von Jörg Streese

Törnbericht: Swinouj'sie - Dziwnow

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Published on Mai 29th, 2011 @ 14:46:48 , using 428 Wörter,
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Törnbericht: Swinouj'sie - Dziwnow


Von Swinoujsie nach dem kleinen Hafen von Dziwnow

Angesagt waren bis 12:00 SW 5, Wellen zwischen 0,5 und 1,5 Metern.

Morgens um 04:30 klingelt der Wecker, 05:30 bin ich los, ich musste vorher noch den Autopiloten kompensieren, in dem ich mehrere Kreise fuhr, was in dem stillen Hafenbecken jetzt ganz gut ging.

Draussen machte ich dann den Fehler, dass ich erst das Großsegel setzte und danach die Fock, die bei dem direkt achterlich kommenden Wind sofort wieder einfiel, denn mein Karten-Kurs war 65 Grad. Also wieder runter mit dem Großsegel und dann zog die Fock auch prima mit 5 – 6 kn.

Langsam baute sich hinter mir eine See auf, deren Höhe ich nicht schätzen kann, aber einen Meter hatte sie in den größeren Gebilden. Jetzt fing MISS SOPHIE an zu geigen. So nennt man das, wenn achterliche Wellen das Heck des Schiffes anheben und beschleunigen und gleichzeitig damit etwas aus dem Kurs bringen und das Schiff jetzt den Wind etwas mehr von der Seite bekommt und versucht, nach Lee auszubrechen, wobei es sich nach Lee überlegt, wäghrend es direkt vor dem Wind aufrecht segelt. Dann muss kräftig gegengesteuert werden, und das Schiff legt sich nun auf die andere Seite – für viele ein Kotzkurs. Aber dieser Vorgang musste jetzt 4-5 Stunden betrieben werden, die ich brauchen würde, die 25 Seemeilen zwischen Swinoujsie und dem kleinen Fischerhafen Dziwnow abzusegeln.

Bei westlichen Winden und einer See ab einem Meter wird im nautischen Führer vor den brechenden Seen in und vor der Hafeneinfahrt wegen dem flach werdenden Wasser und vor den seitlich das Schiff versetzenden Seen gewarnt und es wird geraten, Vorsegel stehen zu lassen, den Niedergang zu verschließen und die Maschine mitlaufen zu lassen und dies nur mit Schiffen zu machen, die man zuverlässig kennt und mit denen man vertaut ist.

Entsprechend gepolt habe ich mich an die Hafeneinfahrt gemacht: vorher schon mal den Kurs 141° mit der Fock probiert, Peilung auf die achterliche Ansteuerungstonne genommen und dann rein in den Seekanal und Gas gegeben. Es war aber alles sehr handig und problemlos – nur es ist erstaunlich, wieviel Kraft in diesen ja nicht hohe Wellen sittzt, wenn sie einen seitlich anheben und die 5 Tonnen meines Schiffes spielend 3 Meter nach Lee versetzen.

Kurz an der Border-Guard längsseits gegangen, Schiffsname, Schiffsführer, letzter Hafen, wieviel Personen – und ich konnte in den Fischerhafen fahren.

Der allerdings ist gewöhnungsbedürftig: neben ca. 10 toten Enten und Möwen und vielen Fischkadavern arbeiten hier auch 15 Fischer mit ihren Booten und nehmen ihren Fisch aus. Hat aber Atmosphäre.

Der Ort selbst muss im Sommer brummen, denn der Strand ist lang und beliebt und ist als Bernsteinstrand bekannt.

 

Törnbericht: Ich liebe dramatische Anfänge - von Mönkebude nach Swinoujsie

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Published on Mai 24th, 2011 @ 19:52:31 , using 852 Wörter,
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Törnbericht: Ich liebe dramatische Anfänge - von  Mönkebude nach Swinoujsie
Törnbericht: Ich liebe dramatische Anfänge - von  Mönkebude nach Swinoujsie
Törnbericht: Ich liebe dramatische Anfänge - von  Mönkebude nach Swinoujsie
Törnbericht: Ich liebe dramatische Anfänge - von  Mönkebude nach Swinoujsie

Ich liebe dramatische Anfänge

Anders kann ich es mir nicht erklaeren

Dienstag, 24.05.2011 Mönkebude – Swinoujsie

Der Wetterbericht meldete am Montag-Abend für die Boddengewässer Ost bis 12:00 SW 5-6 mit schweren Schauerböen und für den weiteren Tag SW – W 5.

