von Jörg Streese

sonne, wind und regen

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Published on August 8th, 2010 @ 01:36:20 , using 587 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
sonne, wind und regen
sonne, wind und regen
sonne, wind und regen
sonne, wind und regen

Diese Zeilen stammen ausnahmsweise nicht von Jörg, sondern von mir (Caro), weil Jörg mich angesichts meiner ersten Segelerfahrungen, die ich heute sammeln durfte, zur zeitweiligen freundschaftlichen Übernahme seines Blogs zwingt ;). Und auf meinen Einwand hin, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben soll, entgegnete er nur: Das weiß ich auch nie...

Jörg meint, dass es ihn mit einem unbändigen Stolz erfüllt, wenn er nur mithilfe der elementaren Kraft des Windes ein Fünf-Tonnen-Schiff fortbewegt. Ob ich das auch so empfunden habe, fragt er mich rückblickend. Nein, eigentlich nicht. Warum nicht?! Zum Einen war ich während des Segelns mit meinen Aufgaben heute voll beschäftigt, sodass ich relativ wenig Zeit an philosophische Gedanken jedweder Art verschwenden konnte. Zum Anderen fühlte es sich trotz Unsicherheit irgendwie ganz vertraut und selbstverständlich an. Dass es sich um fünf Tonnen handelt, war in dem Moment unbedeutend. Kein Stolz also, nur Konzentration und ein wenig Zufriedenheit, wenn ein Manöver gelungen ist. Aber auch nur etwas, denn der Prozess des Lernens hat gerade erst begonnen und ich freue mich eher darauf, mehr und mehr zu lernen und zu können, als dass ich mich jetzt schon zufrieden geben könnte.

Eine kleine Analogie: Fährt man eine Wende, wechselt das Segel von der einen auf die andere Seite des Boots. Nach einer ganz kurzen Phase des Flatterns, in der die Schot (das Seil) auf der einen Seite los gemacht und auf der anderen Seite noch ohne jeglichen Widerstand herangezogen wird, bekommt man das Segel irgendwann spürbar zu fassen. Der Wind bläht es jetzt auf und es ist an dir, deine Kraft gegen die Kraft des Windes zu setzen, bzw. durch deine Kraft die Kraft des Windes zu nutzen. Es gilt, die Schot mitsamt dem Segel rasch straff zu ziehen, sodass Segel und Wind optimal arbeiten können. Man könnte jetzt sagen, als Jörg mir vom Segeln erzählte, setzte bei mir so eine Art Flattern ein. Jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich die ganze Angelegenheit in meinen eigenen Händen spüre. Aber die Arbeit, das Heranziehen, ist noch nicht erfolgt. Das kommt erst noch. Und folglich freue ich mich auf Lernen und Arbeit und hoffe, dass ich alles Notwendige schnell begreife.

Obligatorisch, jetzt aber noch einige Infos zum Tag:

Wir haben etwas länger geschlafen und sind nach einer kleinen Einführung für mich um 12:50 Uhr durch die Wolgaster Klappbrücke nach Krummin gesegelt. Um 15 Uhr kamen wir an. Nachdem unsere Nachbarn im Hafen den fünften Eimer Wasser aus ihrem Boot geschippt hatten, fragten wir dann doch mal nach, was sie da eigentlich tun. "Ja, wir verstehen das auch nicht. Das Wasser sollte eigentlich nur draußen sein", bekamen wir zu hören. Nach dieser lustigen Begegnung und einem späten Mittagessen (Reste von gestern) erkundeten wir den Ort, der früher mal ein Kloster und ein Gut sein Eigen nennen konnte. In der alten, schlicht renovierten Kirche spielte ein Mann Orgel. Im Café Naschkatze gab's Stachelbeerbaiser-Kuchen und Gespräche über's Wetter. Zurück auf dem Boot ging es erst um Börsenmakler, das menschliche Belohnungssystem und all die gesellschaftlichen und individuellen Probleme, auf die man von so einem Thema her zwangsläufig kommt, bevor ich Jörg zum Stadt-Land-Fluss-Spielen überreden konnte. Zum abendlichen Wein aßen wir etwas Käse bis wir begannen, die Fotos vom Tag durchzuschauen, Jörgs Laptop-Chaos zumindest etwas in Ordnung zu bringen und den Blog zu schreiben.

