Stunden. Das ist einfach zu viel.


Deshalb habe ich mich entschlossen, nach Montu zu segeln, das liegt auf der weit in die Irbenstraße hineinreichenden Halbinsel der Insel Saaremaa, die zu Estland gehört. Das sind nur 53 Seemeilen, immerhin, und deshalb bin ich so früh aufgestanden, um hinten Reserve zu haben.


Nach den völlig ungewöhnlichen tagelangen Nord-Ostwind soll er heute zunächst aus Ost mit 2 – 4 Windstärken kommen um dann nach 12:00 Uhr auf Süd-Ost zu gehen, und das wäre ein für mich sehr günstiger Wind, denn mein Kurs verläuft zunächst Nord-Nord-Ost und wird dann ein Nord-Ost-Kurs bis kurz vor den Einlauf in den Hafen von Montu.


Der Wind kommt schwach aus Ost. Ich setzte Segel (Bild 2) und ich benötige ein wenig Zusatzkraft von James.


Um 07:00 ist der Wind auf Süd gegangen, schwachwindig, weiter muss James mitschieben. Nerv.


Um 08:00 habe ich den Leuchtturm Ovisu querab und der Wind schläft völlig ein.


Um 09:30 bin ich an meinem Wegepunkt in der Irbenstraße und mein Kurs geht jetzt auf Nord-Ost.


Um 10:00 geht der Wind auf NNW 2, so dass ich meinen Kurs gerade noch anlegen kann (Bild 3).


Um 11:05 höre ich den Wetterbericht vom DF, der sagt für mein Seegebiet SE – S 3 an. Ich habe NNW.


15:00 Habe ich meinen WP erreicht und kann nun auf die Insel Saaremaa zulaufen, über der sich eine schöne Cumuluswolke gebildet hat (Bild 4)


Um 16:00 bin ich völlig genervt von dem motoren und den völlig daneben liegenden Windvoraussagen und mache in Montu fest.


Dort steht auch schon ein älterer Mann an Land und kaum habe ich die Leinen fest, deutet er auf ein Schild, auf dem überdeutlich riesengroß geschrieben steht: „PORT FEE 16 EUR“ Bild 5).


Ich mach ihm deutlich, dass ich keine Euros habe, ich mit lettischem Geld bezahlen könne, oder aber mit dem Geld, dass hier seine Währung ist, mache ihm aber zugleich deutlich, dass ich äußerst überrascht über diesen Preis sei, für einen Hafen, in dem in den letzten 80 Jahren nicht ein Handschlag getan worden sei. Die Schwimmstege liegen noch immer an Land und rotten vor sich her, die Jörn Heinrich schon bei seiner Recherche 2005 an Land liegend vorfand (Bild 6).

Montu besteht im Grunde genommen lediglich aus einem großen Gebäude, das wohl mal für die Fischer da war - jetzt war kein einziges Fischerboot im Hafen.

Und einem Gebäude, das mal der Einklarierung diente und daneben die sehr guten sanitären Anlagen beherbergt. Sonst gibt es hier nichts.

Als ich ihm dies versuchte zu erklären und dann noch einmal sagte, ich habe keine EUR, macht er jetzt eine deutlich geradezu obszöne  Handbewegung, wie, wenn man einen lästigen Köter verscheucht: Ich solle verschwinden.

Ich wende mich ab und mache mir mein Abendbrot: Pellkartoffeln mit Dosenfisch und muss mich über diesen verkorksten Segel-Motor-Tag mit ein paar Bier und ein paar Wodkas beruhigen.


Das wird dann doch noch ein langer Abend, denn ich höre drei Hör-CD's: Moby Dick, und noch der eine oder andere Wodka findet seinen Weg zu mir.

Und der Hafen Montu bekommt den rostigen Anker für unfreundliches Verhalten.

Bild 7 + 8: Der Hafen von Montu und mein Liegeplatz


Anmerkung zum motoren:


Motoren ist für mich aus zwei Gründen so nervig.