Für den Törn nach Swinoujsie eine ideale Windrichtung – vielleicht ein bisschen viel, aber es ist ein geschütztes  Gewässer und die Böen fürchtete ich nicht so sehr, denn ich gedachte, mich lediglich von der Arbeitsfock und dem raumen Wind ziehen zu lassen. Der Himmel zu 90 % mit Stratus- und Cumuluststratus bewölkt, waren, nachdem ich getankt hatte, auch die besagten SW 4-5 Windstärken da, bald jedoch ging der Wind schon auf W und schraubte sich langsam auf 6, dann langsam  auf 7 Beaufort rauf.
Herrliches segeln, ich sitze auf dem Dollbord, steuere MISS SOPHIE mit dem aus einer Krücke gebauten Pinnenausleger und schaue immer wieder neugierig auf die Geschwindigkeitsanzeige, die zwischen 5,3 und 6,8 kn pendelt – nur unter Fock.

Um 11:45 bin ich an der Haff-Tonne, die die Grenze zwischen Deutschland und Polen kennzeichnet und jetzt sind es nur noch wenige Meilen, und ich kann in die Kaiserfahrt einsteuern, dem künstlichen Kanal, der die Oder und das Stettiner Haff mit der südlichen Ostssee verbindet.

Als jetzt öfters die Geschwindigkeit auf über 7,6 kn geht, merke ich, welche Kraft und Gewalt in dem achterlichen Wind stecken, der längst auf gute 8 Windstärken angewachsen ist und vermutlich schon 9 erreicht hat - wie der Wetterbericht ja auch angekündigt hatte -  und ich merke langsam, das ich gleich ein ziemliches Problem bekommen werde.

Der Kanal verläuft in südwestlicher Richtung und wirkt natürlich für den herrschenden WNW-Wind wie eine Düse und wird die Windgeschwindigkeit noch einmal erhöhen.
Da hier sich auch schon ein bischen Welle aufgebaut hat ( ca 1 – 1,5 Meter), hatte ich mir überlegt, so hoch an den Wind zu gehen, wie möglich, um unter Fock in den durch zwei Molen geschützten Eingangsbereich einzulaufen und dort dann die Fock im Schutz dieser Mauern zu bergen.

Dazu musste ich hoch an den Wind und die Fock dafür trimmen. Jetzt merkte ich die Gewalt des Windes, denn trotz Winsch und Kurbel gelang es mir nicht, die Fock dichtzuholen, weil ich dafür beide Hände brauchte und das Ruder irgendwie mit den Füßen zu steuern versuchte, weil MISS SOPHIE sofort in den Wind schoss, als ich sie höher an den Wind legte.
Also ließ ich sie pendeln zwischen hoch am Wind, wo sie unkontrollierbar wurde und sich so weit wegkrängte, dass sie in den Wind zu schiesssen begann und wieder abfallen lassen, um möglichst nah an die Einsteuerung in die Molenköpfe zu kommen.

Jetzt waren meine Schwierigkeiten da. Zu spät die unaufhaltsam anwachsende Windstärke bewusst wahrgenommen und spät das Problem erkannt, in die schmale Moleneinfahrt hereinzukommen.
Für einen Moment habe ich überlegt, einfach nach Ziegenort abzulaufen, also dem polnischen kleinen Hafen an der Odermündung ins Stettiner Haff, was mit dem halben Wind ein Kinderspiel gewesen wäre und dort im Windschatten in den Hafen einzulaufen.
Aber ich war jetzt auf Swinouj'sie gepolt und legte mir dies als Alternative zurecht, wenn hier jetzt irgendetwas schief gehen sollte.
Jetzt war ich fast zwischen denn Molenköpfen und musste in den Wind. Auf keinen Fall durfte ich hier durch den Wind gehen, dann würde die Fock sofort back schlagen und das Schiff querkommen und bis ich die Fock losgeschlagen hätte, säße ich auf den Molenköpfen.
Den Motor hatte ich vorher schon angeworfen, um ihn warmlaufen zu lassen, denn jetzt ruhte mein ganzes Vertrauen auf ihm: eine kurze Bitte in den Himmel, wer auch immer dort die Bitte hören würde, lass den Motor bei der Krängung genügend Öl pumpen, dass er seine Arbeit tun kann, und dann brach die Hölle los. Als die Fock im Wind stand, rüttelte sie derart das Rigg durch, dass ich angstvoll auf den Mast schaute, aus Angst, er würde das nicht durchstehen und brechen.
Vollgas. Dann war ich drin im Becken. Jetzt Pinne belegen, nach vorne hasten und die Fock runterreißen. Es gelang mir nicht, obwohl ich mich mit meinem Gewicht auf das Segel warf, sie festzubänseln, denn schon näherte ich mich dem Molenbollwerk und musste nach achtern, MISS SOPHIE wieder auf Kurs zu bringen und wieder nach vorne und diesmal kriegte ich sie gebändigt und gebänselt.
Wieder nach hinten und den Motor etwas gedrosselt und nun merkte ich plötzlich, dass ich einen vollkommen trockenen Mund hatte. Einen Schluck Wasser und tief durchatmen. Gutgegangen.