Ich weiß jetzt übrigens, weshalb Piraten Tücher um den Kopf tragen! Die Haare sind schlicht und einfach störend bei all dem Wind. Und so ein Tuch ist genial, um sie sich vom Leib, naja, ich meine vom Gesicht fern zu halten... ;)

caro on bord

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Published on August 7th, 2010 @ 00:47:05 , using 387 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
caro on bord
caro on bord
caro on bord

15:35 Uhr sollte sie ankommen. Sie kam 16:35 Uhr. Verspätung des Zuges in Stralsund.

Denn plötzlich klingelte bei mir das Handy: Jörg, wo bist du? Ich: Ja, ich bin auf Miss Sophie. Ja, ich bin schon hier. Ich: Ja, wieso das? Du hast doch gesmst du kommst 'ne Stunde später. Ja, ist doch jetzt auch 16:35 Uhr.

Ich: Oh Scheiße.

Acht Minuten später haben wir uns in den Arm genommen. Das war ein Wiedersehen! Wir haben erstmal lange auf der Bank am historischen Hafenbecken von Wolgast gesessen und erzählt und erzählt und erzählt. Caro hat mir die Grundlagen der Meteorologie erklärt (frisch angelesen im Zug). Wunderbar. Jetzt versteh ich manches besser.

Dann sind wir ein bisschen in die Altstadt von Wolgast getrödelt, haben noch einmal unter unseren Füßen den Jahrhunderte alten Natursteinbelag der Gässchen spüren können und sind langsam zum Yachthafen gestromert. Dann hat Caro zum ersten Mal ihren Fuß auf Miss Sophie gesetzt. Und ich habe ein wunderschönes Geschenk bekommen. Nämlich: "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen.

________________________

Miss Sophie das erste mal zu betreten war schön, aber auch ganz schön wackelig. Schon allein durch den Yachthafen, vorbei an den anderen Bootsleuten und auf dem Steg zwischen den Booten entlang zu laufen war aufregend. Ich treffe da auf eine ganz neue, fremde Welt.

Als erstes habe ich eine kleine Bootseinführung erhalten. Als allererstes zeigte mir Jörg die Essensvorräte und alle Küchenutensilien. Ich glaube er möchte gern mal bekocht werden... ;) [Jörg: Hey, ich tue nichts lieber, als auf Miss Sophie zu kochen und Gäste zu bewirten!] Ok, Jörg meint, das hat was von einem Burgherren, der seine Gäste gut aufgehoben und bewirtet wissen will... Danach bekam ich zu meiner Beruhigung auch alle möglichen Gerätschaften an Bord erklärt: Echolot, Kompass etc. Und gekocht haben wir anschließend gemeinsam: Von mir mitgebrachter Salat mit frisch gehackter Petersilie und Keimlingen. Dazu Püree aus roten Linsen zu Blumenkohlröschen, Möhrchen, Zucchini, Knobi und Zanderfilet.

Nun ist es 0:05 Uhr. Wir sitzen immer noch in der Plicht von Miss Sophie und schreiben gemeinsam. Naja, Jörg diktiert (seinen Teil) und Caro tippt (dank 10-Finger-System auch ohne Licht möglich). Zwischendurch beobachten wir den Sternenhimmel, kontrollieren mithilfe einer Sternenkarte, ob oben auch alles in Ordnung ist und trinken ein paar Gläschen Rotwein. Und während Jörg sich gleich noch in ein Buch vertiefen wird, lässt sich Caro vom sanften Schaukeln in den Schlaf wiegen.

Steg-Musik

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Published on August 4th, 2010 @ 14:04:42 , using 132 Wörter,
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Steg-Musik

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet und ich hatte viel Zeit, meinen Haarschneider zu reparieren - eine diffizile Arbeit, aber geschafft.

Heute Morgen kam dann die Sonne wieder durch und auf dem Steg wurde plötzlich Musik gemacht - super die beiden.

Gerade rief Caro an und kündigt ihr Kommen für Freitag an. Dann bleibe ich hier in Wolgast, weil das bahntechnisch gut zu erreichen ist und wir werdenn dann zusammen Usedom umrunden und wahrscheinlich noch Polen aufsuchen.

Ich werde die Tage nutzen und mich auf meine Lehrerfortbildung vorbereiten.