Erstens habe ich die Philosophie, dass der Motor nur für die Häfen da ist und in Notsituationen, um einen aus dem Schlamassel zu holen. Denn wenn mein Denken beim Segeln anfängt, zweckrationale Gründe in Erwägung zu ziehen, warum man dann und dann dort zu sein hat, weil....., und deshalb motort werden muss, dann kann ich mich doch gleich ins Auto setzen und dort hinfahren. Segeln heißt für mich, der Weg ist das Ziel.


Und zweitens finde ich motoren so unendlich langweilig, dass ich dabei schlechte Laune bekomme.


Motoren regt in keiner Weise meine Sinne an, im Gegenteil, tötet sie mit unendlicher Eintönigkeit ab und das nervige Geräusch tut das übrige.

Was für ein Unterschied zum Segeln.

Da werden alle Sinne beansprucht, ich höre den Wind und achte darauf, wie er bei einer bestimmten Segelstellung sich anhört, ich sehe die Wellen, ich erlebe, wie sich mein Schiff bei welcher Windstellung wie bewegt, sich auf die Seite legt, wieder hochkommt, sich wieder auf die Seite legt, ich habe die Wolken im Auge, den Horizont, achte auf generelle Wolkenveränderungen, die eine Wetteränderung ankündigen könnten, ich achte auf die Kompassnadel, habe den Plotter im Auge, habe im Kopf die Seekarte, achte auf die Art der Wellen und und und.



Ich bin ganz im Jetzt.


Das ist gelebter Augenblick in seiner ganzen Intensität.


Deshalb segel ich.

Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen

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Published on Juli 30th, 2011 @ 15:02:09 , using 555 Wörter,
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Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen
Törnbericht Pavilosta nach Ventspils: Toller Empfang im Hafen

 

Toller Empfang in Ventspils


39 Seemeilen lang ist der Törn von Pavilosta nach Ventspils. Süd-Ost bis Ost 3-4 war bis 12 Uhr angesagt, ab 15:00 sollte er dann nach Nord drehen, also gegenan, denn mein Kurs bis zum WP Let-06-WP würde 15 Grad sein, mit Einrechnung von Abdrift und Ströhmung Nord, um dann an dem Wegepunkt (WP) auf 40 Grad zu gehen, direkt auf Ventspils zu. Also wollte ich unbedingt vor 15:00 Uhr in Ventspils sein, um den Nord nicht gegenan zu kriegen. Für die ganze kommende Woche war dann Nord-Ost angesagt, also die letzte Möglichkeit, noch nach Ventspils zu kommen.


Kurz nach 4 Uhr morgens komme ich los. E 2. Die Mannschaft vom Nachbarschiff der „LOTTE“ winkt (wir hatten gestern Abend noch im Restaurant lange miteinander gequatscht), und draussen auf See erlebe ich dann den Sonnenaufgang. Ich laufe unter Groß und Genua, 50 Quadratmeter Segelfläche, 4-5 kn. Wunderbar. Hoffen wir, dass der Wind und die Richtung so bleibt.


Um 08:00 Uhr geht der Wind runter 1 Beaufort und auf ENE. Ich rufe James zur Arbeit und der läuft dann auch mit 1100 Umdrehungen und bringt mich auf 4,5 kn. Danach übergebe ich die Steuerung Admiral von Schneider und experimentiere ein wenig mit meinem Camcorder herum.

Ich hatte mir in Pavilosta eine Vorrichtung gebaut, mit der ich den Camcorder an verschiedenen Punktes des Schiffes anbringen konnte und zwar so, dass ich dabei die Pinne nicht aus der Hand nehmen muss. Am Hahnepot des Achterstags, an einer Relingsstütze, am Niedergangsluk mit Blick nach achtern ins Cockpit und an der Badeleiter mit Blick nach achtern oder voraus ins Cockpit. Und das probierte ich nun aus.


Um 09:00 habe ich den Leuchtturm Uzava querab und ich nehme die Segel weg, weil kein Wind mehr ist.