Aber nächstesmal Schwimmweste an und vielleicht den sicheren Weg nach Ziegelort.

Übrigens hat es in dem kleinen lokalen Sturm meinen Windex weggerissen, der kleine Anzeigepfeil im Masttopp, der mir die Windrichtung anzeigt. Nun werde ich wohl bis Danzig ohne segeln müssen.

Eine Stunde später war nichts mehr von Wind da, die Sonne schien und es war ein prächtiger Nachmittag.
In Swinoujsie war die Marina Polnocna wegen Bauarbeiten geschlossen und ich musste zurück in den Winterhafen und konnte dort in dem netten aber teueren Yachtclub „Kotwica“ an Heckboje festmachen.
Und kaum da, fing es wieder an zu blasen und die Böen fegten über den Steg, aber hier im Schutz von Land und Gebäuden war das alles nichts gegenüber dem, was ich gerade da draussen erlebt hatte.

Scheinbar liebe ich dramatische Anfänge. Letztes Jahr der Törn nach Helgoland, dieses Jahr meine Sturmfahrt nach Swinoujsie – schaun wir mal, womit wir nächstes Jahr beginnen.

Törnbericht: Wolgast nach Moenkebude am Stettiner Haff

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Published on Mai 26th, 2011 @ 19:36:31 , using 227 Wörter,
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Törnbericht: Wolgast nach Moenkebude am Stettiner Haff

 

21_05_wolgast_mönkebude


schwach umlaufend, dann SE – E 3-4, wolkenloser Himmel, 1022


07:45 durch die Brücke von Wolgast.

W 1-2, ich lass mir Zeit und segel mit Gr und F.

Dann wird es plötzlich knapp mit der Zeit und der Brücke in Zecherin und ich (wir) finden die rote Tonne vor Ranknitz nicht, die aber wichtig ist, weil es hier arg flach und eine sehr enge Fahrrinne ist.


Für die Bücke ist es zu spät. Ich ankere, wo ich letztes Jahr schon mit Caro geankert hatte und sehe das Adlerpärchen wieder auf dem gleichen Baum sitzen.


Die Brücke öffnet nicht um 16:00 Uhr, wie in meiner Karte vermerkt ist, sondern um 16:45 und ist auch nicht auf UKW anrufbar, was zwar nicht stimmt, denn er antwortet mir auf meinen Anruf, teilt mir aber lediglich mit, dass die Brücke nicht auf UKW angerufen werden kann. Merkwürdige Sitten hier.


Jetzt ist es ein E geworden zwischen 3-4 und ich steuere Mönkebude an, wo ich um 21:00 Uhr fest mache.


Am nächsten Tag, Sonntag, stürmt es und mehrere Gewitter gehen durch mit wolkenbruchartigem Regen.


Am Montag leihe ich mir ein Fahrrad und fahre nach Ueckermünde. Bank, Petroleum, Kleinigkeiten und fahre dann noch zum Leuchtturm, der die Einfahrt in die Uecker kennzeichnet. Wunderschöne Boddenlandschaft mit breiten Schilfgürtel.

Und Ueckemünde lohnt einen Aufenthalt mit schöner Architektur aus dem 19. Jhdt und einem interessanten Rathaus, das eine halbe Burg gewesen sein muss.

wolgast - Schlossinsel.JPG

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Published on Mai 9th, 2011 @ 10:56:24 , using 80 Wörter,
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wolgast - Schlossinsel.JPG

Ich arbeite die Liste der anstehenden Arbeit am Boot ab.

Gestern einen riesigen Pack Waesche im Waschsalon waschen lassen. Leider kamen meine Vorhaenge geschreddert wieder aus der Maschine.

10 Jahre der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt, hat sie einfach zersetzt.

Was Tun?

Bei kik erwerbe ich 8 kleine Kissenbezuege, die zu zweit genau die Groesse meiner Fenster haben. In Rot. Weil ich aber 9 Stueck brauchte, muss nun ein Orange dabei sein.

Dies ist mein abendlicher Blick vom Schiff.

Schoen. Das entschaedigt von allem.