Heute Abend gibt es geräucherten Goldbarsch, dazu drei Möhren, fünf Kartoffeln und einen kleinen Salat und einen trockenen französischen Landwein und ich werde wir dabei abschließende Gedanken zu dem Wellershoff-Roman machen, der das Thema eines meiner Lieblingsbücher variiert: Goethes Wahlverwandschaften. Morgen dann dazu mehr

 

auf dem Peenestrom zur Hansestadt Wolgast

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Published on August 4th, 2010 @ 13:54:51 , using 304 Wörter,
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auf dem Peenestrom zur Hansestadt Wolgast
auf dem Peenestrom zur Hansestadt Wolgast
auf dem Peenestrom zur Hansestadt Wolgast

Es sollte der Wind aus Nord-West wehen, er kam aber aus Ost-Nord-Ost, also sehr spitz für den Peenestrom - aber es war auch nicht viel Wind und ich bummelte so mit der Fock den Peenestrom lang. Ein beschaulicher, ruhiger, besinnlicher Tag auf dem Wasser - hier mal dem Fischreiher Guten Tag gewünscht, dort über mir dem sehr großen Raubvogel, der in nicht endenwollenden Kreisen sich höher und höher schraubte, zugewunken, ab und zu unwillkürlich den Kopf ein wenig eingezogen, wenn mal wieder die Schwalben und Mauersegler über mich wegtobten, dann durch eine Armada von Seeschwalben hindurchgeplätschert, die wohl eine Beutestelle entdeckt hatten und dann wieder in völliger Stille dahingeduselt, nur ab und zu das Plätschern des Bugs durch das Wasser. Vorbei an den sanften Hügeln des Ufers, in denen das Gold der Weizenfelder in der Sonne glomm und damit das kräftige Grün der Wälder dahinter verstärkte und zum Peenestrom hin durch das flirrige Grün des Schilfs abgerundet wurde und natürlich kommen mir jetzt die Bilder von Caspar David Friedrich in den Sinn - das hier war seine Landschaft.

In Wolgast dann in den Yachthafen der Schiffswerft Horn, direkt vor der Peenebrücke, die sehr nett sind und einen professionellen Service anbieten. Möglicherweise lasse ich mein Schiff hier über den Winter.

Am späten Nachmittag geht dann ein Gewitter durch mit wolkenbruchartigem Regen.

Wolgast ist übrigens Hansestadt gewesen und zwar eine der ersten überhaupt und ist eine Kleinstadt, die gerade dabei ist, wieder etwas mehr Bedeutung zu bekommen durch die Peenewerft, die mit 1000 Beschäftigten hier der größte Arbeitgeber ist und ebenso unübersehbar mit ihrer riesigen Halle ist wie die burgartige St.Petri-Kirche, die den Stadtmittelpunkt darstellt - auf sie laufen mehr oder weniger alle Straßen (besser Gäßchen) zu.

Abends Steinbeißer kleingewürfelt, im WOK auf kleinen Brokoliröschen, einer Zwiebel, zwei Möhrchen, drei Knoblauchzehen und dazu Reis. Hat noch für den nächsten Tag gereicht.



Heeresversuchsanstalt Peenemünde

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Published on August 3rd, 2010 @ 18:22:39 , using 623 Wörter,
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Heeresversuchsanstalt Peenemünde
Heeresversuchsanstalt Peenemünde
Heeresversuchsanstalt Peenemünde


Heute also Peenemünde, d.h. das, was von der Heeresversuchsanstalt heute noch übrig ist.

Mit der kleinen Fähre von Köslin nach Peenemünde - und ich ging davon aus, dass die letzte Fähre gegen 20:00 laut Hafenmeister fahren würde. Das aber sollte dann zum Schluss noch eine kleine Überraschung werden.

