von Jörg Streese

Schlechtwetter

Verfasst von:js
Published on Mai 17th, 2012 @ 22:30:29 , using 294 Wörter, 380 Ansichten
Veröffentlicht in Tagebuch der Miss Sophie

 

Seit gestern regnet es eigentlich ununterbrochen. Also eigentlich nieselt es ununterbrochen.


Gestern habe ich mich deshalb hinter einem Buch verkrochen. Mal wieder „Die Kreuzfahrt der Nona“ von Hilaire Belloc, einem englischen Schriftsteller und Politiker, der seine Nona, ein hölzernes Dreißig-Fuß-Schiff ohne Motor, in den ersten 30 Jahren des letzten Jahrhunderts an den englischen Küsten gesegelt und darüber ein wundervolles Buch geschrieben hat, was zum ewigen Bestand der Schiffsbibliothek der MISS SOPHIE geworden ist und ich glaube, ich möchte seine Reisen noch einmal in meinem Leben mit meiner MISS SOPHIE nachsegeln – allerdings nicht die dramatischen Situationen wiederholen, von denen einige in seinem Buch lebendig vor Augen kommen.


Zur Tradition gehört es inzwischen auch, dass ich am Anfang meines Lebens auf MISS SOPHIE mir „Moby Dick“ von Herman Melville in der 14-stündigen Hörfassung anhöre und damit den jeweiligen Arbeitstag gemütlich auf der Koje liegend beende. Damit habe ich vor 17 Tagen angefangen. Und manches Kapitel zweimal gehört. Es ist jedesmal ein richtiges Eintauchen in diese verschollene Welt. Und es ist diese wundervolle bilderreiche Sprache, die ich an dem Buch so liebe.


Heute nun wurde es ernst.

Ich habe meine Seekarten neu klariert. Die über 100 Karten nach Seegebieten gruppiert und mit Bändseln gebündelt. Und dann habe mich in die Karten und Törnbeschreibungen des nördlichen Teils des Rigaer Meerbusens vertieft, weil ich davon nur einen russischen Kartensatz habe, in der natürlich die Fachwörter in russischer Sprache enthalten sind und die muss ich jetzt umdenken lernen, bzw. mir ihre Bedeutung aus anderen Karten mit den gleichen Symbolen erschließen. Also eine Arbeit, bei der es draußen ruhig den ganzen Tag regnen darf. Was es dann auch tat.


Aber an Deck warten auf mich notwendige Arbeiten, für die ich Trockenheit brauche. Also wollen wir dem Wettergott ein paar wohlwollende Gedanken senden.

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