29_04. Wolgast. MISS SOPHIE schwimmt - und ich bin denn mal wieder weg

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Published on April 29th, 2011 @ 10:46:35 , using 306 Wörter,
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29_04. Wolgast. MISS SOPHIE schwimmt - und ich bin denn mal wieder weg

 

29_05_2011 MISS SOPHIE schwimmt – und ich bin denn mal wieder weg.


Am Samstag den 29. 04 bin ich mit einem gefühlten 50 kg schweren Seesack, Saxophon und Rettungsinsel unter dem Arm nach Wolgast gefahren und hatte mir eine Verbindung rausgesucht, bei der ich nur einmal umsteigen brauchte - und das auch noch auf dem gleichen Bahnsteig – was anderes wäre auch garnicht gegangen.


In Wolgast dann habe ich einen kleinen Fehler gemacht. Um den Seesack an Bord zu hieven – MISS SOPHIE stand ja noch an Land – bin ich nicht in die Hocke gegangen, um ihn mir auf den Rücken zu wuchten, sondern habe es mit einer Drehung des Rückens gemacht. Da sagte meine Wirbelsäule nur ganz kurz und trocken „kkkkrrrrk“ und der Tag und der darauf folgende war gelaufen. Nur mit Mühe kam ich in die Koje und konnte mich dort kaum drehen, geschweige aufstehen.


Das Bild zeigt den Ausblick von meiner an Land stehenden MISS SOPHIE.


Am Montag dann ging es schon wieder einigermaßen. Ich konnte die Plane vom Schiff entfernen und anständig zusammenfalten, was bei dem herrschenden, schneidend kalten Ostwind von Windstärke 6 und der 60-Quadratmeter-Plane eine knifflige Angelegenheit war.

Und war es schon tagsüber kalt, 6 – 8 Grad, so sanken nachts die Temperaturen in den Bereich von -3 bis -4 Grad. Bettdecke plus Schlafsack war jetzt angesagt und die nächtlichen Gänge zu den WC's wurden zu einer wahren Herausforderung und regten Gedanken an, das Trinken ganz aufzugeben.


Ich hatte also das Interesse, ganz schnell ins Wasser zu kommen um die dortige Stromversorgung für den Heißlüfter zu nutzen – mein Petroleumofen kann ich immer nur zwei, drei Stunden laufen lassen, sonst verbraucht er zu viel, - und um mein bordeigenes WC nachts benutzen zu können.


Am Dienstag streiche ich mein Unterwasserschiff mit Anti-Fouling, eine Farbe, die den Befall von Seepocken verhindert und mache alles für das Kranen ins Wasser fertig.

08. 05. in Wolgast am Steg

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Published on Mai 5th, 2011 @ 12:53:19 , using 562 Wörter,
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08. 05. in Wolgast am Steg
08. 05. in Wolgast am Steg
08. 05. in Wolgast am Steg

 

Wolgast am Steg der Schiffswerft Horn


Ostwind 4-5, kalt, aber seit Tagen wolkenloser Himmel und ein grandioses Bild des Peenestromes, an dem ich liege.


Der diesjährige Törn soll mich hoch in den Norden der Baltischen Länder bringen – möglicherweise sogar bis St. Petersburg – schaun wir mal.


Da das sehr lange Seetörns erfordert, bei denen ich zwischendurch auch mal für 20 Minuten schlafen muss, wurden zwei Investitionen getätigt: einmal habe ich von Hans Werding seinen neuen Pinnenpilot Raymarine 2000+ bekommen, der auch NMEA-Signale verarbeitet und seine Kompasskurse von meinem Kartenplotter bekommt. Und am letzten Tag in Bremen nach Lieferschwierigkeiten aus Japan ein neues UKW-Funkgerät mit eingebautem AIS-Anzeige-Monitor. AIS (Automatic Identification System) ist ein internationales Identifikationssystem, was für alle Personenschiffe verpflichtend ist und für Cargoships ab einer bestimmten Tonnage. Es funkt die Position des betreffenden Schiffes, seinen Kurs, seinen Namen und noch einige andere Daten, die so von anderen mit diesem System ausgerüsteten Schiffen auf der digitalen Dseekarte dargestellt werden können und damit Kollisionen vermeiden helfen soll, weil Entfernung und Kurs der anderen Schiffe permanent auch bei Nebel und nachts zum eigenen Schiffsort dargestellt werden. Für mich vor allem bei Nacht, wo die Kurse anderer Schiffe nicht so einfach zu bestimmen sind, ein Sicherheitsmoment und mein altes Seefunklgerät hatte auch sachon 40 Jahre auf dem Buckel und wäre nicht mehr reparierbar.