Ich hatte von Peenemünde und der dort entwickelten V2 nur sehr vage und zudem falsche Vorstellungen. Vor allem über die Größe dieser Forschungs- und Entwicklungsanlage. Sie erstreckt sich über den gesamten Norden der Insel Usedom, ein Gebiet von ca. 25 Quadratkilometern, das übersät war mit Gebäuden und Forschungsanlagen, einer eigenen S-Bahn, die zu den Arbeitszeiten 4000 Arbeiter und ca. 700 Angestellte befördern musste und einem Steinkohle-Kraftwerk, das das modernste der damaligen Zeit war. Das Projekt stellte das größte damalige Technologiezentrum der Welt dar - und wurde damit zur Geburtsstelle der Weltraumfahrt. Zugleich war es das Zentrum eines militärisch-industriellen Komplexes, denn nur durch die Zuarbeit von vielen kleinen und mittelständischen Spezialbetrieben konnten die Forschungs- und Entwicklungsleistungen aufgebracht werden, die mit der Entwicklung einer weltraumfähigen flüssigkeitsbetriebenen Rakete verbunden waren, die aus mehr als 20.000 Einzelteilen betstand. Dabei waren richtungsweisende Entwicklungen notwendig: Wie die notwendigen Sauerstoff- und Alkoholmengen innerhalb des Verbrennungsprozesses gepumpt werden können, wie die Temperaturdifferenzen zwischen + 480 Grad und + 180 Grad materialmäßig bewältigt werden und vor allem wie die Steuerung der Rakete aussehen kann, einschließlich der Lenkung des Feuerstrahls, der 2700 Grad heiß war.

Und ich hatte gedacht, na ja, also das war der Versuch, mit der Entwicklung dieser "Wunderwaffe" dem Krieg noch eine andere Wendung geben zu können und habe es immer als noch in der Entwicklung verstanden. Das aber die V2 längst in Serie gebaut wurde und ca. 900 dieser Raketen auf London abgefeuert wurden und unter der Bevölkerung Angst und Schrecken und Tot verbreitete , weil es gegen diese Waffe keine Abwehrmaßnahmen geben konnte, weil sie die Strecke von 300 Km in 5 Minuten bewältigte, diese Erkenntnis habe ich erst hier bekommen.

Und die gesamte technisch-wissenschaftliche Belegschaft, von Werner von Braun angefangen, wusste über die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen der KZ-Insassen, die hier und vor allem im KZ "Dora" Mittelbau ihr Leben für den Bau dieser Waffe lassen mussten.

Aber nach dem Krieg haben sich die Westmächte und die Sowjet-Union an dem hier entwickelten Wissen  und an den beteiligten Mitarbeitern gütlich getan: Frankreich baute seine Raketenforschung mit deutschen Fachleuten auf, die Amerikaner sowieso und auch die Sowjetunion  - sie alle bauten auf der hier entwickelten Raketentechnik auf und statteten sich mit den Fachleuten aus Deutschland aus.

Das Bild zeigt die Kraftwerkhalle.

Das Museum selbst ist ausgesprochen ästhetisch und wie ich finde gelungen und und man darf nicht dem Bedürfnis nachgehen, alles lesen und würdigen zu wollen, es ist einfach zu viel.

Als ich dann gegen 18:00 zum Fähr-Anleger zurück schlenderte, musste ich zu meinem Entsetzen dort lesen, dass die letzte Fähre gerade eben weggefahren ist - ohne mich.

Was tun?

Hier ein Zimmer nehmen, konnte ich nicht, denn soviel Geld hatte ich nicht dabei, und meine Scheckkarte war auf MISS SOPHIE. Ein Taxi würde noch teurer werden. Eine Nacht draussen zu verbringen, würde vermutlich mit einer Lungenentzündung enden.

Gab es noch weitere Möglichkeiten? Ich setzte mich erst mal an den Kai und überlegte. Vielleicht einen der Fischer fragen, ob er mich übersetzt. Da sah ich ein kleines Schlauchboot in den Yachthafen einfahren, ein Vater mit Tochter uind Sohn. Ich sofort losgelaufen und ihnen mein Problem geschildert.

Ja, das kriegen wir schon hin. Wir sollen uns hier nur mal eben umgucken und sind in einer halben Stunde wieder da.

Na Wunderbar.

Nach einer halben Stunde waren sie dann auch da und wir schipperten los - und wohin fuhren sie?

Zu ihrem Schiff, und das lag inzwischen direkt neben MISS SOPHIE.

Salat, Tortiglioni mit Pesto und Parmesan und einen roten Pfälzer Landwein und dazu Dieter Wellershoff: Der Liebeswunsch - (bis früh am Morgen)

 

Auf nach Usedom

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Published on Juli 31st, 2010 @ 11:03:52 , using 235 Wörter,
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Auf nach Usedom
Auf nach Usedom

Gestern habe ich den ganzen Tag versucht, einen Trojaner, den ich mir eingefangen hatte (TR/PSW.Papras.AB) wieder loszuwerden,   was mir aber nicht gelungen ist.

Der Wetterbericht für heute W - SW 4-5, danach SW - S 3-4 an, genau richtig, um nach Usedom zu kommen.