Um 10:25 habe ich meinen WP erreicht und ich gehe auf KK 40 Grad. Noch 9 Seemeilen bis Ventspils. Hier kommt mir das erste Schiff entgegen, ein Segler, ansonsten ist auch diese Küste ohne jegliches Zeichen von Leben: keine Fischernetze im Wasser, keine Fischerboote, keine sonstige Berufsschiffahrt, keine Segler - nichts.


Um 10:45 geht der Wind auf Nord, 2-3 Beaufort, der eigentlich erst ab 16:00 auf Nord gehen sollte. Gut, dass ich so früh los bin, denn auf diesem Kurs kann ich das Groß dazu setzen, dass noch einmal einen Knoten zusätzliche Geschwindigkeit bringt.


Als ich in Ventspils am Molenkopf dieses gigantischen Schutzdammes vorbeifahre, winken mir die dort oben stehenden Menschen zu.


Als ich an diesem Schlepper vorbeifahre, winkt mir die Mannschaft oben auf der Brücke zu.


Als ich an diesem Fischdampfer vorbei fahre, kommt ein Matrose (?) heraus und winkt mir zu.

Leider habe ich meine Kamera immer erst danach auf diese Ereignisse richten können, wenn alles schon vorbei war. Man muss es mir deshalb einfach glauben.


Als ich an den Liegeplatz gehe und achtern die Leine an der Boje festhabe und mit der Leine mich möglichst so aufstoppe, dass ich vorne nicht gegen die Kaimauer bummse aber auch nicht zu früh aufstoppe, so dass ich die Kaimauer nicht mehr zu fassen kriege, um eine Leine festzumachen, steht dort schon der Hafenmeister und....na was wohl:? - winkt und nimmt die Leinen an. Um 13:00 bin ich fest.


Ich bin begeistert.


Zu den Bildern:


1 Sonnenaufgang (video-still)


2 ich begutachte die Segelstellung (video-still)


3 die Segelstellung ist gut (video-still)


4 das Kap, mein WP Let-06-WP


5 unter Segeln


6 endlich ein anderes Schiff (video-still)


7 im Cockpit; am Ruder Admiral von Schneider (video-still)


8 der Molenkopf von Ventspils


9 der Schlepper


10 der Fischdampfer


11 mein Liegeplatz in Ventspils

Zwanzig Santimu - mein erstes in Lettland verdientes Geld

Written by:
Published on Juli 26th, 2011 @ 14:07:01 , using 213 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Zwanzig Santimu - mein erstes in Lettland verdientes Geld

 

Zwanzig Santimu - mein erstes in Lettland verdientes Geld.


Als ich gestern meine lange Strandwanderung auf den Spuren von Odysseus gemacht hatte, schwirrte mir eine bestimmt Phrase eines Coltrane-Stückes immer wieder im Kopf herum.


Als ich wieder bei meiner MISS SOPHIE angekommen war, nahm ich mein Saxophon und ging zum Strand runter, setzte den Koffer auf einem Stein ab und ging mit dem Saxophon zum Wasser. Es waren fast keine Badenden da und ich fing an, diese Coltrane-Phrase zu finden. Ich probierte, verwarf, versuchte es auf die eine und die andere Weise, bis ich einen Modus gefunden hatte, den ich ganz schön fand.


Als ich wieder bei meinem Koffer angelangt war, dachte ich, ich guck nicht richtig: da lag ein 20 Santimus-Stück im Koffer.


Ich hatte den Koffer offengelassen, weil ich dachte, so ein bischen Sonne kann dem Samt nicht schaden und er lüftet dabei auch ein wenig. Aber damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Gut. In Zukunft den Koffer zumachen. Handy raus, fotografiert. Der bleibt jetzt in dem Koffer bis an mein Lebensende.

Mein erstes mit dem Saxophon verdientes Geld.


Schwachwindig die nächsten Tage. Damit schaffe ich die 37 Seemeilen nach Ventspils nicht. Und danach soll er auf Nord, dann auf Ost drehen, also gegenan. Werd wohl noch ein bischenhierbleiben müssen. Nicht ungern.

 

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