Es gab also eine lange Arbeitsliste, die in den nun folgenden Tagen abgearbeitet werden musste.


Mast stellen / (Auto)-Sicherungen besorgen und Holzleisten – weite Wanderung in einen der am Stadtrand liegenden Baumärkte / Battery-Watch installieren / neuen Fahnenmast aus einem Besenstiel machen / Zwei-Farben-Positionslampe montieren / Lager für Pinnenpilot überlegen und bauen / Tankentlüftung neu legen / Bilge leerpumpen / Leinenschap klarieren und ausmustern / Mastlager verstauen / Segellast neu ordnen und ausmustern / Blitzlicht im Mast-Top überprüfen – funktioniert nicht / Lager für Pinnenpilot bauen / Schuhschap mit einem Zwischenbord versehen / Stromanschluss für Pinnenpilot planen / NMEA-Anschluss für den Pinnenpilto legen und sauber verkabeln / NMEA-Anschluss für den neuen AIS-fähigen UKW-Sender legen / UKW-Sender montieren / dabei die ganze Instrumentenwand des Kartentisches neu aufbauen und verkabeln / Entlüftungsschlauch für den Tanbk höher legen / CD-MP3-Radio verkabeln und montieren / Seeankergeschirr montieren / Warn-Sirene montieren / Taschen beim Kartentisch und in der Hundekoje anbringen / Bolzen am Mastkoker absägen, weil er so überstehend eine Verletzungsgefahr darstellt / Zuleitung zur Zwei-Farben-positionslampe auf Fehler prüfen und reparieren / Achterlicht funktioniert nicht – Steckdose nach 40 Jahren einfach aus Altersschwäche zusammengebrochen – neue Steckdose kaufen und montieren – habe dafür einen ganze Tag gebraucht und einige neue unter Deck auszuführende Körperstellungen entdeckt – erstaunlich, wie klein man sich machen kann.


Wenn man bedenkt , unter welchen Arbeitsbedingungen manche dieser Arbeiten auszuführen sind, in welche verwinkelten Körperstellungen man auf einem Schiff da hineinkriechen muss, dann wird vielleicht klar, dass für nur eine dieser Arbeiten manchmal ein ganzer Tag gebraucht wird.



Am Freitag bin ich zu Freunden nach Rostock gefahren um dort einige ausgemusterte Segel und Elektronik zwischen zu lagern und stellte dort zu meiner Freude fest , das am WE gerade das FiSH-Film-Festival lief und hab mich natürlich sofort auf die Filme gestürzt.


Die AIS-Anzeighe meines UKW-Gerätes, gekoppelt mit dem Plotter, zeigt mir in den zwei Ringen, die 5 und 2,5 NM Entfernung zeigen, meinen momenttanen Schiffsort in der Mitte mit Sicht in Kursrichtung und die beiden kleinen Kreise mit jeweils einem Richtungspfeil geben die in dieser Entfernung sich befindlichen Schiffe mit AIS an, ihren Kurs und Geschwindigkeit und in den zusätzlichen Angaben am Rand Name des Schiffes und ich kann sie mit der Taste call direkt anfunken.

 

04_05_wolgast_kranen.JPG

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Published on Mai 15th, 2011 @ 12:47:38 , using 222 Wörter,
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04_05_wolgast_kranen.JPG

 

04_05 Wolgast

Am Mittwoch 14:30 hängt MISS SOPHIE am Kran und ist gleich darauf im Wasser.

Die in der Werft frostfrei gelagerten Lebensmittel mussten nun an Bord gebracht und verstaut werden – 4 Bananenkisten voll.

Das Ablegen wurde dann noch bei dem auflandigen Wind eine knifflige Sache. Hinten hängt mein liegender Mast drei Meter über dem Heck hinaus, es war sehr eng dort an der Kranstelle, und beim Ablegen ging es um Zentimeter, die ich brauchte, um vom dortig liegenden Zollkreuzer freizukommen – aber mein Windex, der oben im Masttopp angebrachte Windrichtungsanzeiger, hatte doch wohl ganz kurz Berührung mit dem Schiff, denn er war etwas schief. Also erst mal kurz an die Anlegestelle, das Schiff so vertäut, dass ich hinten an den Masttopp kam und die Sache in Ordnung gebracht und gleich wieder weiter in eine Box – und dieses Anlegemanöver war dann allerdings Filmreif: Gegen den Wind in die Box gefahren, einen Festmacher über den Dalben geworfen und nach vorn zum Bug gegangen – und mit dem letzten Schub schob sich MISS SOPHIE dem Steg entgegen und fast befürchtete ich schon, sie würde 50 Zentimeter vor dem Steg verhungern, aber nein, mit einem kleinen leichten Säufzer schob sie sich noch 40 Zentimeter näher und ich konnte auf den Steg springen und die Vorderleinen belegen – Super. Sowas gelingt einem aber auch nur einmal im Leben.