Also um 10:30 los, um 11:00 durch die handbetriebene Klappbrücke in Wieck und dann kam erstmal Flaute.

Als dann Wind kam, kam er aus Ost-Nord-Ost, also genau daher, wo ich hinwollte.

Na gut, dann kreuzen wir eben.

Der Wind nahm zu und pendelte sich auf 4-5 ein, und je höher ich mich an den Peenestrom hocharbeitete, desto langsamer wurde ich und musste feststellen, dass der ENE durch die Landenge zwischen Usedom und Rügen beim Peenemünder Haken erhebliche Mengen Wasser in den Greifwalder Bodden trieb und hier einen Strom von ca. 2  Knoten erzeugte.

Ich kreuzte mir die Seele aus dem Leib, auch, weil durch das Aufkreuzen die zu segelnde Strecke sich verdreifacht.

Bei dem ehemaligen Leuchtturm und der Ansteuerungstonne für den Peenestrom musste ich dann James zu Hilfe nehmen, was ich ja in der offenen See gar nicht liebe, aber hier wurde die betonnte Einfahrt in den Peenestrom doch sehr sehr schmal, was den Einsatz von James wieder rechtfertigte.

In Freest war Jahrmarkt und ich hatte keine Lust auf eine Nacht mit Umta-Umta-Musik und bin weitergelaufen nach Köslin, direkt gegenüber von Peenemünde - und dort wollte ich morgen eine Besichtigung machen. Fest um 18:30.

Abends fangfrisch geräucherte Flundern mit Champingnongs.

FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz

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Published on Juli 29th, 2010 @ 18:30:12 , using 368 Wörter,
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FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz
FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz
FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz
FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz
FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz
FUSK, Koeppen, Hanse, Mussorgsky, Sibylla Schwarz

Nachdem Björn und Yana mich gestern besucht haben, habe ich  mich heute in den Stadthafen von Greifswald verholt, weil es in den nächsten zwei Tagen richtig wehen soll und zwar aus der Richtung, in die ich weiter will. Das war auch gut so, Greifswald wollte ich mir sowieso anschauen.

Ich komme mit einem Mitarbeiter der Hanse-Yachten ins Gespräch, der mir voller Stolz die Erfolgsgeschichte dieser Greifswalder Yachtbauwerft erzählt.

Vor 15 Jahren angefangen, sind sie jetzt eine der ganz großen - Dehler aufgekauft, und daran hängt wohl auch Bavaria, Moody in England aufgekauft und selbst bestens im Geschäft.

Beim bummeln durch die Stadt entdecke ich eine Boris Godunov-Einspielung auf drei CDs für 8 EUR, die sofort gekauft wird, denn diese Oper habe ich schon lange nicht mehr gehört, alldieweil ich eine wundervolle Aufnahme auf Tonband habe, aber diese Geräte schon lange nicht mehr funktionieren. Eine ungemein fesselnde Musik.

Abends dann ins Koeppenhaus, Jazz. Das Wolfgang Koeppen, der wohl neben Arno Schmidt wichtigste Schriftsteller der 50ziger Jahre in Greifswald geboren wurde, war mir auch neu. Er hat hier ein schönes Domizil in einem Haus gefunden, in der viele Fotos und Schriften von ihm  ausgestellt sind und ein lebendiger Raum für kulturelle Veranstaltungen zu sein scheint.

Der kleine Veranstaltungsraum war mit 100 Personen bis auf den letzten Stuhl belegt, was bei einer solchen Jazz-Formation wie die dänisch-deutsche  Gruppe FUSK nicht selbstverständlich ist. Deren Rhythmen sind so komplex, dass ich nicht einmal herausbekommen habe, wo die 1 ist - obwohl ich selbst (leidlich) Saxophon spiele. Und es war mir auch nicht möglich, irgendwelche Strukturen in ihren Klangwelten zu entdecken - nur virtuos sind sie alle und haben sich zugleich die Seele aus dem Leib gespielt. Musikalisch ausgedrückte Emotionen, die in kühlen Kopfstrukturen toben.

Ja, und dann entdecke ich noch bei meinem Bummel durch die Stadt an der verfallenden Fasssade eines alten Hauses ein Gedicht. Und daneben die Inschrift: "Hier wohnte von 1621 - 1638  Sibylla Schwarz".

Eine Barockdichterin, die mit 17 Jahren schon starb und wie ich finde dieses hochmoderne Gedicht neben ca. 200 anderen Gedichten hinterlassen hat, die sie anfing mit 10 Jahren zu schreiben.

Eine Zucchini, eine Zwiebel, zwei Möhrchen, ein paar Knoblauchzehen, eine Tomate, die zwei übrig gebliebenen Kartoffeln von gestern, alles zusammen in den WOK und dazu eine Flasche Rotwein.

Hoch am Wind nach Wieck (Greifswald)

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Published on Juli 27th, 2010 @ 11:27:54 , using 306 Wörter,
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Hoch am Wind nach Wieck (Greifswald)
Hoch am Wind nach Wieck (Greifswald)

Die letzten Tage wehte es hier heftig. Unter den 7, teilweise 8 Windstärken arbeiteten die Schiffe unruhig an ihren Leinen. Gut, dann in einem sicheren Hafen zu liegen.

Also mal wieder Zeit zu lesen.

Die Putbusser Bücher sind jetzt dran: Juri Korolkow: GEHEIME VERSCHLUSSSACHE, ein ungemein spannender historischer Roman über die Entstehung des 2. Weltkrieges, der vor allem in den Kreisen der Geheimdiplomatie spielt und historisch belegt ist. Vor allem das Interesse der westlichen Staaten, England, Frankreich und die USA, Deutschland freie Hand im Krieg gegen die Sowjetunion zu geben, ja es geradezu aufzufordern und dafür Zugeständisse beim Überfall auf Polen, Tschechoslowakei, Dänemark, Norwegen, Belgien, Holland und Frankreich zu machen und dabei immer die jeweiligen Eigeninteressen in den Vordergund zu stellen, war mir inj dieser massiven Form neu. Und merkwürdigerweise findet man im internet kaum etwas über diesen Autor. Könnte es sein, dass er für den Westen nicht genehme Fakten ihrer Geheimdiplomatien hier anschaulich wiedergibt, die man gerne unter den Tisch kehren würde?

wer dazu was sagen kann, ich höre.

Abends dann noch das spannende Hörspiel auf dradio-Kultur von Rolf Schneider: DER DRITTE KREUZZUG, eine wunderbare DDR-Produktion von 1960, der die Verquickungen der Kirche in die Geldmacherei im Mittelalter beleuchtet.

Heute nun sollte es West bis Nordwest 3-4 geben und ich wollte nach Seedorf, was im Süden Rügens liegt, also einen NE-Kurs.

Erstmal hatte ich drei Stunden praktisch Flaute und kroch mit einem Knoten dahin. Aber die Sonne schien und ich hatte ja keine Eile.

Dann gab es Ostnordost 4-5 und ich musste hoch an die Kreuz, weil ich mich wegen der Uhrzeit inzwischen auf Greifswald eingestellt hatte, nicht ganz die Höhe halten konnte und einige Untiefen umgehen wollte, über die ich mir nicht so ganz recht im Klaren war.

Um 18:00 hatte ich die Ansteuerungstonne Greifswald querab, um 19:00 war ich im Stadthafen und um 20:00 hatte ich meinen Liegeplatz gefunden.

Salat mit Sardinen.

Wege. Rügen per Rad.

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Published on Juli 22nd, 2010 @ 00:19:09 , using 654 Wörter,
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Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.
Wege. Rügen per Rad.

Der nette Hafenmeister leiht mir sein Fahrrad und ich mache mich auf, an der Küste auf winzigsten Feldwegen durch diese unglaubliche Rügen-Landschaft zu fahren. Eine solche wohlgefällige Hügellandschaft kenne ich nirgendwo in Deutschland.

Viele Kindheitserinnerungen werden hier wach: wenn ich mit meinem Großvater, der ein "professioneller" Wanderer war (er war in Bremen in den 20ziger Jahren als Ingenieur für die Straßenbeleuchtung zuständig und beständig am Durchwandern der Straßen, um die Leitungsquerschnitte für die entsprechende Beleuchtung im Kopf zu berechnen) am Sonntag durch die Bremen umgebenden Landschaften war, dann waren das Felder, wie ich sie hier wieder gefunden habe: Die Kanten nicht mit dem Lineal gezogen, sondern weich, der Landschaft angepasst; an den Feldrändern sah man Feldblumen so wie hier; und vor allem: Die Wege: nicht einheitliches Betumen sondern mal Sandwege, mal Waldwege, mal etwas befestigte Wirtschaftswege dann wieder typische Holperstrecken, dann mit tiefen Schlammlöchern versehene Wege: Kurz: Jeder Weg war anders und das Auge konnte sich gar nicht sattsehen an den vielen schönen unterschiedlichen Dingen. So wie hier.