SUPER. ENDE.

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Published on August 29th, 2010 @ 22:40:21 , using 809 Wörter,
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SUPER. ENDE.
SUPER. ENDE.
SUPER. ENDE.

Der Wecker piepte um 07:00 Uhr und ich sah mir noch die Reste vom Sonnenaufgang an, der einen interessanten Segeltag versprach. Es war ein glorreicher Sonnenaufgang mit vielen Rot- und Orangetönen und zarten blauen Anteilen.

Und er wurde interessant.

Denn bis ich um 08:00 Uhr die Leinen löste, hatte sich der Himmel längst erwartungsgemäß in einen Schlechtwetterhimmel verwandelt (Morgenrot am Morgen, bringt dem Seemann Not und Sorgen), der Wind kam aus SW mit 4 - 5 Windstärken und das bedeutete zunächst halben Wind, dann in der Bockrinne sehr spitz gegenan und danach achterliche Winde.

Ich musste die Zecherinbrücke mit ihrer Öffnungszeit um 11:45 kriegen und das waren ca. 10 sm. Ich zog die Fock hoch und MISS SOPHIE stoop mit 4 - 5 kn los.

Mehrere wolkenbruchartige Regenschauer mit entsprechenden Windböen zwangen mich mehrfach unter die Cockpitpersenning, aber dass das T-Shirt-Segelwetter vorbei war, war mir ja eh klar und ich saß warm eingemummelt in meine Feuerwehrjacke im Cockpit.

Vor der Brücke war ich um 10:00 Uhr, weil ich mit diesem Wind und dieser Geschwindigkeit nicht gerechnet hatte und kreuzte ein bischen vor ihr hin und her, um die Zeit zu überbrücken - feilte noch ein bischen an meiner Technik beim kreuzen: die Fockschot loszuwerfen und auf der anderen Seite zu holen und gleichzeitig die Pinne zu bedienen, was, wenn viel Windkraft auf Segel kommt, manchmal eine Sache von Sekunden ist, bis die Sache aufwendig, kraftraubend und langwierig wird. Denn ich muss mich dafür von der einen Bordseite auf die andere begeben, gleichzeitig die Pinne in die richtige Führung bringen und sofort die freigegebene Fockschot ergreifen, um die Winsch legen und dichtzuholen, was bei dieser Windstärke nur unter Aufbietung aller Kräfte geht, die aber zudem nicht in optimaler Arbeitshaltung operieren können.

Naja - vielleicht nur für Segler interessant.

Die Brücke öffnete und ab hier erwarteten mich halbe Winde und ca. 17 sm, und ich fing an zu rechnen, ob ich es wohl bis zur Brückenöffnung um 16:45 in Wolgast schaffen würde - die nächste Öffnung war dann um 20:45. Denn zwischendurch schlaffte der Wind auf 3, kurzzeitig auch auf 2 Windstärken ab, fing sich aber immer wieder auf 4-5, und so war ich ununterbrochen damit beschäftigt, auszurechnnen, ob ich es wohl schaffen würde oder nicht.

Ich hatte mir eine Messlatte gesetzt: Würde ich bis zur Einfahrt in die Negenmark-Rinne bis 15:30 sein, wäre das Problem gelöst.

Als ich dicht unter der Küste der Halbinsel GNIT segelte, sah ich plötzlich über mir drei Seeadler sehr sehr weit oben, die ohne ihre Flügel zu bewegen, in immerwährenden Kreisen über dem Wasser und später dann auch über dem dortigen Weißen Berg kreisten.

Es liegt etwas sehr majästetisches in diesen Bewegungen, weil sie eigentlich keine Bewegungen sind und trotzdem als Bewegungen erscheinen und ja auch wirklich sind.

Es hat etwas mit dem Segeln zu tun: Auch da tue ich im eigentlichen Sinne auch nichts, ausser das ich die Pinne ein wenig in die eine oder andere Richtung bringe, aber das Schiff, auf dem ich mich durch die Welt bewege, stürmt voran, ohne das ich etwas dafür direkt tue: ich lasse machen, ich habe den Trick raus, den Wind für mich arbeiten zu lassen - so die die Geier da oben -  ach, tschuldigung, die Seeadler da oben. Und das hat etwas unglaublich faszinierendes: die Elemente für sich arbeiten zun lassen.