Und: Rügen ist das Land der Baum-Alleen. Selbst der winzigste Ackerweg wird als Allee angelegt.

In dem (Yacht)-Hafen Lauterbach, in dem ich irgendwann lande, ist Jahrmarkt. Ich genehmige mir ein großes Schwarzbier und ein Steak mit Pilzen am Grillstand und die Bühne macht Soundcheck und spielt dafür herrlichen erdigen Rock und ich bleibe sitzen und träume eine ganze Weile vor mich hin und geniesse die Musik. Jugenderinnerungen.

Dann irgendwann ist der Check vorbei und ich mache mich auf nach Kotbus, was sich als eine glänzende Repräsentationsarchitekturstadt heraus stellt. Aber so recht viel Zeit habe ich nicht und zudem ist da auch noch ein Bücherantiquariat und ich bin kaum drin , da komme ich auch schon mit 5 kg Bücher für 10 EUR heraus - ich konnte garnicht anders.

Als ich dort eine historische wunderschöne 8-Farbdruckkarte von 1878 von Rügen aufklappe und mich in sie versenke, kommt die Besitzerin dazu und ich sage, ich würde mich nur kurz informieren wollen, wie ich denn wieder zurück nach Puddemin komme. Sie sagt, das sein mit dieser Karte wohl nicht möglich. Als ich ihr erkläre, dass ich per Rad da sei, sagt sie: Dann haben sie genau die richtige Karte: Denn auf dieser sei noch der Verlauf der ehemaligen Schmalspurbahn enthalten, und diese Strecke sei jetzt zu einem Fernwanderfahrradweg umgebaut worden und die Strecke führe direkt u.a. nach Puddemin, denn das sei früher ein wichtiger Hafen für die Verschiffung der Rügener Kreide und Rüben gewesen und die Zeesschiffe waren ja sehr flachgehende Schiffe, die in diesem Wiek gut zurecht kamen. Die Straße lang, dann bei PENNY rechts rein, geradeaus und dann stoße ich auf die Schmalspurtrasse und dann links rum und immer der Spur folgen.

Vorher will ich aber noch nach Bergen.

Auf dem Weg zurück auf dieser ehemaligen Schmalspurstrecke bleibe ich irgendwo stehen, weil mir was aufgefallen war - ich aber nicht richtig wusste, was.

Ich lege mich in das Gras unter einer alten Eiche, schaue auf den herrlich geschwungenen Rücken eines Weizenfeldes, aber dieser Blick ist es nicht, weswegen ich anhielt.

Dann merke ich es: Kein Geräusch.

Absolute Stille, wie ich sie noch nirgendwo so deutlich hören konnte: Stille.

Nur ab und zu ein dicker Brummer, dann wieder anfassbare Stille, die mich wie Dicke Milch umgibt.

Ich genieße diese Pause, träume, seh den Wolken nach, wenn welche über den Himmel segeln und überlaß mich den Gedanken, wo mich mein Weg mit MISS SOPHIE wohl noch so alles hinbringen wird.

Auf dem Weg zurück an einer Gärtnerei vorbei: Tomaten, Gurken, Möhren und Zucchinies gekauft. 5 EUR.

Nach ca. 80 gefahrenen Km und einem etwas wunden Hintern, denn die Wege hier auf Rügen sind gewöhnungsbedürftig, wieder in Puddemin, wo ich mir ein großes Glas Bier gönne und mit zwei anderen Seglern schnell in ein gutes Gespärch komme: Der eine geflüchtet und jetzt hierher zurückgekommen, der andere geblieben und die beiden kennen  sich aus der Schulzeit und segeln jetzt schon seit Jahren miteinander.

Es gibt Salat.

 

 

 

Aufkreuzen nach Puddemin / Rügen

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Published on Juli 21st, 2010 @ 23:35:19 , using 596 Wörter,
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie
Aufkreuzen nach Puddemin / Rügen
Aufkreuzen nach Puddemin / Rügen
Aufkreuzen nach Puddemin / Rügen

 

Es was am Mittwoch wie immer schönes Wetter, der Wind wehte zwar von Ost, da wollte ich hin, aber ich dachte, in dem sich  zum Greifswalder Bodden sich öffnende Sund bietet letztlich eine solche Breite, das Aufkreuzen möglich ist. Also durch die Ziegelgraben-Brücke um 12:20 und dann ran an den Wind.

Das ganze wurde dann doch zu einer schweißtreibenden Tätigkeit, weil der Wind mal mit 3 mal mit 5 wehte, und ich zugleich die Fock dicht holen muss, dabei das Ruder mit den Knien in die richtige Lage bringen, den Schiffsverkehr im Auge behalten, die Karte im Kopf haben und mit dem Plotter abgleichen und das Echolot beobachten muss. Und der Wimnd immer gegenan.

Der Wind aus Ost, der Sund verlief aber mal nach Südost, dann nach Nordost, dann nach Ost, dann wieder nach Südost in verschiedener Prägnanz. Das führt natürlich dazu, dass sich der Wind den natürlichen geologischen Gegebenheiten anpasst und auf Grund der Hügelstruktur der Boddenküste, sich dem Relief dieser Küste jeweils anschmiegt: also immer gegenan, weil die Küstenstruktur wie eine Düse wirkt.

Der Törn kostet mich einen roten Fender. Meine Fender sind hinten an der Reling angebänselt und hängen aussen an der Reling und werden meistens beim Segeln nach binnen geholt. Das hatte ich diesmal versäumt mit der Folge, dass wenn MISS SOPHIE sich in den Böen mit 30 Grad auf die Seite legte, einer der Fender dabei im Wasser ein ganz wenig aufschwamm, in den Webeleinenstek etwas Lose kam  und sich dadurch löste - und weg war er.

Als ich es merkte, versuchte ihn im Wasser zu entdecken - aber keine Chance. Selbst bei der auffälligen Farbe, dem guten Licht, keine Welle - nichts zu sehen.

Eigentlich wollte ich nach Seedorf an der Nordseite des Greifswalder Bodden, aber noch im Sund kurz vor dem Ausgang in den Greifwalder Bodden versiegte der Wind um 16:00 gänzlich (im Nachhinein zwar nur für 30 Minuten) und ich nahm zerknirscht die Segel runter.

Jetzt war ich genau dem Fahrwasser nach Puddemin gegenüber, dass ich eigentlich unbedingt anlaufen wollte, weil ich im Revierführer von der Einzigartigkeit dieses winzigen Hafens gelesen hatte, mich aber nicht so ganz traute, weil ich von der Flachheit dieser Rinne die eine oder andere nicht wirklich amüsante Geschichte von Stegnachbarn gehört hatte.

Nun aber dachte ich, die Flaute hier nehme ich mal als ein deutliches Zeichen von Rasmus, hier jetzt einzulaufen.

Also auf die rote P2 Tonne zu, die gegenüber der weit in das Fahrwasser hineinreichenden Landzunge Glewitzer Ort steht. Die Kieselzunge geht wirklich bis auf Meter an das Fahrwasser heran, das hier eh nur ca. 30 Meter breit ist.

Also genau steuern, immer nach achtern schauen, ob MISS SOPHIE  noch in der Linie ist und weiter.

Links sind schöne Schilfränder, davor Schwäne, Kraniche, Bläshühner, rechts öffnet sich ein schöner Ankerplatz mit 2 Meter Wassertiefe, in dem auch ein paar Yachten liegen, aber das Fahrwasser mäandert noch zwei Seemeilen lang durch diese schöne Boddenlandschaft, bevor sich der winzige kleine Hafen von Boddemin auftut und einen da schon von weitem der nette Hafenmeister in Empfang nimmt, mit dem Quittungsblock schon in der Hand, obwohl noch gar keine Leinen an Land sind.

Aber das macht er nur im Scherz und ist auch zu so manchen anderen Scherzen immer gut aufgelegt.

Hier liegt man wie in Abrahams Schoß und nun sollen die Gewitter ruhig kommen.

Kamen aber nicht.

Dafür eine Nacht, in der ich nicht das geringste Geräusch gehört habe. Nichts. Nur Stille.

Heute noch keine Bilder - wir sind hier auf dem wirklich platten Land, kein Laden, ein paar Bauernhäuser in der näheren Umgebung - dass ich hier überhaupt Empfang habe, ist verwunderlich.

Bilder werden nachgereicht.

 

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