Wieder zwang mich ein wahrer Wolkenbruch unter die Persenning, aber MISS SOPHIE schoss wieder los, dann schlaffte der Wind wieder ab und ich setzte zusätzlich das Großsegel - sofort machte ich anderthalb bis zwei Knoten mehr speed und konnte zudem die sehr spitze Höhe in der Negenmark-Rinne halten, die zudem auch sehr sehr schmal ist. Um 15:30 war ich vor der Brücke in Wolgast und hatte nun die Gelegenheit, bis zur Öffnung um 16:30 noch meine Segel in der jetzt aufkommenden Sonne zu trocknen - 1 Stunde hin- und herkreuzen vor der Peene-Werft.

Das war ein Segelabschluss, wie ich ihn mir gewünscht habe - Motor nur zum Ab- und Anlegen und ansonsten alles alles unter segeln - und zudem kann ich mir heute sagen, seglerisch alles prima gewesen. Nach 10 Stunden an der Pinne um 18:00 in Wolgast fest.

Morgen Mast legen, Motor winterfest machen, Segel zusammenlegen, Lebensmittel ausräumen, Sachen packen, Dienstag dann MISS SOPHIE an Land heben, einpacken und am Mittwoch nach Bremen, am Donnerstag dann mit Hellgar und Bernhardt in die Dolomiten, kraxeln (wandern) zwischen 2000 und 3000 Meter Höhe. Und danach versuche ich wieder in meinen Arbeitsalltag einzutauchen und ich kann mir im Moment garnicht vorstellen, wie das ohne den leicht schaukelnden Schiffsboden von MISS SOPHIE gehen soll.

Ich danke allen Lesern und Leserinnen für ihre Aufmerksamkeit und würde mich freuen, euch alle im nächsten Jahr ab Mai wieder auf dieser Seite versammelt zu sehen. Da geht es dann über Polen nach Estland und Lettland - na ja, und das eine oder andere Buch wird auch hier erwähnt werden und der eine oder andere  Gedanke angestoßen durch das Deutschlandradio Kultur wird man dann auch wieder hier finden können.

Bis dann. Machts gut. Tschau.


 

 

... auf dem Weg ins Winterlager

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Published on August 28th, 2010 @ 15:17:32 , using 446 Wörter,
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... auf dem Weg ins Winterlager
... auf dem Weg ins Winterlager
... auf dem Weg ins Winterlager
... auf dem Weg ins Winterlager
... auf dem Weg ins Winterlager

Zurück ins Winterlager


Die Sturmtage in Svinoujscien habe ich genutzt, an einem Abend einem angekündigten Jazzkonzert im örtlichen Jazzclub beizuwohnen.

Als ich da um 22:00 aufschlug, war gerade eine Rockgruppe noch am arbeiten und dann um 23:00 zur angekündigten Zeit wurden auf der Bühne selbstgeschriebene Texte von jungen Leuten deklamiert - so eine Art Slam-Poetry, die hier anscheinend zu einer Theater- oder Performanceveranstaltung, die über mehrere Tage ging, angereist waren – soviel konnte ich den polnischen Texten entnehmen. Das was da an Performance geboten wurde, war aber mehr oder weniger schlecht – bis zwei Jungs die Bühne betraten und den Vogel abschossen. Sie haben zu einem jazzigen Instumentalstück eine szenisch-pantomimische Performance geliefert, in dem sie die Musik als Instrumentalisierung eines Streites zwischen ihnen beiden inszenierten – und das war sooooo gut gemacht, dass es nicht nur mich von den Stühlen riss.

Irgendwann dann die Siegerehrung und dann um 02:00 der Jazz: Jazzrock vom allerfeinsten, wie ich ihn wohl so schnell nicht wieder hören werde, denn ich weiß noch nicht einmal den Namen der Gruppe, werde das aber noch versuchen zu recherchieren, denn alle waren hervorragend, aber der Gitarrist im besonderen. Die Seite ist nur auf polnisch im netz (unter FAMA swinoujscie) - also keine Chance, da was zu verstehen. Mal sehen, ob ich in Bremen jemanden auftreibe, der polnisch kann und vielleicht den Namen dieser Jazzrockgruppe herausbekomen kann - ich hätte sehr gerne eine CD von ihnen.

Um 5 war ich wieder auf MISS SOPHIE und machte um 09:00 die Leinen los.


Nach dem tagelangen Sturmgeheul der nun anfänglich sehr moderate Wind SW; als ich nach dem Kaiserkanal nach Westen abbog, wurde er zu W, wurde schwächer und ein Aufkreuzen irgendwann nicht mehr möglich, weil hier die Stellnetze bis dich an das betonnte Fahrwasser der Großschiffahrt führen.

Aber immerhin war es trocken und leidlich warm.


Um 19:30 dann in Mönkebude fest, wo am WE ein Haffseglertreffen stattfindet.

In der Nacht dann fiel das Barometer innerhalb von 8 Stunden um 10 Hektopascal und lieferte mal wieder 6 Windstärken verbunden mit einem 14 Stunden dauernden Regen, der nirgends angekündigt war und wohl ein sehr kleinräumiges Ereignis dieser Hafflandschaft gewesen sein muss.

Heute kommt der moderate Wind aus NW, aber morgen soll er auf SW gehen und darauf warte ich noch einen Tag, aber länger nicht, denn am kommenden Donnerstag muss ich in Nürnberg sein.

Also noch ein paar Tage auf MISS SOPHIE, dann muss ich sie in Wolgast winterfest einpacken, saubermachen und meinen Seesack schultern.

Hier im Hafen ist ein altes traditionelles Zeesboot beheimatet, dass einen Fährdienst nach Usedom betreibt und von vielen Fahrradtouristen genutzt wird.

Inzwischen regnet es hier schon wieder und es bollert dazu ein Gewitter und in der Nacht geht die Temperatur hier bis auf 14 Grad runter.



 

Der Herbst kündigt sich an

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Published on August 25th, 2010 @ 17:42:45 , using 397 Wörter,
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Der Herbst kündigt sich an

Seit Tagen ist Schlechtwetter: für morgen sind beim Hafernmeister bis zu 10 Windstärken angekündigt  - der Herbst schickt seinen ersten Herbststurm: W - SW 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10.

In der Nacht hatte ich das Gefühl, als würden manche Böen wirklich auf die Masten der hier im Hafen liegenden Yachten einprügeln, besonders  natürlich auf die von MISS SOPHIE, denn die spührte ich körperlich, wenn wie ein Faustschlag eine Böe den Mast traf und sich MISS SOPHIE auf die Seite legte und die Festmacher aufgequält kreischten.

Ich stürze mich wieder in den Roman: Wir Ertrunkenen.

Denn er stellt nebenbei eine existenzielle Frage: was lernen Menschen und vor allem Menschengruppen, so, wie sie die Bevölkerung von Marstal eine solche Menschengruppe darstellt, aus dem, wie sie ihr Leben unter den jeweils gegebenen Umständen gestalten oder von den Umständen gestalten lassen? Und kann daraus irgendeine ethische, moralische, gesellschaftspolitische Konsequenz gezogen werden? Nein. Und doch Ja.

Nein in dem Sinne, dass es vielleich ein Lernen aus der Geschichte nur in sehr sehr kleinen, räumlich und zeitlich überschaubaren Räumen möglich ist und zudem jeder Mensch mit anderen Brillengläsern auf diese Welt sieht (auch wenn er sich einer Wissenschaft verpflichtet fühlt und versucht in ihren Kategorien zu denken - es bleibt eine von seinen Eigenarten gefärbte Art Wissenschaft). Das klingt alles sehr platt - wenn man es aber aus den Figuren dieses Romans heraus füllt, dann ist es eine prall mit Leben gefüllt Plattheit, die dann überhaupt nicht mehr platt ist und vielmehr die Wissenschaft zu einem kargen, leblosen Knochengerippe werden lässt.

Fast alle Figuren in diesem Roman scheitern in ihrem Lernen in ihrem Leben.

Aber wie sie scheitern, gerade das lässt sie zu Menschen werden, die in anderen Menschen ihre Brüder und Schwestern entdecken und darin liegt (für mich) das Lernen in der Menschheitsgeschichte: nicht in den jeweiligen Utopien einer Zeit, sondern in dem Entdecken und dem hinterherforschen, "dass es im Menschen etwas soziologisch Undefinierbares gibt, das uns mit allen anderen verbindet und die Triebkraft ist, wenn wir lesen und wenn wir schreiben: Der Drang, einen sich weit erstreckenden inneren Kontinent zu erforschen." (Carsten Jense).

Wir sind uns selbst ein Kontinent.

Und ihn zu erforschen, darum geht es. Und das geht nur, in dem wir in der Welt leben. Voll und bei, wie der Seemann sagt.

Ich muss mich jetzt mal langsam um meinen Winterliegeplatz kümmern.

Um mich in Bewegung zu halten, bin ich zum Strand gelaufen und dort lang fast bis Zinnowitz.

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